Museums- und Geschichtsverein in Moers: Dritte „Nacht der Geschichte“ am 27. Juli

Mit Zeitzeugen in die Vergangenheit eintauchen
Von Petra Grünendahl

Im Rosengarten des Moerser Schlosses erzählt „Friedrich Wintgens“ seine Geschichte. Foto: Grafschafter Museum.
Wenn Helge Gebel im Rosarium des Moerser Schlosses als der Fabrikant Friedrich Wintgens (1777-1856) erzählt, er lasse Kinder für sich arbeiten, mag der einen oder andere den Industriellen verteufeln. Aber selbstverständlich waren die Zeiten zu Beginn der Industrialisierung noch ganz andere. Der aus Duisburg stammende Wintgens gründete 1803 in Moers eine Baumwollspinnerei und kaufte 1810 das Schloss, um nach Moers überzusiedeln. Als einer der kostümierten „Zeitzeugen“ berichtet der Mitarbeiter des Grafschafter Museums vom Moers seiner Zeit. Drei jeweils 90-minütige Rundgänge über insgesamt 15 Stationen rund um Altstadt, Neustadt, Schloss und Park lassen Moerser Geschichte für die Besucher erlebbar werden.

Stadtführer und Organisatoren der dritten Moerser Nacht der Geschichte mit der Henriette vor dem Moerser Schloss. Foto: Petra Grünendahl.
Bereits zur dritten „Nacht der Geschichte“ lädt der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers (GMGV) am Samstag, 27. Juli, ab 19 Uhr. Zusammen mit den Kooperationspartners Grafschafter Museum im Schloss Moers, den Moerser Stadtführern und der Wirtschaftsförderung der Stadt Moers stellte Geschichtsverein das Programm im Pressegespräch vor. „Es sind alle Stadtführer wieder dabei“, freute sich Peter Boschheidgen, Vorstitzender des GMGV. Die Moerser Nacht der Geschichte, organisiert von Frank Heinrich (vom GMGV) und Fanja Burger (Grafschafter Museum), sei etwas Einzigartiges, so Boschheidgen, zu dem die engagierten Stadtführer mit ihren lebendigen Erzählungen beitragen.

Vielfältige spannende Geschichten hat Moers aus einer langen Historie, die bis in die Römerzeit reicht, natürlich zu bieten. Die ehemalige Grafschaft Moers entstand im 12. Jahrhundert und erstreckte sich zeitweilig bis in die linkrheinischen Stadtteile des heutigen Duisburg. Die ältesten Teile des Schlosses datieren auf 1200, spätere Eigentümer hinterließen ebenfalls ihre Spuren an dem Gebäude. Nachdem Moritz von Oranien (1567-1625) die Spanier besiegt und 1597 aus Moers vertrieben hatte, herrschten die Niederländer bis zur Machtübernahme durch Preußen 1702. Preußisch war Moers, von einer zwanzigjährigen Herrschaft der Franzosen (1794-1815) unterbrochen, bis zum ersten Weltkrieg. Über die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus mit Judenverfolgung und Widerstand zieht sich der Faden der erlebbaren Geschichte(n) bis in die Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs, als ein Moerser mit am Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland schrieb.

Karten im Schloss Moers erhältlich

Das Denkmal von Kurfürstin Luise Henriette vor dem Moerser Schloss. Foto: Petra Grünendahl.
Drei Rundgänge haben die Besucher zur Auswahl: Das Moerser Schloss und den Park (inkl. Altes Landratsamt, Henrietten-Denkmal und Rosarium), die „alte Stadt“ (Pumpeneck, Peschkenhaus, Neumarkt, Oranier-Haus und jüdische Geschäfte auf der Steinstraße) sowie die „neuere Stadt“ (u. a. mit dem Haus Rösgen, dem ehem. Nerforth-Gebäude, dem Mahnmal für die Opfer der Shoa, dem Königlichen Hof sowie Bergbau und Kohlezüge auf der Steinstraße). In Gruppen zu 30 Personen gehen die Besucher alle fünf Stationen eines Rundgangs durch und lassen sich von Kostümführern in die Vergangenheit entführen zu Begebenheiten, die für die Stadtgeschichte eine Bedeutung haben. Die Stadtführer lassen historische Persönlichkeiten ihre Geschichten mitten aus dem Leben erzählen und ihre Eindrücke und Erlebnisse vermitteln: Das ist wie Geschichtsunterricht hautnah am Ort und zur Zeit des Geschehenes. „Wir zeigen hier besondere Ereignisse an bestimmten Orten“, so Wilfried Scholten, stellvertretender Vorsitzender des GMGV. „Spannend ist, wie vieles aus der Geschichte bis heute nachwirkt.“ Über die Art der Präsentation bis zum persönlichen Gespräch erschließt sich die Geschichte hier einmal ganz anders. Zum gemütlichen Ausklang geht es anschließend in den benachbarten Musenhof: Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein sorgt hier in geselliger Runde für das leibliche Wohl der Gäste.

Grafschafter Museum im Moerser Schloss
Der Vorverkauf ist gerade gestartet, das Kartenkontingent wie in Vorjahren begrenzt. Da in den letzten Jahren die Tickets rasch vergriffen waren, empfehlen die Veranstalter, sich frühzeitig zu kümmern: Karten gibt es an der Museumskasse im Schloss Moers. Sie kosten 8 Euro pro Person (inkl. Imbiss). Karten können auch telefonisch bestellt werden, müssen dann aber bis zum 14. Juli abgeholt werden. Andernfalls gehen die Karten wieder in den Verkauf. Die Zahl der Teilnehmer ist auf 450 begrenzt (drei Rundgänge mit fünf Stationen für Gruppen mit je 30 Personen). Ein kulinarischer Abschluss der Veranstaltung (Antipasti sind im Eintrittspreis enthalten, Getränke kosten extra) findet im Musenhof des Grafschafter Museums statt.

Der Flyer zur dritten Moerser Nacht der Geschichte.

Grafschafter Museum, Kastell 9, 47441 Moers
Telefon 02841 / 8815-10, Fax 8815-122
eMail grafschafter-museum(at)moers.de
www.grafschafter-museum.de

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Grafschafter Museum- und Geschichtsverein e.V.
Der Grafschafter Museum- und Geschichtsverein e.V. (GMGV) befasst sich mit der Kultur und Geschichte der Stadt und Region der früheren Grafschaft Moers schon seit über 100 Jahren. Der Verein fördert zudem die Herausgabe stadthistorisch bedeutsamer Publikationen.
www.gmgv-moers.de

© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (2), Grafschafter Museum (1)

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