RuhrKunstMuseen präsentieren Gesamtkatalog zur Ausstellungsreihe „Kunst & Kohle“

Werk für die Ewigkeit markiert Ende der Kohleförderung
Von Petra Grünendahl

Sie steht im Mittelpunkt der künstlerischen Positionen, die die RuhrKunstMuseen zum Ausstieg aus der Steinkohleförderung zeigen: die Kohle. 17 Bände dokumentieren das einzigartige Projekt. Foto: Petra Grünendahl.
„Jeder der siebzehn Kataloge ist ein Unikat. Wir haben lediglich den Rahmen vorgegeben. Für die Inhalte ist das jeweilige Museum verantwortlich“, erklärte Prof. Dr. Ferdinand Ullrich, Koordinator des „Kunst & Kohle“-Projekts und vor seinem Ruhestand 2017 Direktor der Museen der Stadt Recklinghausen, den Aufbau das 17-bändigen Gesamtwerks. „Was bleibt, ist der Katalog. Er ist für die Ewigkeit gemacht“, so Projektkoordinator Ullrich. „Uns war die künstlerische Seite der Kohle wichtig, für die kulturhistorische Einordnung sind andere zuständig“, sagte Ullrich mit Blick zum Beispiel auf das Ruhr Museum in Essen. Die Ideen der beteiligten RuhrKunstMuseen habe dieses Projekt erst möglich gemacht.

Stellten den Gesamtkatalog im Kunstmuseum Gelsenkirchen vor (v. l.): Verleger Michael Wienand, Leane Schäfer (Sprecherin der RuhrKunstMuseen und Leiterin des Kunstmuseums Gelsenkirchen), Prof. Dr. Ferdinand Ullrich (Koordinator des „Kunst & Kohle“-Projekts und vor seinem Ruhestand 2017 Direktor der Museen der Stadt Recklinghausen) und Annette Berg, Kulturdezernentin der Stadt Gelsenkirchen. Foto: Petra Grünendahl.
Das Gesamtwerk der Ausstellungskataloge zur Reihe „Kunst & Kohle“ stellt auf gut 1.400 Seiten die Kunstausstellungen, die die RuhrKunstMuseen zum Ausstieg aus der Steinkohleförderung Ende 2018 konzipiert haben. Siebzehn ganz unterschiedliche Werkschauen zeigen, wie sich Künstler mit der Materie Kohle und mit dem Bergbau auseinander gesetzt haben. Im Pressegespräch im Kunstmuseum Gelsenkirchen stellten Prof. Dr. Ferdinand Ullrich, Leane Schäfer, Sprecherin der RuhrKunstMuseen und Leiterin des Kunstmuseums Gelsenkirchen, und Annette Berg, Kulturdezernenten der Stadt Gelsenkirchen, zusammen mit dem Verleger Michael Wienand das Werk vor. Die Ausstellungskataloge dokumentieren die Verschiedenartigkeit der Ansätze, mit denen die teilnehmenden 17 RuhrKunstMuseen sich dem Thema Kohle in der Kunst angenähert haben. Sie versammeln über 100 künstlerische Positionen nationaler und internationaler Künstler, deren Werke seit Anfang Mai in 13 Städten der Metropole Ruhr zu sehen sind.

Zur Vorstellung des Gesamtkatalogs waren auch Vertreter der beteiligten Museen nach Gelsenkirchen gekommen. Foto: Petra Grünendahl.
Die einzelnen Museen haben nicht nur die Werke, sondern ihre Ausstellungen im Detail dokumentiert und mit fachkundigen Begleittexten versehen. „Das macht man nicht mal so nebenbei“, sagte Kurator Dr. Michael Krajewski vom Lehmbruck Museum in Duisburg. Dass dies teilweise erst während der Laufzeit geschehen konnte, hatte zumindest einige dieser Werke arg verzögert, so dass die Gesamtpräsentation erst jetzt stattfinden konnte. „Kunst & Kohle“ ist das größte Projekt, welches die RuhrKunstMuseen in den 10 Jahren ihres Bestehens auf die Beine gestellt haben. „Ohne die Erfahrungen aus früheren Projekten hätten wir das nicht stemmen können“, lobte Leane Schäfer die Zusammenarbeit im Netzwerk der Museen.

