Deltaport Niederrheinhäfen luden zum 1. Hafentag nach Emmerich

Infrastruktur ertüchtigen und Güterströme optimieren
Von Petra Grünendahl

Begrüßte das Publikum zum 1. Hafentag der DeltaPort Niederrheinhäfen in Emmerich: Andreas Stolte, Geschäftsführer der DeltaPort GmbH & Co. KG und der DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH. Foto: DeltaPort.
Erster Hafentag der DeltaPort Niederrheinhäfen in Emmerich. Foto: DeltaPort.
Die Seehäfen in Rotterdam und Antwerpen verzeichnen steigende Containerumschläge, erklärten die Vertreter der beiden Nordsee-Häfen, Sanne Maris und Dr. Dieter Lindenblatt, beim 1. Hafentag der DeltaPort Niederrheinhäfen in Emmerich. Bedeutende Teile dieser Güterumschläge gehen ins Hinterland: Das sind über die Rheinschiene der Niederrhein und das Ruhrgebiet – und auf der Durchreise darüber hinaus. „Die A1- und A40-Brücken stehen sinnbildlich für unsere Infrastruktur“, warnte Andreas Stolte, Geschäftsführer der DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH. Geplant waren sie vor über 50 Jahren für 40.000 Fahrzeuge am Tag. Vor den ersten Sperrungen wegen Baufälligkeit fuhren täglich über 120.000 Fahrzeuge über die Brücken – inklusive Lkw mit Ladungsgewichten, für die die Rheinquerungen nie ausgelegt waren: „Wir sind alle davon betroffen“, so Stolte. Die Verlagerung von Güterverkehren weg von der Straße ist dringend nötig. Für die letzte Meile ist der Lkw unerlässlich, für die langen Wege gibt es wirtschaftlichere und umweltfreundlichere Alternativen: die Wasser- und die Schienenwege. Intentionen zur Stärkung von Bahn und Binnenschiff gibt es schon lange – mit einem Anteil am Modalmix von 39 Prozent. Über Lippenbekenntnisse gingen diese aber bislang nie hinaus: der Lkw hält über 80 Prozent am Gütertransport.

Erster Hafentag der DeltaPort Niederrheinhäfen in Emmerich (v. l.): Bürgermeister Peter Hinze (Emmerich), Andreas Stolte (DeltaPort Niederrheinhäfen), Udo Jessner (Port Emmerich), NRW-Verkehrsminister Hendrick Wüst und Christian Kleinenhammann (NIAG Niederrheinische Verkehrsbetriebe AG), Foto: Petra Grünendahl.
Auch an Deutschlands führendem Logistikstandort Nordrhein-Westfalen machen sich Logistik-Fachleute Gedanken über ihre Zukunft in einem Bundesland am Verkehrsinfarkt: 17 Prozent der Autobahnen nehmen 20 Prozent des bundesdeutschen Verkehrs auf. Die DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH hatte zu ihrem 1. Hafentag eingeladen, um Zukunftsperspektiven insbesondere der Binnenschifffahrt und der Binnenhäfen am Niederrhein mit Hafen- und Logistikwirtschaft, Politik und Verwaltung zu diskutieren und in die überregionalen Verkehrs- und Güterströme einzuordnen.

Welche Rollen können die Häfen an Niederrhein in der Zukunft spielen?

Sanne Maris, Referentin External Affairs Deutschland des Hafens Rotterdam. Foto: DeltaPort.
Dr. Dieter Lindenblatt, Rrepräsentant des Hafens Antwerpen in Deutschland. Foto: DeltaPort.
Erst Anfang des Jahres hatten die Verantwortlichen der Häfen am Niederrhein* als gemeinsame Dachmarke gegründet: In der DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH (Orsoy, Voerde, Wesel, Emmerich) haben sich fünf Hafenstandorte mit multimodaler Anbindung zusammengeschlossen, um unter anderem ein gemeinsames Standortmarketing zu machen. Die Standorte haben unterschiedliche Schwerpunkte, ergänzen sich aber auch. Die Contargo Rhein-Waal-Lippe GmbH mit Sitz in Emmerich hat im April letzten Jahres ein neues Containerterminal in Voerde Emmelsum eröffnet. Dorthin konnten Containerverkehre, Schwerpunkt des Umschlages im Port Emmerich, umgeleitet werden, als im Emmerich keine Kapazitäten frei waren. Die Standorte der DeltaPort Niederrheinhäfen haben Ansiedlungspotenziale bzw. bemühen sich um Flächen, um weitere Umschlagspotenziale zu erschließen. „Duisburg, Neuss-Düsseldorf oder Köln sind gut ausgelastet, so dass weitere Hafenstandorte als Hinterlandanbindung interessant werden“, brachte es Sanne Maris, Referentin External Affairs Deutschland des Hafens Rotterdam, auf den Punkt. Die Binnenschifffahrt hat Potenziale, Güterverkehre in großen Mengen für lange Transportstrecken von den hoffnungslos überlasteten Straßen auf die Wasserwege zu verlagern. Diese müssten genutzt werden, waren sich die Teilnehmer einig, um den nahenden Verkehrsinfarkt zu verhindern. Die Menge der Güter, die aus den Seehäfen nach oder durch Nordrhein-Westfalen kommen, steigt weiter an. „Antwerpen will in Zukunft weiter wachsen, optimiert den Güterumschlag und schafft zusätzliche Kapazitäten für Container“, bestätigte Dr. Dieter Lindenblatt, Repräsentant des Hafens Antwerpen in Deutschland. Auch die Belgier legen Wert auf die Nachhaltigkeit der wachsenden Hinterlandverkehre und setzen auf umweltfreundliche Verkehrsträger wie Binnenschiff und Schienengütertransport.

