Petra Grünendahl: Fahrbericht Ford Edge 2.0 TDCi Bi-Turbo 4×4 Sport

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Ford Edge. Foto: Ford-Werke GmbH
Ford Edge. Foto: Ford-Werke GmbH

Schon seit 2006 gibt es den Ford Edge in den USA. Erst die zweite Generation, die 2015 für den amerikaschen Markt vorgestellt worden war, kommt nun auch nach Europa. Im Juni 2016 debütierte der Edge, der in Frankfurt auf der IAA 2015 seine Europapremiere feierte, auf dem deutschen Markt. Hierzulande ist er ausschließlich mit einem Zweiliter-Dieselmotor in zwei Leistungsstufen verfügbar, in den USA nur mit Benzinmotoren. Über Ford Kuga und Ford EcoSport rundet der Edge die SUV-Palette nach oben ab. Eine kurze Ausfahrt mit dem stärkeren der beiden Selbstzünder, dem Zweiliter-TDCi-Bi-Turbo mit 210 PS, lieferte erste Eindrücke.

Mächtig kräftig unterwegs
Er ist schon eine beeindruckende Größe: Fords Crossover Edge, welcher in der Modellpalette noch ein wenig oberhalb des Kuga angesiedelt ist. Markant ist die Front des 4,81 Meter langen SUV, stämmig seine Flanken mit 1,93 Meter Breite (mit ausgeklappten Außenspiegel 2,18 Meter). Der große Kühlergrill mit den hoch angesetzten Frontleuchten lassen ihn fast martialisch drein blicken.

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Fahrzeug und Ausstattung
Fünf Türen gewähren einen komfortablen Zugang zum Innenraum. Der Premium-Ford bietet Platz satt in beiden Sitzreihen und eine hochwertige Innenraum-Anmutung, die den Premium-Anspruch unterstreicht. Hochwertige Materialqualität und exzellente Verarbeitung empfangen die Passagiere. Das Armaturenbrett ist trotz vieler Funktionen übersichtlich gestaltet. Schalter und Anzeigen sind gut einsehbar und handlich in der Bedienung. Die hohe Sitzposition erleichtert die Übersicht, die ausladende Karosserie ist aber dennoch schlecht abzuschätzen. Ein Park-Pilot-System (Serie ab Titanium) erleichtert das Ausloten der Grenzen zumindest beim Rangieren. Straff gepolsterte Sportsitze bieten Sitzkomfort und guten Seitenhalt.

Der Laderaum fasst 602 Liter hinter den Rücksitzen unter der Laderaumabdeckung. Serienmäßig ist die Rückenlehne der zweiten Sitzreihe asymmetrisch geteilt und auf Knopfdruck umlegbar. Bis zu 1.847 Liter fasst das Gepäckabteil dachhoch hinter den Vordersitzen. Vier Verzurr-Ösen und ein serienmäßiges Gepäckraumnetz erleichtern das Sichern der Ladung. Als gebremsten Anhänger kann der Edge zusätzlich zu seinem zulässigen Gesamtgewicht von über 2,5 Tonnen bis zu 2,2 Tonnen (bei 8 Prozent Steigung, 2.000 Kilogramm bei 12 Prozent) an den Haken nehmen. Die Anhängerkupplung kostet allerdings extra.

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Die Basisversion Trend ist lediglich für den kleineren TDCi verfügbar. Serienmäßig an Bord sind unter anderem eine funkfernbediente Zentralverriegelung, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber rundum, das Raucher-Paket, Multifunktions-Lederlenkrad, Zwei-Zonen-Klimaanlage, Bordcomputer, ein Audiosystem mit Radio, CD und Ford Sync3, Geschwindigkeitsregelung mit Geschwindigkeitsbegrenzer, Regensensor und Lichtautomatik, Privacy Glass (abgedunkelte Scheiben) in der zweiten Sitzreihe, Verkehrsschilderkennung und Rückfahrkamera, Tagfahrlicht, Nebelscheinwerfer sowie 19-Zoll-Leichtmetallräder. Der Innenspiegel blendet automatisch ab, die Spiegel in den Sonnenblenden sind beleuchtet.

Den Bi-Turbo-TDCi gibt es erst ab der Titanium-Variante, die darüber hinaus Features wie das Ford-Key-Free-System (für den schlüssellosen Zugang), ein Park-Pilot-System vorne und hinten, Sportsitze vorn sowie ein Navigationssystem mit höherwertigem Audiosystem und eine Geschwindigkeitsregelanlage mit intelligentem Geschwindigkeitsbegrenzer mitbringt. Inklusive ist ab der Titanium-Ausstattung das Winter-Paket mit individuell und variabel beheizbaren Vordersitzen, einem beheizbares Lenkrad sowie Frontscheibenheizung mit beheizbaren Scheibenwaschdüsen. Der Laderaum öffnet und schließt sensorgesteuert.

Unsere Top-Ausstattung Sport rundet die Serienausstattung ab mit Adaptiver Lenkung, einem sportlich abgestimmten Fahrwerk und 20-Zoll-Leichtmetallfelgen. Im Innenraum gibt es Premium-Fußmatten vorne und hinten sowie Pedale mit Aluminium-Auflagen. Die aufwendigere Außenoptik umfasst einen modifizierten Kühlergrill, Seitenschweller und Stoßfänger in speziellem Design und in den Heckstoßfänger integrierte sportliche Auspuffblenden. Extra kosten das Business-Paket (mit Adaptiven LED-Scheinwerfern mit blendfreiem Fernlicht und einem Aktiven Park-Assistenten), Design-Paket (mit einem elektrischen Panorama-Schiebedach mit Wärmeschutz und elektrischer Sonnenblende, beheizbaren Sitzen in beiden Reihen und klimatisierten Vordersitzen), die Adaptive Geschwindigkeitsregelung (ACC), eine Diebstahl-Warnanlage (mit Innenraumüberwachung), eine abnehmbare Anhängevorrichtung (inkl. ESP-Anhängerstabilisierung) sowie Leder-Stoff-Polster und ein höherwertiges Audio-Navigationssystem.

Motor und Antrieb
Für den europäischen Markt bietet Ford den Edge mit einem Zweiliter-TDCi-Dieselmotor an, der in zwei Leistungsstufen verfügbar ist: einen konventionellen Turbodiesel mit 180 PS und einen Bi-Turbo mit 210 PS. Wir fuhren den Edge in der stärkeren Variante. Kalt kann der TDCi den Selbstzünder nicht ganz verleugnen. Hat der Motor seine Betriebstemperatur erreicht, ist von ihm ebenso wie von Windgeräuschen dank Aktiver Geräuschkompensation kaum noch was zu vernehmen. Im Antritt merkt man gleich, dass hier Kraft satt unter der Motorhaube schlummert, die nur darauf wartet, durch Tritt auf das Gaspedal zu Leben erweckt zu werden. Genug Durchzugsvermögen bringt der Premium-Ford mit, macht sich doch ein maximales Drehmoment von 450 Newtonmetern schon bei 2.000 Touren über die Antriebswellen her. Die Leistungsentfaltung ist über das ganze relevante Drehzahlband überzeugend. Dabei läuft der Motor warm äußerst kultiviert und nicht als Dieselbrenner identifizierbar.

Im Bi-Turbo kommt eine PowerShift-Automatik mit Doppelkupplungsgetriebe für ein unterbrechungsfreies Schalten zum Einsatz. Das Direktschaltgetriebe mit sechs Gängen verfügt im Sport-Modus auch über eine manuelle Schaltoption. Schon der Normal-Modus ist für zügiges Vorankommen gut, im Sport-Modus zieht der Motor noch einen Tick sportlicher, nicht nur wegen der höher ausgefahrenen Gänge, sondern auch was den spürbar sportlicheren Vortrieb angeht. Selten konnte der Sport-Modus eines Automatikgetriebes so überzeugen, da ist die manuelle Schaltoption schon fast überflüssig. Ein Start-Stopp-System optimiert den Verbrauch primär im Stadtverkehr, es kann aber auch abgeschaltet werden.

