Die lustigen Weiber von Windsor im Theater Duisburg

Hinter den Fassaden einer bürgerlichen Ordnung

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Lesedauer: 4 Minuten

Foto: <a title="Hans Jörg Michel, Mannheim" href="http://www.foto-drama.com" target="_blank">Hans Jörg Michel, Mannheim</a> / <a title="Deutsche Oper am Rhein" href="http://www.operamrhein.de" target="_blank">Deutsche Oper am Rhein</a>
Foto: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

William Shakespeares einzige bürgerliche Komödie „Die lustigen Weiber von Windsor“ diente als Vorlage für die gleichnamige Oper, die Otto Nicolai (1810 – 1849) als komisch-fantastisches Singspiel (mit gesprochenen Dialogen) in drei Akten komponiert hatte. Nachdem er für das 1849 uraufgeführte Werk mehrere Libretti hatte schreiben lassen, entschied er sich für den Text von Hermann Salomon Mosenthal. Die Inszenierung der gut dreieinviertelstündigen Aufführung (inklusive zwei Pausen) stammt von Dietrich W. Hilsdorf, der schon verschiedene Stücke an der Deutschen Oper am Rhein auf die Bühne gebracht hatte. Obwohl in deutscher Sprache gesungen, erleichtern Übertitel das Verständnis der Handlung.

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“Ja, wenn es doch ein Ritter wär’, fein zierlich, jung an Jahren”, seufzt Frau Fluth (Heidi Elisabeth Meier), als sie Falstaffs Brief mit der Bitte um ein Stelldichein liest. Zu ihrem Leidwesen stammt der Brief aber nur vom dicken Ritter Sir John Falstaff (Thorsten Grümbel) als Personifikation von Lebenslust, dem seine Vorliebe für Wein und gutes Essen anzusehen ist. Und einen gleichlautenden Brief hatte der wenig attraktive Schürzenjäger auch noch an die Nachbarin Frau Reich (Katarzyna Kuncio) geschickt. Mit seinem Werben um die Frauen dringt er in die heile Welt ihrer bürgerlichen Gesellschaft ein. Den galanten Liebhaber jedoch nehmen ihm die Damen nicht ab, sein diesbezügliches Selbstbild ist wohl eher Illusion. Die Damen beschließen, ihm einen Denkzettel zu verpassen, der es in sich hat. Indem Falstaff wieder und wieder trotz schlechter Erfahrungen auf die vermeintlichen Angebote der Damen eingeht, wird er von der komischen zur tragischen Figur.

Virtuose Akteure begeistern das Publikum
Nicht nur gesanglich, auch schauspielerisch überzeugten die Akteure. So mimte der schlanke Thorsten Grümbel den lebenslustigen übergewichtigen Ritter ebenso glaubhaft wie Heidi Elisabeth Meier (als Frau Fluth) und Katarzyna Kuncio (als Frau Reich) die lustvoll Ränke schmiedenden Bürgersfrauen. Die Ränkeschmiederei gipfelte in virtuosen Gesangspartien der Damen, die das Publikum begeisterten. Erst nach der zweiten Lektion werden bis dato ahnungslosen die Männer (Stefan Heidemann als Herr Fluth, Sami Luttinen als Herr Reich) eingeweiht, so dass sie gemeinsam die finale Demütigung des verhinderten Liebhabers planen, an der im Wald vor dem Ort ganz Windsor Anteil haben soll.

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Fäden in ihrem Sinne spinnen wollte in einem zweiten Handlungsstrang auch Frau Reich (Kuncio), die für ihre heiratfähige Tochter Anna (Anna Princeva) eine anderen Verehrer, den Franzosen Dr. Cajus (Günes Gürle), favorisiert als ihr Mann mit dem Junker Spärlich (Paul Schweinester). Anna jedoch macht beiden einen Strich durch die Rechnung und heiratet ihren Liebsten Fenton (Jussi Myllys) in der Waldkapelle, während Falstaff in unmittelbarer Nähe seine finale Demütigung durch eine Bürgerschaft erlebt, die einem Lynchmob gleichkommt. Falstaff bedroht als Außenseiter aus verarmtem Adel nicht nur die bürgerliche Ehe (der Fluths und der Reichs), sondern die Kleinbürgerlichkeit ihrer Weltordnung. Die dritte Bestrafung im Wald ist denn auch eher ein Abschlachten denn ein Pisacken. Der „gehörnte“ Falstaff landet schlussendlich in einem Sarg. Sein „I’ll do my very best“ als man ihm die Weinflasche hinein reicht, stammt aber vermutlich weder von Shakespeare noch Mosenthal … ;-)

Stimmungsvolle Inszenierung
Maßgeschneidert zu Hilsdorfs Inszenierung hat Dieter Richter ein Bühnenbild, welches den Anforderungen an die wechselnden Orte der Handlung gerecht wurde: Charakteristisch und mit einem eigenen Ambiente überzeugten die unterschiechen Örtlichkeiten, die durch das Licht-Design von Volker Weinhart brillant in Szene gesetzt waren. In den malerischen Kulissen tummelten sich die Akteure in Kostümen von Renate Schnitzer, die das kleinbürgerliche Milieu spiegelten. Vokale Unterstützung bekamen die Ensemble-Sänger vom Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Gerhard Michalski. Die Solo-Violine auf der Bühne spielte Siegfried Rivinius. Glänzend aufgelegt zeigten sich die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Opern-Generalmusikdirektor Axel Kober.

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Do 17. November 2016 | 19:30 Uhr und
Sa 26. Dezember 2016 | 19:30 Uhr.
Danach geht die Produktion an das Düsseldorfer Opernhaus.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail [email protected] Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten samstags zwischen 20,30 und 70,30 Euro, sonst 18,10 bis 62,80 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.
 

Petra Grünendahl

Redakteur bei Rundschau Duisburg
Freie Journalistin
Heinrich-Heine-Universität
Mitglied im  DJV-NRW
Verband der Motorjournalisten e.V.
Presseverein Niederrhein-Ruhr e.V.

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