NRW-Verkehrsminister Hendrick Wüst. Foto: Petra Grünendahl.
„Mobilität ist die Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand“, erklärte Hendrik Wüst, Verkehrsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, als Schirmherr des Hafentages. Er zeigte in seiner Eröffnungsrede (Keynote) auf, welche Anstrengungen das Land unternimmt: „Wir werden die Infrastruktur sanieren, modernisieren und bedarfsgerecht ausbauen“, versprach der den versammelten Logistik-Fachleuten. Erste Erfolge konnte er auch vermelden: Zusätzlich zu 30 neuen Stellen für die Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen (WSV) bundesweit konnte er in Berlin weitere 15 Stellen nur für NRW rausschlagen. Auch für den Straßenbau ist aus den Geldern für den Bundesverkehrswegeplan 2030 reichlich Geld für Nordrhein-Westfalen da: Er habe aktuell Probleme, die zur Verfügung stehenden Gelder vollständig verbaut zu bekommen, weil Planerstellen in den Verwaltungen fehlen. Wüst machte klar, dass er sich auf Bundesebene intensiv für die verkehrspolitischen Interessen NRWs einsetzen und in Fach- und Finanzausschüssen des Bundestages um die benötigten Gelder werben wird.

Erster Hafentag der DeltaPort Niederrheinhäfen in Emmerich. Foto: DeltaPort.
Ein deutsches Problem sind Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte – egal, ob es um Neubau oder um Ausbau bestehender Verkehrswege geht. Während die Niederlande schon 2007 die neuen Eisenbahnstrecken in Betrieb genommen haben, die in der Vereinbarung zur Betuwe-Linie vereinbart waren, hat man in Deutschland nicht einmal mit den Bauarbeiten zur Ertüchtigung von bestehenden Eisenbahn-Strecken begonnen. „Es kann nicht sein, dass wir an der Komplexität von Genehmigungsverfahren ersticken“, so DeltaPort-Hafenchef Stolte. Man müsse die Bevölkerung mitnehmen, Vorteile der Verkehrsprojekte klar machen und einen angemessenen Ausgleich anbieten, um Proteste und Bürgerinitiative zu verhindern.

Port Emmerich

Udo Jessner, Geschäftsführer der Port Emmerich GmbH. Foto: DeltaPort.
Michael Mies, Geschäftsführer der Contargo Rhein-Waal-Lippe GmbH. Foto: DeltaPort.
Der Hafen Emmerich. Foto: DeltaPort.
Port Emmerich. Foto: DeltaPort.
Als Gastgeber des 1. Hafentags der DeltaPort Niederrheinhäfen nutzte der Port Emmerich die Gelegenheit, sich als Logistikstandort vorzustellen. Schon seit dem 17. Jahrhundert verfügte Emmerich über eine Anlegestelle am Rhein, erst 1904 entstand hier ein Industriehafen. Seit Mitte der 1990er-Jahre hat sich der Schwerpunkt der Containerverladung herausgebildet: Von 20.000 TEU** im Jahr 1995 stieg der wasserseitige Containerumschlag auf rund 127.000 TEU im Rekordjahr 2015 (seitdem um die 115.000 TEU). Eine weitere, dritte Containerbrücke ist in Planung. Daneben gibt es kleinere Umschläge von Öl und Chemie. Neben der Anbindung an die A3 ist der Hafenstandort an die Bahnstrecke Amsterdam-Genua angebunden.

Zum Abschluss führten Udo Jessner, Geschäftsführer der Port Emmerich GmbH, und Michael Mies, Geschäftsführer der Contargo Rhein-Waal-Lippe GmbH in Emmerich, Interessierte bei einer Bustour durch die Containerhafenanlagen sowie zu den großen Logistikzentren, die den Hafen Emmerich für ihren Güterumschlag nutzen. Neben Ansiedlungen in Emmerich hat sich ein riesiges Logistikzentrum direkt hinter der Grenze in den Niederlanden angesiedelt: „Hier schöpfen wir das Frachtaufkommen ab“, so Udo Jessner. „Die Wertschöpfung findet aber in Holland statt“, räumte Michael Mies ein. Und dorthin fließen die Steuern, die bei Ansiedlung auf deutscher Seite in Emmerichs Stadtkassen fließen würden. Hier wünschen sich die Logistiker in Emmerich die Ausweisung von mehr Gewerbeflächen: „Wenn wir Gewerbeflächen anbieten können, gibt es auch interessierte Unternehmen, sind doch die Grundstückspreise jenseits der Grenze deutlich teurer“, so Jessner, und: „Wir erwarten eine Steigerung um 60.000 TEU im Containerumschlag in der Region in den nächsten Jahren. Davon wollen wir in Emmerich in Form von weiteren Gewerbeansiedlungen auch etwas abbekommen.“

*) die Hafenbetreiber DeltaPort GmbH & Co. KG, NIAG Niederrheinische Verkehrsbetriebe AG und Port Emmerich GmbH
**) TEU = Twenty Foot Equivalent (Standardcontainergröße)

© 2018 Petra Grünendahl
Fotos: Petra Grünendahl (2), DeltaPort (10)