Ruhr-IHKs legen 102. Ruhrlagebericht vor: Geschäftslage weiter gut – erste Anzeichen für nachlassende Dynamik

IHK-Präsident Burkhard Landers (2. v. r.) und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger (2. v. l.) begrüßten ihre Kollegen Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer IHK zu Dortmund (r.) und Dr. jur. Gerald Püchel, Hauptgeschäftsführer IHK zu Essen (l.) zur Pressekonferenz anlässlich der Vorstellung des Ruhrlageberichts. Foto: Zoltan Leskovar / Niederrheinsche IHK.
Die wirtschaftliche Lage, der bevorstehende Brexit und notwendige Veränderungen für das Ruhrgebiet stehen im Mittelpunkt des aktuellen Ruhrlageberichtes der Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet. Die Wirtschaft im Revier präsentiert sich auch zum Jahresbeginn 2019 weiter in guter Verfassung. Die Auftragsbücher sind noch immer gut gefüllt und die Kapazitätsauslastung der Industrie mit aktuell 85 Prozent weiterhin hoch. Im Vergleich zu den Vorumfragen lässt die Wachstumsdynamik allerdings leicht nach. Geschäftserwartungen und Investitionspläne tendieren etwas verhaltener als zuletzt. An der Umfrage, die jeweils zu Jahresbeginn und im Herbst durchgeführt wird, beteiligten sich rund 1.000 Unternehmen mit mehr als 114.000 Beschäftigten.

Fast die Hälfte der befragten Unternehmen (48 Prozent) bewertet ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Lediglich rund sieben Prozent sind unzufrieden. Auch der Blick in die Zukunft ist nach wie vor optimistisch. Fast jedes vierte Unternehmen (24 Prozent) erwartet bessere Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten. Nur jeder neunte Betrieb (11 Prozent) geht von einer Verschlechterung aus. Damit sind die Erwartungen immer noch gut, aber nicht mehr so ausgeprägt optimistisch wie noch vor einem Jahr. Der Konjunkturklimaindex, der die Bewertung der Geschäftslage und -erwartungen zusammenfassend darstellt, sinkt gegenüber der Vorumfrage im Herbst leicht von 128 auf 126 Punkte.

Hintergrund der etwas gedämpften Aussichten sind zahlreiche wirtschaftspolitische Risiken und Unwägbarkeiten. Wie geht es im Zollstreit zwischen den USA und China weiter? Kommt es zu einem erneuten Aufflammen der Eurokrise? Und kann ein harter Brexit noch verhindert werden? Burkhard Landers, Präsident der federführenden Niederrheinischen IHK Duisburg-Wesel-Kleve, zum Brexit: „Für unsere Unternehmen ist das Gift, denn auf ein Chaos kann man sich nicht einstellen. Wir hoffen, dass es noch zu einer Lösung in aller letzter Minute kommt.“

Der Arbeitsmarkt ist weiterhin in guter Verfassung. Fast jedes vierte Unternehmen plant, die Beschäftigung in den kommenden Monaten auszuweiten. Nur zwölf Prozent erwarten geringere Beschäftigtenzahlen. Knackpunkt für die Unternehmen bleibt jedoch, die nötigen Fachkräfte auch zu finden. „Der Fachkräftemangel bremst unsere Wirtschaft mehr und mehr aus“, mahnt Landers. 56 Prozent der Betriebe sehen in ihm das größte Risiko für ihre Geschäftsentwicklung. Seit 2016 hat sich die Bewertung dieses Risiko verdoppelt. Der Fachkräftemangel übertrifft damit die Risiken aus Inlandsnachfrage, Energie- und Rohstoffkosten sowie Arbeitskosten zusammen.

Ebenfalls mit Sorge betrachten die Ruhr-IHKs die gesunkene Investitionsbereitschaft. „Dieses Signal sollte uns klar machen, dass wir ein umfassendes Stärkungspaket für das Ruhrgebiet brauchen“, so Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK und aktuell Sprecher der sechs IHKs im Ruhrgebiet. Die Ruhr-IHKs begrüßen daher die von der Landesregierung initiierte Ruhrkonferenz. Sie haben der Landesregierung hierzu ihre Unterstützung zugesagt. Mit der agenda.Ruhr bringen sie eigene Ideen und konkrete Vorschläge in den Prozess ein.
Niederrheinische Industrie- und Handelskammer
Duisburg – Wesel – Kleve zu Duisburg

Foto: Zoltan Leskovar / Niederrheinsche IHK