Für die Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h reichen dem Bi-Turbo 9,4 Sekunden, seine Höchstgeschwindigkeit erreicht er bei 211 km/h. Hier liegen die Unterschiede zum schwächeren TDCi, der mit einem manuellen Sechsgang-Schaltgetriebe ausgestattet ist: Mit 9,9 Sekunden und 200 km/h liegen seine Messwerte niedriger. Hier machen sich die geringer Leistung (180 PS – 210 PS) und das geringer Drehmomentmaximum (400 Newtonmeter bei 2.000 U/min. – 450 Newtonmeter bei 2.000 U/min.) bemerkbar. Im Verbrauch unterscheiden sich die Motoren (egal, ob mit Bi-Turbo oder ohne) nur nach der Größe der Bereifung: Unser 20-Zöller konsumiert 6,5 Liter Dieselkraftstoff je 100 Kilometer Stadtverkehr, 5,5 Liter außerorts und 5,9 Liter im gemischten Verbrauch nach EU-Norm, beim 19-Zöller liegen alle Werte um 0,1 Liter darunter (alles Herstellerangaben, ermittelt unter Idealbedingungen auf dem Rollenprüfstand). Der Motor erfüllt die Abgasnorm Euro 6, der CO2-Ausstoß des Edge mit 20-Zoll-Reifen beträgt 152 g pro km (19 Zoll: 149 g/km). In der Relation von Größe/Gewicht zum Verbrauch reicht das bei beiden Reifengrößen für die Effizienzklasse A (der kleinere Motor mit 20-Zoll-Rädern schafft allerdings nur B).

Fahrwerk, Handling und Sicherheit
Der Ford Edge steht auf der gleichen Plattform wie Mondeo, Galaxy und S-Max. Damit bringt er gute Gene mit für ein agileres Fahrverhalten, welchem hier die Masse Karosserie eher wenig spürbare Grenzen setzt: Schwerfällig wirkt er trotz seines Gewichtes nicht. Tadellos ist sein Geradeauslauf, dem Premium-Anspruch angemessen der Abrollkomfort. Die gut ansprechende elektromechanische Servolenkung (EPAS) ist beim Top-Modell kombiniert mit einer Adaptiven Lenkung (Adaptive Steering), die das Ansprechverhalten der Lenkung in Abhängigkeit vom gefahrenen Tempo optimiert. Im Sport-Modus spricht auch die Lenkung direkter an.

Das sportlich abgestimmte Fahrwerk (ohne Tieferlegung) verfügt über weit mehr als nur einen „Restkomfort“, alles andere wäre auch in dieser Fahrzeugklasse nicht zu vermitteln. Der intelligente Allradantrieb (Intelligent AWD System) verteilt die Motorleistung permanent elektronisch geregelt auf alle vier Räder. Unproblematisch zeigt sich der Allradler im Fahrverhalten. Anweisungen des Fahrers setzt er fließend um, plötzliche Spurwechsel meistert er zwar nicht leichtfüßig, aber solide in der Spur. In flotter gefahrenen Kurven zeigt er nur eine minimale Tendenz zu untersteuern, da die Drehmoment-Kontrolle (Torque Vectoring Control) durch selektiven Bremseingriff die Drehmomentverteilung auf der Vorderachse optimiert und damit ein Schieben zur Kurvenaußenseite weitgehend unterbindet. Auf 19-Zoll-Rädern mit 235/55er Reifen steht der Edge in der Basisausstattung, bei unserem Sport-Modell sind 20-Zöller mit Reifen im Format 225/45 aufgezogen. Die Bremsanlage mit hydraulisch betätigten Scheibenbremsen rundum spricht gut an und verzögert ordentlich.

