Duisburg: Filmforum stellte neue Publikation über den Mercator-Palast vor

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Ein herrschaftlicher Palast für die Unterhaltung
Von Petra Grünendahl

Die Postkarte zeigt den Mercator-Palast 1937. Quelle: Jonas Wahle, Winterberg.
„Angefangen hat alles mit einer Postkarte“, erzählte Kai Gottlob, Geschäftsführer Filmforum, Kommunales Kino und Filmhistorische Sammlung der Stadt Duisburg, am Dellplatz. Die Karte zeigte mit dem Mercator-Palast 1937, das in jenen Tagen wohl prächtigste Kino der Stadt. „Es hätte genauso gut eine Oper oder ein Schauspielhaus sein können“, erinnerte sich als Zeitzeuge der in Duisburg aufgewachsene Schriftsteller Walter Kaufmann. Beim Blick ins Buch offenbart ein Luftbild, dass das Lichtspielhaus an der Königstraße 41 (dort, wo heute das Käthe-Mandel-Haus steht) den Vergleich zum Beispiel mit dem Theater Duisburg nicht zu scheuen brauchte. Dort, wo zuvor die Villa Carstanjen standen hatte, baute die Familie Carstanjen das neue Lichtspielhaus. Für den Betrieb gründete sich eine private Gesellschaft, deren Anteilseigner-Liste sich wie das Who-is-Who der lokalen Unternehmerprominenz liest. Mit der Eröffnung am 30. Juni 1929 standen die großen Filme jener Zeit auf dem Spielplan, Filmgrößen waren zu Gast. Die Weltwirtschaftskrise schickte auch Duisburgs Vorzeige-Kino finanziell auf Talfahrt. Nach mehreren Geschäftsführerwechseln wurde die Betreiber-GmbH 1935 aufgelöst. Die „Geschwister Carstanjen KG“ als Eigentümer der Immobilie übernahm den Kinobetrieb selber. Ein britischer Bombenangriff im April 1943 beschädigte das Haus massiv. Mit dem Abriss der Trümmer 1950/51 ist der Kino-Palast dann endgültig aus dem Stadtbild verschwunden.

Stellten das „Mercator-Palast“-Buch in der Filmwerkstatt vor (v. l.): Die Autoren Dirk Hausmann und Kai Gottlob mit Kulturdezernent Thomas Krützberg. Foto: Petra Grünendahl.
Kurz, aber faszinierend ist die Geschichte des Mercator-Palastes, der mit seinen Dimensionen die damalige Innenstadt mit geprägt hat. Der „Palast in Duisburg“ ist Thema eines Buches, welches Filmforum-Geschäftsführer Kai Gottlob mit Dirk Hausmann, einem langjährigen Mitarbeiter des Kommunalkinos, recherchiert und verfasst hat. Eine derartige Aufarbeitung der Geschichte des Mercator-Palastes hat es bislang noch nicht gegeben. Zusammen mit Duisburgs Kulturdezernenten Thomas Krützberg stellten die Autoren das Buch in der Filmwerkstatt vor. Neben intensiver Recherche in unterschiedlichsten Archiven weit über die Stadtgrenzen hinaus hatten die Autoren 2015 einen Aufruf nach Zeitzeugen über die Duisburger Tagespresse gestartet: Mit Erfolg, denn es fanden sich auch Leute, die den prächtigen Kino-Palast noch aus eigenem Erleben kannten.

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Filmtheater bot Duisburgern Unterhaltung mit neuesten Ufa-Produktionen

Tageszeitungsanzeigen von Mercator-Palast und Kammer-Lichtspiele im Vergleich: Nazi-Propaganda gegen Hollywood-Kino. Quelle: Stadtarchiv Duisburg.
Obwohl das Filmunternehmen Ufa über eigene Kinos verfügte, mauserte sich der Mercator-Palast mit seinen 1.200 Plätzen zum führenden Lichtspielhaus der Ufa in Duisburg. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der entsprechenden Neuausrichtung der Ufa schon vor ihrer Verstaatlichung (1937), änderte sich der Spielplan dann auffallend. Während andere Kinos in Duisburg (die Kammer-Lichtspiele zum Beispiel) noch bis 1942 auch amerikanische Hollywood-Filme zeigten, wurde das Programm (oder zumindest die Vorfilme) im Mercator-Palasts immer propaganda-lastiger: Vor dem Unterhaltungsfilm „Pat und Patachon“ lief beispielsweise „Das Erbe“, ein Propagandafilm zur Rechtfertigung des Euthanasie-Programms während der Zeit des Nationalsozialismus.

„Warum dieser Programmwechsel geschah, wurde für uns trotz aller Recherchen nicht nachvollziehbar“, sagte Kai Gottlob. Dass der Mercator-Palast schon früh auf den nationalsozialistischen Zug aufsprang, verwundert insofern, als dass der Hauptanteilseigner der damaligen ersten Betreibergesellschaft, Johann Wilhelm Welker, als Generaldirektor der Franz Haniel & Cie. GmbH (bis 1944) das Ruhrorter Unternehmen in der NS-Zeit weitgehend aus der Politik heraus hielt.

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Der Mercator-Palast liegt nach einem Bombenangriff 1943 in Trümmern. Quelle: Stadtarchiv Duisburg.
Nicht das ganze Filmtheater ist im Krieg unwiederbringlich in Schutt und Asche gebombt worden: „Ein letztes Überbleibsel des Mercator-Palastes steht heute noch in Winterberg“, verriet Kai Gottlob. Am Tag vor dem Bombenangriff waren neue Filmprojektoren aus Dresden geliefert worden, die bis zu ihrer Installation am nächsten Tag im Keller des Gebäudes untergebracht worden waren. „Die Kisten konnten unbeschädigt geborgen werden“, erzählte Gottlob. Nach dem Krieg seien sie an das Filmtheater Winterberg gekommen, wo sie bis zum Jahr 2009 (und dem Umstieg auf digitale Technik) in Betrieb gewesen seien. „Einer steht heute noch dort als Blickfang im Foyer“, wusste Gottlob zu berichten.

Der Mercator-Palast sei nicht nur ein Filmtheater gewesen, sondern habe auch eine Filmproduktion betrieben, die die historische Entwicklung der Stadt Duisburg dokumentierte, so der Filmforum-Chef. Diese Filme befinden sich heute in der Filmhistorischen Sammlung im Filmforum.

Fast drei Jahre Recherche
„Ende 2015 war klar, dass wir das Projekt angehen“, erzählte Kai Gottlob. Im Jahr 2016 führten die Autoren Gespräche mit Zeitzeugen, die allesamt dokumentiert sind. Insbesondere Dirk Hausmann verbrachte viele Monate in Archiven (Stadt-, Landes- und Bundesarchiv), man suchte aber auch über Kontakte im Ausland. Ermöglicht haben dieses aufwendig recherchierte Buch eine Reihe von Sponsoren: die Welker-Stiftung, die Franz Haniel & Cie. GmbH, die Sparkasse Duisburg, die Freunde des Filmforums e. V. sowie die Familie Wahle aus Winterberg.

Verlegt wird das hoch informative und sehr lesenswerte 70-seitige Buch (mit 60 Abbildungen) von der Filmforum GmbH. Erhältlich ist es zum Preis von 5 Euro an der Kinokasse des Filmforums (zu Öffnungszeiten) sowie in den Buchhandlungen Scheuermann am Sonnenwall und Mayersche im Forum auf der Königstraße.

© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Foto: Petra Grünendahl (1),
Historische Dokukmente: Jonas Wahle (1), Stadtarchiv Duisburg (2)

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