Theater Duisburg begeisterte mit Wiederaufführung von Georges Bizets „Carmen“

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Dmitry Lavrov als Escamillo mit, Maria Kataeva als Carmen. Foto: Susanne Diesner.
Dmitry Lavrov als Escamillo mit, Maria Kataeva als Carmen. Foto: Susanne Diesner.

Die Wiederaufführung von Georges Bizets (1818–1875) Oper „Carmen“ feierte ein begeistertes Publikum im nahezu voll besetzten Theater Duisburg – mit viel Szenenapplaus und einem minutenlangen Schlussapplaus. Bizet, der nur drei Monate nach der Uraufführung starb, durfte zwar 33 Aufführungen seiner „Carmen“ erleben – was mehr war, als seine Opern zuvor auf die Bühne brachten –, verschied aber in dem Glauben, nie eine erfolgreiche Oper komponiert zu haben: Bei der Premiere war die Oper wegen der ihre Freiheit (auch sexuell) so offen proklamierenden Carmen noch eher verpönt; erst eine leichte Überarbeitung brachte den gewünschten Erfolg. Mit Ballettszenen und ohne die zunächst vorhandenen Dialoge für die Premiere in Wien mauserte sich die Oper auf internationalen Bühnen zu einem der beliebtesten und meistgespielten Stücke, das bis heute in keinem Opernrepertoire der großen Häuser fehlen darf. Die sehr „spanische“ Oper in vier Akten wurde gesungen in französischer Sprache (Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Halévy nach einer Novelle von Prosper Mérimée). Deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Inklusive Pause hat der Opernabend mit etwa drei Stunden schon Überlänge: Die temporeiche Handlung kennt aber weder Längen noch Spannungslücken.

„Die Liebe ist ein Zigeunerkind*“, macht die Zigeunerin Carmen (Ramona Zaharia) in der Habanera gleich zu Beginn klar, wie sie über die Liebe und ihr Leben in Freiheit denkt. Liebschaften kostet sie aus, ihre Freiheit genießt sie in vollen Zügen, wie es sonst zu jener Zeit nur Männer durften. Diese liegen der exotischen Schönheit scharenweise zu Füßen, angefangen vom Sergeanten der Wache, Don José (Sergej Khomov), bis zum Leutnant Zuninga (Lukasz Konieczny). Micaela (Liana Aleksanyan, die hier kurzfristig für die erkrankte Luiza Fatyol eingesprungen war) überbringt Don José einen Brief seiner Mutter, die ihn bittet, nach Hause zu kommen und Micaela zu heiraten. Er verfällt aber der schönen Carmen. Als Don José der Zigeunerin die Flucht ermöglicht, wird er degradiert und eingesperrt. Sein Vorgesetzter Zuninga versucht nun selber sein Glück bei Carmen. Der aber macht auch der gerade eingetroffene Stierkämpfer Escamillo (Bogdan Baciu) schöne Augen. Obwohl Carmen zunächst mit Don José liebäugelt, verraten Duette wenig Einigkeit zwischen den beiden, während sie in einen Duett mit Escamillo ihr Herz wirklich verliert: Ein schönes Liebesduett von Zaharia und Baciu, die miteinander verheiratet sind.

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Starke Besetzung begeisterte die Zuschauer
Eine sängerisch wie schauspielerisch ganz starke Ramona Zaharia traf hier auf eine ebenso hervorragende „Gegenspielerin“ Liana Aleksanyan um die Gunst Don Josés. Dieser reibt sich in einer grandiosen Vorstellung auf zwischen Leidenschaft (Carmen) und Pflicht (Micaela), eine Entscheidung, die in der Novellenvorlage zur Oper gar nicht vorgesehen war: die Figur der Micaela ist eine Kreation von Bizet und seinen Librettisten. Als Carmen ihn zurückweist, ihm sogar seinen Ring vor die Füße wirft, weil sie ihre Liebe für den strahlenden Stierkämpfer Escamillo entdeckt hat, dem ein hervorragend agierender Bogdan Baciu Gesicht, Statur und seine fabelhafte Bariton-Stimme leiht, sinnt Don José auf Rache. Wenn er Carmen nicht haben kann, soll sie auch kein anderer haben: Er ersticht sie schlussendlich.

Stimmungsvoll „spanische“ Inszenierung
In Kooperation mit der Opéra national de Lorraine entstand die Inszenierung des deutsch-venezolanischen Regisseurs Carlos Wagner, die seit 2011 zum Repertoire der Deutschen Oper am Rhein gehört. Regisseur Wagner spielt mit Licht (mitunter gleißender Helligkeit) und Schatten (tiefer Dunkelheit). Das vom spanischen Maler Goya inspirierte Bühnenbild von Rifail Ajdarpasic wechselt im Spiel des Lichtdesign von Fabrice Kebour Farben, Konturen und Ambiente, um so den wechselnden Spielorten der Handlung einen stimmungsvollen Rahmen zu geben. Passend dazu hatte Patrick Dutertre die Kostüme entworfen.

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Die vielfältige Komposition Georges Bizets brachten phantastisch aufgelegte Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Gastdirigent Marc Poillet zum Erklingen: von den ruhigen Klängen über die temperamentvoll-feurigen Zigeunerweisen bis hin zum schmissigen Torero-Marsch passte einfach alles. In großartigen Chorszenen glänzten sowohl der Kinderchor unter der Leitung von Sabina López Miguez als auch der Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Gerhard Michalski. Die Ballettszenen für acht Tänzer hatte Ana Garcia choreographiert.

Weitere Termine im Theater Duisburg:
So | 5. Februar 2017 | 18:30 Uhr,
Sa | 1. April 2017 | 19:30 Uhr,
So | 23. April 2017 | 18:30 Uhr,
Do | 4. Mai 2017 | 19:30 Uhr und
Mo | 5. Juni 2017 (Pfingstmontag) | 18:30 Uhr.

*) Anmerkung: „Die Liebe ist ein Zigeunerkind“ ist die Übersetzung im Übertitel. Im Libretto heißt es „oiseau rebelle“ = rebellischer Vogel.

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