Deutsche Oper am Rhein: Richard Wagners „Siegfried“ begeisterte im Theater Duisburg

Leuchtende Liebe, lachender Tod
Von Petra Grünendahl

Corby Welch (Siegfried). Foto: Hans Jörg Michel.
James Rutherford (Der Wanderer), Cornel Frey (Mime). Foto: Hans Jörg Michel.
Cornel Frey (Mime), Corby Welch (Siegfried). Foto: Hans Jörg Miche
Heike Wessels (Brünnhilde), Corby Welch (Siegfried). Foto: Hans Jörg Michel.
Siegfried (Corby Welch) ist ohne Kenntnis seiner Herkunft in der Abgeschiedenheit beim Zwergen Mime (Cornel Frey), einem Schmied, aufgewachsen, ahnt aber, dass dieser nicht sein Vater ist. Mime erzählt Siegfried schließlich von seinen Eltern und dem Schwert Nothung. Der Wanderer (James Rutherford), als der Wotan unterwegs ist, verrät dem Zwerg, dass „nur wer das Fürchen nicht kennt“, Nothung neu schmiedet. Mime ist dazu nicht in der Lage. Es gelingt aber schließlich Siegfried. Mit dem Schwert tötet er den Drachen, in den der Riese Fafner (Lukasz Konieczny) sich verwandelt hatte, und nimmt Ring und Tarnhelm an sich. Und er tötet den hinterlistigen Mime, der ihn umbringen will, um in Besitz des Ringes zu kommen. Siegfried und Brünnhilde (Lise Lindstrom) sollen die Welt von der Macht des Rings befreien, so Wotans Plan. Auf dem Weg zu Brünnhilde trifft Siegfried seinen Großvater: Der junge Mann zerschlägt mit Nothung Wotans Speer und entmachtet damit den Weltherrscher. Siegfried findet die Walküre, durchschreitet den Feuerring und küsst sie wach. Brünnhilde erkennt in ihm den Helden, den Wotan ihr vorbestimmt hatte. Ihre befreiende Vereinigung feiern sie: „leuchtende Liebe, lachender Tod“.

Mit „Siegfried“ brachte die Deutsche Oper am Rhein den dritten Teil von Richard Wagners Zyklus „Der Ring des Nibelungen“ in der Neuinszenierung von Dietrich W. Hilsdorf auch im Theater Duisburg auf die Bühne. Ein restlos begeistertes Publikum feierte die herausragenden Akteure völlig zu Recht mit minutenlangen, teils stehenden Ovationen. Das rund fünfstündige Werk in drei Aufzügen (inklusive zwei Pausen) wird in deutscher Sprache gesungen, Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Die Tetralogie, die als Richard Wagners Hauptwerk gilt, wird ab dem 5. Mai mit der Götterdämmerung an Duisburger Spielstätte ihren Abschluss finden.
 
 

Herausragende Akteure begeisterten

Lukasz Konieczny (Fafner), Corby Welch (Siegfried). Foto: Hans Jörg Michel.
Cornel Frey (Mime), Stefan Heidemann (Alberich). Foto: Hans Jörg Michel.
Der Tenor Corby Welch füllte seine Rolle als Wagnerscher Heldentenor Siegfried nicht nur mit seinen gesanglichen Qualitäten, sondern auch schauspielerisch zum Leben. Scheinbar mühelos bewältigte er den Part der Titelfigur, die in dem langen Opernabend durch ihre massive Bühnenpräsenz eine Herausforderung ist. Mit James Rutherford (Der Wanderer) stand ihm ein erfahrener Wagner-Interpret (Bariton) als Wotan zur Seite, der seine Rolle ebenso brillant meisterte wie Cornel Frey als Charaktertenor den Mime, Stefan Heidemann den Zwerg Alberich oder Lise Lindstrom in einem fantastischen Finale die Brünnhilde. Lukasz Konieczny (Fafner), Renée Morloc (Erda) und Julia Sitkovetsky (der Waldvogel) vervollständigten mit kleineren Rollen die grandiose Besetzung.

Das vollständig durchkomponierte Werk meisterten glänzend aufgelegte Duisburger Philharmoniker und die Hornsolistin Magdalena Ernst unter der Leitung von DOR-Generalmusikdirektor Axel Kober, der seit 2013 auch regelmäßig bei den Bayreuther Festspielen dirigiert. Die drei Bühnenbilder von Dieter Richter (in jeder Pause wird die Bühne vollständig umgebaut) setzte das Lichtdesign von Volker Weinhart wirkungsvoll in Szene. Die passenden Kostüme entwarf Renate Schmitzer.
 
 

Der Ring-Zyklus als Festspiel

Stefan Heidemann (Alberich), James Rutherford (Der Wanderer). Foto: Hans Jörg Michel.
Die monumentale Komposition von Richard Wagner (1813 – 1883) war von Anfang an für Festspiele konzipiert, seine Dichtung entwickelte und schrieb Wagner (er ist auch Librettist) vom Ende (Götterdämmerung) her bis zu ihrem Anfang (Das Rheingold), wobei der für seinen Opernzyklus unterschiedliche Sagen vereinte. Mit Unterbrechungen hat der Komponist von 1848 bis 1874 an der Tetralogie gearbeitet, mit der größten Schaffenspause von zwölf Jahren zwischen der „Walküre“ und „Siegfried“. „Siegfried“ ist die erste Oper des Ring-Zyklus, die bei den Bayreuther Festspielen 1876 ihre Uraufführung feierte und der Ring im gerade fertig gestellten Festspielhaus erstmals vollständig aufgeführt werden konnte. Der Vorabend (Das Rheingold) und der erste Tag (Die Walküre) waren bereits 1869 bzw. 1870 im Nationaltheater München uraufgeführt worden: Auf Wunsch von König Ludwig II. von Bayern, seinem Mäzen, aber zum Leidwesen des Komponisten.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Weitere Termine im Theater Duisburg:
So | 10. Februar 2019 | 17:00 Uhr und
Do | 30. Mai 2019 | 17:00 Uhr.
Am Donnerstag, 20. Juni 2019, um 17 Uhr läuft eine Wiederaufnahme von „Siegfried“ im Opernhaus Düsseldorf.

Corby Welch (Siegfried), Heike Wessels (Brünnhilde). Foto: Hans Jörg Michel.
Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten wegen Überlänge zwischen 19 und 76,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein