Zeitzeugenbörse Duisburg e. V.: Duisburger Zechen in historischen Fotografien

Die „Duisburger Zechen in historischen Fotografien“ sind bereits das 17. Buch, die Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. im Sutton Verlag veröffentlicht hat

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Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. präsentiert im Hamborner Ratskeller die "Duisburger Zechen in alten Fotografien". Die Autoren (v.l.): Frank Bocek, Reinhold Stausberg, Harald Molder, Andre Sommer und Melanie Patten. Foto: Petra Grünendahl
Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. präsentiert im Hamborner Ratskeller die „Duisburger Zechen in alten Fotografien“. Die Autoren (v.l.): Frank Bocek, Reinhold Stausberg, Harald Molder, Andre Sommer und Melanie Patten. Foto: Petra Grünendahl

Den Ort der Buchvorstellung „Duisburger Zechen“ hatte Harald Molder, Vorsitzender der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V., gut gewählt: Steht doch nicht weit vom Ratskeller Hamborn mit dem Schachtgerüst Friedrich Thyssen IV einer der letzten Kohlefördertürme Duisburgs. Nicht alle Zechen habe man so umfassend in diesem Buch behandeln können, wie sie es gerne getan hätten, erzählte Molder. Das habe von der Fülle des Materials abgehangen. „Aus rund 1.200 Bildern mussten wir etwa 160 auswählen“, so der Chef der Zeitzeugenbörse. Zu der einen oder anderen Zeche sei man aber trotzdem nichts zu finden gewesen. Zu einzelnen Schachtanlagen gab es nur wenig Material und kaum Informationen, während sie bei anderen die Qual der Wahl gehabt hätten.

Das „Schwarze Gold“ legte einst den Grundstein für Duisburgs Industrialisierung. Den Zechen und Kokereien folgten Eisenhütten und Stahlwerke, die Duisburgs Wohlstand ausmachten und vielen gut bezahlten Arbeitern Lohn und Brot und Heimat gaben. Von den ersten Zechen – Neu-Duisburg (1854), Hochfeld und Neuenkamp (1855) – sind die Autoren der „Duisburger Zechen“ gerade mal mit einer Karte (im Vorsatz) und ein Foto (Zeche Java) fündig geworden. Deutlich umfassender gestalten die die Kapitel zur Gewerkschaft Deutscher Kaiser (1871), die Daniel Morian 1867 (nach Neu-Duisburg) als Gewerkschaft Hamborn gegründet hatte. 1885 übernahm August Thyssen erste Anteile, vier Jahre später die Mehrheit. Mit dem Untergang der Monarchie 1919 gründete Thyssen sie als Gewerkschaft Friedrich Thyssen – nach seinem Vater – neu: Die alten Schachtanlagen der GDK wurden in die neue Unternehmung überführt. Mit den Zechen, denen Kokerei, Eisenhütte und schließlich das Stahlwerk folgte, begründete Thyssen einen späteren Weltkonzern.

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Als die Bergleute noch lebenslang mit Kohle versorgt wurden
„Fünf Tonnen Kohle im Jahr kriegte man als Deputat“, erzählte Walter Kirch. Der ehemalige Bergmann, der in den Zechen Westende, Friedrich Thyssen 2/5 und Walsum gearbeitet hatte, konnte als Besucher im „kulturiges“ berichten, dass schon zu seiner Zeit – ab 1959 – die Kohle nur noch mit Hilfe von Maschinen „gehauen“ wurde. Die mühselige „Handarbeit“ des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die auch in diesem Buch dokumentiert sind, war durch den technischen Fortschritt überflüssig geworden. Die Autoren haben für ihr Buch eine Vielzahl von Zechen „ausgegraben“, die ihren Standort auf heutigem Duisburger Stadtgebiet hatten. „Der Bergbau hat sich stufenweise aus unserer Stadt verabschiedet“, so Molder. Erste Stilllegungen habe es schon in den 1920-er oder 1930-er Jahren gegeben. Die letzte Zeche machte am 30. Juni 2008 dicht. Viele ehemalige Zechenstandorte sind heute überbaut, zumeist mit Gewerbegebieten. An die frühere Nutzung erinnert nur wenig: Förderturme, Schornsteine und Zechengebäude wurden allzu häufig abgerissen oder gesprengt. Auch hierüber legt das Buch Zeugnis ab.

