Lkw-Abfertigung bei thyssenkrupp in Duisburg wird digital

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Das Werkgelände von thyssenkrupp im Duisburger Norden ist eine eigene Kleinstadt. Auf einer Fläche von fast 10 Quadratkilometern mit rund 70 Kilometern Straße wird Stahl produziert. Viele der Güterbeförderungen vom und zum Hüttenwerk erfolgen per Lkw und das mit weiter steigender Tendenz. Jeden Tag bewegen sich mehr als 2.000 Laster durch eines der beiden Haupttore in Duisburg-Beeckerwerth auf das thyssenkrupp-Gelände. Hinzu kommen über 13.000 Pkw und Kleintransporter. Die Abfertigung der ein- und ausfahrenden Lkw mit Lieferpapieren und Frachtwaage hat zunehmend zu langen Wartezeiten und Staus geführt. Um hier Abhilfe zu schaffen, hat die Stahlsparte von thyssenkrupp mit der Modernisierung der Abwicklungsprozesse an den betreffenden Werktoren begonnen. Dies beinhaltet sowohl die Umstellung auf digitale Verkehrstechnik und automatisierte Selbstabfertigung durch die Lkw-Fahrer als auch umfangreiche bauliche Verbesserungen. „Mit dieser Neukonzeption bieten wir unseren Mitarbeitern und Partnerfirmen ein hochmodernes Torsystem auf dem neuesten Stand der Technik“, betont Ulrike Höffken, Leiterin Logistik bei der thyssenkrupp Steel Europe AG. „Die Abläufe werden dadurch deutlich schneller, effizienter und sicherer.“

Im Rahmen der Initiative „Industrial Data Space“ ist in dem Torprojekt eine Anbindung an deren geplanten Datenraum vorgesehen. Der Industrial Data Space e. V. umfasst derzeit rund 40 Wirtschaftsunternehmen, den ZVEI und die Fraunhofer-Gesellschaft. Gemeinsames Ziel: Einen Datenraum zu schaffen, in dem Unternehmen sich sicher miteinander vernetzen können, dabei absolute Souveränität über Ihre Daten behalten und sich über standardisierte Schnittstellen leicht und schnell austauschen können. „Ein wesentliches Element von Industrie 4.0 ist der Datenaustauch zwischen den Industrieunternehmen“, erklärte Dr. Reinhold Achatz. Der Technologiechef der thyssenkrupp AG ist Vorsitzender des Industrial Data Space e.V.

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Fahrer melden sich per Smartphone an – Dynamische Zeitfenster an den Ladestellen
Die Umstellung hin zu einer Abfertigung auf digitalem Weg erfolgt bereits schrittweise. Der mit einem QR-Code versehene Torkontrollschein ist dann der „Schlüssel“, um auf das Werkgelände in Duisburg-Nord zu gelangen. Er ist die Verbindung zwischen physischem Transport und digitaler Welt und kann künftig über spezielle Selbstbedienungsterminals oder vorab über ein Webportal erstellt werden. Auch eine mobile Lösung über eine Smartphone-App wird es geben. Neben den Sicherheitsüberprüfungen sowie der schnelleren Abwicklung an den Toren, Waagen und Ladestellen vor Ort unterstützt das System bei der Planung und Durchführung von Lieferungen. Um eine hohe Flexibilität für den Spediteur zu erreichen, arbeitet die Stahlsparte von thyssenkrupp schon an vielen Punkten mit Zeitkorridoren. Hier wird es weitere Verbesserungen durch definierte Be- und Entladetermine z. B. durch dynamische Zeitfenster geben. Über die neue Prozesssteuerung erhalten die Fahrer frühzeitige Informationen über ein erhöhtes Verkehrsaufkommen und Hinweise auf alternative Werktore zur Einfahrt sowie eine vereinfachte Orientierung auf dem Werkgelände.

Digitale Karte leitet über das Werkgelände – Neuer Autohof im Duisburger Norden
Im Zuge der Infrastruktur-Maßnahmen werden unter anderem zusätzliche Fahrspuren, die je nach Bedarf per Ampelschaltung belegt werden, sowie ein Kreisverkehr eingerichtet. Außerdem werden ein moderner Leitstand zur Verkehrssteuerung sowie zusätzliche, automatisierte Lkw-Waagen an den Toren 6 und 7 gebaut. Auch hier werden digitale Komponenten eingesetzt wie automatische Fahrzeugprofil-Erkennung, Detektoranlagen und Wägezellen sowie die Routenführung über eine digitale Werkskarte. Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist der Autohof Hubertusstraße in der Nähe des Werkes. Dieser dient künftig als Puffer-Parkplatz für den Fall unvorhergesehener Verzögerungen an den Einfahrten. Auf dem umzäunten Autohof besteht die Möglichkeit zu übernachten, um beispielsweise die vorgeschriebenen Lenkzeiten einzuhalten. Die Trucker werden auf dem Langzeit-Parkplatz Service-Angebote wie sanitäre Anlagen, gegebenenfalls einen Imbiss sowie einen Terminal für die Vorabfertigung finden. Die baulichen Veränderungen sollen im Herbst 2017 abgeschlossen sein.

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„Unser neues Logistikkonzept an den Toren ist beispielgebend auch für andere industrielle Standorte“, so Ulrike Höffken. „Neben mehr Sicherheit und mehr Service bringt es den Transporteuren eine Einfahrt auf unser Werkgelände möglichst ohne Wartezeiten. Hier soll künftig gelten: in fünf Minuten rein und nach einer Stunde wieder raus.“

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