Duisburg Loveparade: Skandal überschattet Nacht der 1000 Lichter

Stiftungsbeirat Dirk Schales lässt durch Sicherheitsdienst 2 Pressevertreter rauswerfen. Nach Offenbarungseid Loveparade-Stiftung gegründet?

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Oberbürgermeister Link und Gattin auf der Nacht der 1000 Lichter | © Jürgen Rohn
Oberbürgermeister Link und Gattin auf der Nacht der 1000 Lichter | © Jürgen Rohn

Es sollte mit der Nacht der 1000 Lichter an diesem Sonntag der Toten der Loveparade-Katastrophe gedacht werden. Auch Oberbürgermeister Sören Link und Gattin packten an, die unzähligen Kerzen zu verteilen. Ja, es hätte tatsächlich eine Veranstaltung werden können, die dem traurigen Anlass mit einem würdigen Gedenken gerecht geworden wäre. Allerdings wurde dieser Abend nachhaltig von einem Skandal erschüttert, der sowohl die Pressefreiheit bis in die Grundfesten angreift als auch die gesamte Loveparade Stiftung in ein halbseidenes Licht rückt.

Beirat und Stiftungsgründer Dirk Schales der Loveparade Stiftung Duisburg 24.7.2010 ließ zwei in seinen Augen unliebsame Pressevertreter durch die Security rauswerfen. Die freie Journalistin Petra Grünendahl dazu: „Ich wusste überhaupt nicht, wie es mir geschah. Ich lief hinter dem Journalisten Jürgen Rohn und dessen Bekannten, weil wir die Veranstaltung verlassen wollten. Ich machte dabei noch Fotos. Dabei sah ich, wie Herr Schales dem Herrn Rohn den Weg verstellte. Dann ließ Herr Schales uns zu viert rauswerfen, der Oberbürgermeister stand einige Meter daneben.“ Der Jungsozialist Pascal Otterbeck aus Velbert war extra zur Nacht der 1000 Lichter mit einem Bekannten und dem Zug angereist. „Ich bin fassungslos, wie Schales ohne Veranlassung von einem angeblichen Hausrecht Gebrauch macht. Es war ja eine öffentliche Veranstaltung unter freiem Himmel. Und es gab dafür überhaupt keinen Grund“, erklärt Otterbeck wütend.

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Ganz anders dagegen sieht es der Journalist Jürgen Rohn. „Den ganzen Abend provozierte Schales und beleidigte sogar meine Mutter. Ich habe ein dickes Fell und gehe mit Provokationen professionell um“, so Rohn. Der Journalist vermutet aber eine Retourkutsche. Wir hatten im Rahmen einer Recherche im Vorfeld Unregelmäßigkeiten bei Herrn Schales entdeckt. Daher hatte wir uns am 31. März 2016 mit dem Vorstand der Stiftung in Verbindung gesetzt. Möglicherweise ist in unserer damaligen Presseanfrage der Rauswurf 4 free zu sehen, denn wenige Monate zuvor, ehe Herr Schales die Stiftung gründete, wurde er mittels Vermögensauskunft ins Schuldnerverzeichnis eingetragen. Auch liegt uns ein Schreiben der Kanzlei Grotstollen vor, in dem der ehemalige Kassierer eines damaligen Lopa Opfervereins von Schales als 2. Vorsitzenden 500 Euro anmahnte und mit Klage drohte. Die Öffentlichkeit hat ein Recht, darüber infomiert zu werden, erläutert Jürgen Rohn,  denn schließlich erhält die Stiftung auf Antrag jedes Jahr von der bis über die Ohren verschuldeten Stadt Duisburg 50.000 Euro. Da möchte der Bürger schon wissen, ob das Geld sachgerecht eingesetzt wird. Daher veröffentlichen wir jetzt auch unsere Presseanfrage und die erfolgte Antwort durch die Stiftung:

Sehr geehrte Frau Nellen, sehr geehrter Herr Widera,

bekanntlich hatten Sie im Namen der Stiftung Duisburg 24.7.2010 für traumatisierte Opfer im März über die Medien um Spenden gebeten. Für potentielle Spender ist die Reputation der Stiftungsgründer ein Kriterium.