Von den Gewerkschaften Deutscher Kaiser und Friedrich Thyssen über die Zechen Neumühl, Diergardt, Mevissen, Java, Rheinpreußen, Walsum und Wehofen bis hin zu den Schachtanlagen Beeckerwerth, Westende Meiderich/Laar und Rönsbergshof reichen die Kapitel, in die die Materialfülle zwecks besserer Übersicht gegliedert ist. Darüber hinaus gibt es die unvermeidlichen „Ereignisse und Begebenheiten“, Einblicke in die Arbeit „Unter Tage“ sowie „Bergmannsalltag und Erinnerungen“ mit schönen Bildern der alten Zechensiedlungen. Das Buch weckt Erinnerungen, bietet aber auch Einblicke in frühere Arbeitswelten, die man sich heute kaum noch vorstellen kann.

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Zum Entdecken und Erinnern
Das Buch „Duisburger Zechen in historischen Fotografien“ publiziert – wie alle Werke der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. – der Erfurter Sutton Verlag, Deutschlands führender Verlag für Regionalgeschichte. Auf 126 Seiten findet der Leser rund 160 bis dato unveröffentlichten Aufnahmen und Postkarten aus privaten Sammlungen. Hochinformative Texte ordnen die Bilder ein und beschreiben die Ansichten und ihre Entwicklung bis heute. Die historischen Aufnahmen und Postkarten illustrieren die wirtschaftliche Entwicklung zwischen den 1854 (Zeche Neu-Duisburg in Neudorf) bis zur Schließung der letzten Zeche (Bergwerk Walsum) 2008. Die Abbildungen stammen aus den Sammlungen von Mitgliedern der Zeitzeugenbörse Duisburg wie Reinhold Stausberg und Harald Molder bzw. dem Studio der Heimat, welches die Zeitzeugenbörse größtenteils übernehmen konnte, aus Privatsammlungen von Birgit Henning-Friebe und Melanie Patten sowie von der Rheinhauser Bergbausammlung. Neben den Bildgebern trugen Vereinsmitglieder wie Andre Sommer und Frank Bocek ebenso Informationen zu den Texten bei wie Hans Joachim Meyer, ein „wahrer Kenner der Geschichte Hamborn“ (so die Autoren), Dieter Schulze-Elvert sowie weitere frühere Kumpels, die in den Zechen und Gruben auf heutigem Duisburger Gebiet gearbeitet haben. Das reich bebilderte Buch mit Hardcover-Einband ist im Sutton Verlag in der Reihe „Sutton Archiv“ erschienen und kostet 19,99 Euro. Zu beziehen ist es über den lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-95400-747-9).

Zeitzeugenbörse Duisburg e. V.
Die Zeitzeugenbörse Duisburg wurde von Harald Molder ins Leben gerufen. Molder beschäftigt sich seit 1975 mit der Stadtgeschichtsforschung. Unter seinem Vorsitz ist die Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. 2007 ins Vereinsregister der Stadt eingetragen worden. Seither vernetzen sich engagierte Heimatforscher, um Duisburger Stadtgeschichte auch in Ausstellungen, Vorträgen und Büchern erlebbar zu machen.

Sutton Verlag, Erfurt
Sutton ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum, vom historischen Bildband bis zum Freizeitführer. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Verlages bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Außerdem bietet Sutton Krimi unter dem Motto „mordsmäßig spannend“ seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedliches Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.

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