Die Kohle in der Kunst: 17 Museen zeigten Werke unterschiedlichster Ausrichtung und dokumentierten die Schau. Foto: Petra Grünendahl.
Ferdinand Ullrich hob auch die Unterstützung durch Sponsoren hervor: „Das ist gut investiertes Geld für die Neuausrichtung der Region“, betonte er die Identität stiftende Rolle der Kunst. Damit geben Kunst und Kultur der Region etwas zurück: Der unvergleichliche Reichtum der Kulturlandschaft im Ruhrgebiet ist schließlich der Kohle zu verdanken. Auch für ihn sei das ein ganz besonderes Projekt gewesen, erklärte der Verleger Michael Wienand: „Ich freue mich, das begleiten zu dürfen.“ Der Kölner erzählte, wie sehr er die Kunst als verbindendes Element im Ruhrgebiet kennen gelernt habe: „Leider hat die hiesige Kulturlandschaft noch nicht die breite Öffentlichkeit, die ihr eigentlich zusteht.“

Limitierte Auflage: 17 Bände im Schuber
Mittlerweile sind die Einzelbände der RuhrKunstMuseen an den jeweiligen Museumskassen zu Einzelpreisen zwischen fünf und 15 Euro (je nach Umfang des Werks) zu haben. Anfang Oktober soll nun die komplette Sammlung von 17 Bänden im Schuber an den Museumskassen erhältlich sein. Das Gesamtwerk mit einem Gesamtgewicht von 15 Kilogramm ist in limitierter Auflage verfügbar: Jedes Museum hat nur zehn Stück zum Preis von je100 Euro im Verkauf. Die Kataloge sind allesamt im einheitlichen Design im Wienand Verlag (Köln) erschienen. „Wir können stolz darauf sein“, erklärte Kulturdezernentin Annette Berg: Auf das Ausstellungsprojekt ebenso wie auf eine rundum gelungene Dokumentation einer einzigartigen Ausstellungsreihe. Die Kunstausstellungen in den 17 Museen wurden finanziell unterstützt von der Brost-Stiftung und der RAG-Stiftung (als Hauptsponsoren) sowie mit Fördergeldern der nordrhein-westfälischen Ministerien für Wirtschaft und Kultur. Für die Kataloge gab es Fördermittel von der Kunststiftung NRW.

Zur Finissage mit besonderen Aktionen
Noch bis zum 16. September zu sehen sind im:

  • Kunstmuseum Bochum: Andreas Golinski. In den Tiefen der Erinnerung
  • Museum DKM, Duisburg: Die Schwarze Seite
  • Museum Folkwang, Essen: Hermann Kätelhön. Ideallandschaft: Industriegebiet
  • Kunstmuseum Gelsenkirchen: Alicja Kwade mit Dirk Bell, Gregor Hildebrandt und Rinus van de Velde
  • Flottmann-Hallen Herne: David Nash. Holz und Kohle
  • Skulpturenmuseum Glaskasten Marl: The Battle of Coal
  • Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr: Helga Griffiths. Die Essenz der Kohle
  • Kunsthalle Recklinghausen: auf. Gert und Uwe Tobias
  • Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna: Down here – up there
  • Märkisches Museum Witten: Vom Auf- und Abstieg

Bis zum 23. September 2018 läuft im Josef Albers Museum im Quadrat Bottrop „Bernd und Hilla Becher – Bergwerke“, bis zum 7. Oktober im Lehmbruck Museum, Duisburg „Reichtum: Schwarz ist Gold“, bis zum 14. Oktober 2018 in der Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum (Museum unter Tage) die Ausstellung „Schwarz“ sowie bis zum 28. Oktober 2018 im MKM Museum Küppersmühle für Modeme Kunst im Duisburger Innenhafen die „Hommage an Jannis Kounellis“.

Über die Duisburger Ausstellungen haben wir bereits berichtet:
http://www.rundschau-duisburg.de/?s=kunst+kohle

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)