Frage 1: Wie stehen Sie dazu, dass ein Stiftungsgründer, Dirk Schales, im öffentlichen Schuldnerverzeichnis steht? Eine Abgabe der Vermögensauskunft beinhaltet Zahlungsunfähigkeit. Besteht nicht die Gefahr, dass dadurch die Stiftung beschädigt wird?

Frage 2: Wie stehen Sie dazu, dass der damalige Kassierer des Loveparade Opfervereins „Never Forget den Opfern der Loveparade“, Herr Willi Valentin, seinerzeit vom jetzigen Stiftungsgründer Schales über einen Rechtsanwalt 500 Euro einforderte, die angeblich ausstehen würden? Dritte hatten das Anwaltsschreiben im Nachgang ins Internet öffentlich abrufbar eingestellt. Besteht nicht die Gefahr, dass dadurch die Stiftung beschädigt wird? Zu den Fragen 1 und 2 legen wir als Anlage Belege anbei zur internen Verwendung.

Vorstand Widera antworte seinerzeit wie folgt: „zu Ihrer Anfrage: Die Stiftung gibt keine Stellungnahmen ab, die in das Privatleben hineinreichen. Mit freundlichem Gruß Jürgen Widera“. Dass das sogenannte „Privatleben“ von Beirat und Stiftungsgründer Schales dazu führt, dass kritisch nachfragende Pressevertreter während einer Gedenkveranstaltung durch den Sicherheitsdienst rausgeworfen wurden, lässt einen süßlich fauligen Geruch aufkommen. Es stinkt gewaltig bei der Affäre Schales. Seriös geht anders!

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6 Kommentare "Duisburg Loveparade: Skandal überschattet Nacht der 1000 Lichter"

  1. Archivar   25. Juli 2016 at 01:34

    ich glaube es wohl nicht. zu pleite, um seine Schulden zu zahlen aber eine Stiftung gründen? Will der feine Herr sich etwa sanieren? Ich könnte brechen.

    Antworten
  2. Beobachter   25. Juli 2016 at 03:00

    Ein ähnliches Theater hatten wir, als 2015 Schales den Journalisten Lothar Evers – allerdings in einer Pressekonferenz – rauswerfen lassen wollte. Und als der nicht ging, dann die PK abgebrochen hatte. Die Stadt Duisburg hätte wissen müssen, wen sie ins Boot nimmt. So wird das Schiff Lopa Stiftung absaufen. Die Chaoten haben dort das Sagen.

    Antworten
  3. Antifa   25. Juli 2016 at 03:38

    lol, und eine Frau Schmidt hat sich als „Veranstalterin“ ausgegeben, die bei der Stadt Duisburg arbeitet. So viel Angst. Security, Security. :-)

    Antworten
  4. Jürgen Rohn   25. Juli 2016 at 07:42

    Artikel des SPD Mitglieds Pascal Otterbeck:

    http://pascal-otterbeck.de/2016/07/25/loveparade_jahrestagskandal_ueberschattet_gedenken/

    Antworten
  5. Silke   25. Juli 2016 at 13:51

    das ihr euch nicht alle schämt. offener streit am jahrestag. erinnert ein wenig an die afd, die die „lügenpresse“ gerne rauswirft. was für eine sekte ist überhaupt diese stiftung?

    Antworten
  6. Jürgen Rohn   27. Juli 2016 at 07:05

    Besser kann man ihn nicht kennenlernen, als durch das, was Herr Schales in einem Blog selbst schreibt auf über 16 Seiten.

    https://www.rundschau-duisburg.de/2016/07/26/duisburg-loveparade-werbung-fuer-die-stiftung-duisburg-24-7-2010-id067352.html

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