Loveparade-Strafprozess – Anklage nicht zugelassen: Stellungnahme von Oberbürgermeister Sören Link

Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.
Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.
„Fünf Staatsanwälte und fast Hundert Polizisten haben in den letzten Jahren zur Loveparade-Katastrophe ermittelt. Die Hauptakte umfasste mehr als 44000 Seiten, über 3400 Zeugen wurden vernommen. Trotz dieser kaum vorstellbaren Datenflut konnte im strafrechtlichen Sinne kein Schuldiger gefunden werden.

Das Gericht führte heute aus, dass vor allem das Gutachten des Panikforschers Keith Still nicht verwertbar sei, da es, ich zitiere, „an gravierenden methodischen und inhaltlichen Mängeln“ leide. Die Vorwürfe der Anklage können mit den vorgelegten Beweismitteln nicht bewiesen werden, weswegen eine Verurteilung nicht zu erwarten sei.

Ich bin kein Jurist und kann deswegen keine fachliche Einschätzung abgeben. Ich bin sicher, es wird in den nächsten Tagen viele geben, die die Begründung des Gerichts fundiert bewerten können. Aber ich bin ein Mensch. Ein Mensch, der Familie hat, eine Frau, Freunde, Menschen die ich liebe, die mein Leben bereichern – ja ausmachen.

Und als solcher leide ich heute mit den Angehörigen, mit den Eltern, Partnern, mit den Freundinnen und Freunden, mit den vielen Verletzten und Traumatisierten, mit den Menschen, für die die Loveparade eine Zäsur in ihrem Leben darstellt, von der sich viele bis heute nicht erholt haben.

Sie alle werden heute schwer tragen an der Entscheidung des Gerichts. Sie werden schwer daran tragen, dass es auf die Frage, wer die Schuld an dieser Katastrophe trägt, auch nach über fünf Jahren keine eindeutige Antwort gibt.

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Wer seinen Sohn, seine Tochter, sein Liebstes verloren hat, der fragt nicht nach Verfahrensfehlern oder danach, warum ein Gutachten verwertbar ist oder nicht. Der darf Unverständnis äußern, dass es mehr als ein halbes Jahrzehnt brauchte, um diese Katastrophe aufzuarbeiten, ohne dass am Ende jemand strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden konnte.

Ich weiß allerdings auch, dass viele Betroffene schon lange davon ausgingen, dass die juristische Aufarbeitung ihnen keinen Frieden bringen wird. Für viele war es ein Schlag ins Gesicht, dass die damalige Stadtspitze und der Geschäftsführer des Veranstalters nicht auf der Liste der Beschuldigten standen. So ist der heutige Tag für viele eine weitere Enttäuschung.

– Pressemeldung der Stadt Duisburg / Referat für Kommunikation –
Foto: Petra Grünendahl

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