Eine stabile Sicherheitskarosserie aus ultrahochfesten Stählen mit Aufprallenergie absorbierenden Strukturen und definierten Lastpfaden schützen die Insassen ebenso wie Dreipunkt-Sicherheitsgurte und Kopfstützen auf allen Sitzplätzen, Front- und Seitenairbags vorne, Kopf-Schulter-Airbags für vorne und hinten, Knieairbag für den Fahrer sowie zwei Isofix-Kindersitzhalterungen hinten (z. T. Bestandteile des Intelligenten Sicherheitssystems IPS). Fünf Sterne bekam er ein einem Crashtest nach EuroNCAP. Auch in den USA bekam Ford Edge Top-Bewertungen für seine Sicherheit.

Der EuroNCAP berücksichtigt neben Insassen- und Kindersicherheit sowie Fußgängerschutz auch die serienmäßige Sicherheitsausstattung des Fahrzeugs mit Fahrassistenzsystemen. Im Laufe der Jahre seit Einführung der aktuellen Regelung hat sich allerdings die Messlatte zum Erreichen der Höchstwertung immer wieder erhöht: So gelten ab 2016 höhere Anforderungen im Bereich Aufprallschutz und ergänzende Anforderungen bei der umfassenden Ausstattung mit praxisgerechter Unfallvermeidungstechnologie. Die hier für eine Top-Wertung wichtigen Fahrassistenz-Systeme sind vollständig serienmäßig an Bord: ABS mit Elektronischer Bremskraftverteilung (EBD), ESP mit Traktionskontrolle (inkl. Torque Vectoring Control – Drehmomentverteilung durch das Abbremsen einzelner Räder – und Umkippschutz), Fahrsspur-Assistent inkl. Fahrspurhalte-Assistent und Müdigkeitswarner, Berganfahrhilfe sowie Pre-Collision-Assist (Distanzanzeige und Distanzwarner, Auffahrwarnsystem und aktiver Notbremsassistent). Ergänzt wird das serienmäßige Reifendruckkontrollsystem (TPMS) mit einem Notrad.

Kosten und Wirtschaftlichkeit
Ab 42.900 Euro steht der Ford Edge in den Preislisten der Händler, in der Basisausstattung „Trend“ mit Zweiliter-TDCi-Motor und 180 PS. Unser Zweiliter-Bi-Turbo ist erst ab Titanium zu Preisen ab 50.100 Euro zu haben. Die Ausstattungslinie „Sport“ als das Spitzenmodell schlägt mit Preisen ab 52.550 Euro zu Buche. Aufpreis kosten unter anderem das Business-Paket, das Design-Paket sowie eine Adaptive Geschwindigkeitsregelung oder Leder-Stoff-Polster. Serienmäßig ist er nur in Liquid-Weiß zu haben, Metallic- oder Sonderlackierungen kosten Aufpreis.

Ford gibt eine zweijährige Neuwagengarantie inklusive Ford Assistance Mobilitätsgarantie sowie zwölf Jahre auf die Karosserie gegen Durchrostung. Die Neuwagengarantie kann durch einen Ford Protect Garantie-Schutzbrief bis maximal zum siebten Jahr ab Kauf (und maximal bis 140.000 Kilometer) verlängert werden. Darüber hinaus gibt es Servicepakete im Rahmen einer Ford Flatrate Finanzierung, die auch Reparaturkosten für garantierelevante Teile sowie Wartungskosten abdeckt. Zu einer Inspektion muss der Edge alle 30.000 km oder alle zwei Jahre. Die Versicherungen stufen das Modell in die Typklassen 20 / 24 / 24 (KH / VK / TK) ein. Das gilt für beide Motorvarianten.

Petra Grünendahl

Redakteur bei Rundschau Duisburg
Freie Journalistin
Heinrich-Heine-Universität
Mitglied im  DJV-NRW
Verband der Motorjournalisten e.V.
Presseverein Niederrhein-Ruhr e.V.

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