Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link im Wirtschaftsdialog bei ichosystems

Ein Ball fürs Leben (re-)aktiviert Spaß und Lebensfreude bei Menschen mit Handycap

Beim Wirtschaftsdialog (v. l.): Andree Haack, Astrid Frank, Mario Kascholke, Eleftherios Efthimiadis, Oberbürgermeister Sören Link, Steffen Preuß, Ralf Meurer, Alkje Stuhlmann und Angel Alava-Pons. Foto: Uwe Köppen / Stadt Duisburg.
Ichó, das ist ein Ball an Erinnerungen. Sein Erfinder, der 33-jährige Duisburger Eleftherios Efthimiadis, vermarktet ihn jetzt gemeinsam mit seinen GeschäftspartnernAlkje Stuhlmann, Steffen Preuß und Mario Kascholke– und zwar überaus erfolgreich. Das von ihnen gegründete Unternehmen zeigt auf, wie Menschen mit Handycap von der Digita-lisierung profitieren können, schließlich steckt ihr Ball voller Elektronik. Das führt dazu, dass von der Kugel ichó eine magische Anziehungskraft auf den Nutzer ausgeht – sie kann leuchten, die Farben wechseln, Geschichten erzählen, Musik machen, Tierstimmen von sich geben und vieles mehr. Auch ist eine individuelle „Bespielung“ möglich. Beispielsweise mit Stimmen von Angehörigen oder der Lieblingsmusik des Patienten.

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Zunächst ausschließlich für Menschen mit demenzieller Erkrankung entwickelt, werden die An-wendungsmöglichkeiten der Therapiekugel immer vielfältiger: Gemeinsam mit Therapeuten, Pflegefachkräften, Ärzten und Wissenschaftlern (weiter-)entwickelt, eignet sich der Ball für alle Menschen mit kognitiven Erkrankungen – gleich welchen Alters und welcher Ursache. Von Demenz- über Schlaganfallpatienten bis hin zu an Parkinson- und Rheumatismus-Erkrankten reichen die Einsatzfelder. „Auch Traumata-Betroffenen kann der Ball dabei helfen, (wieder) Spaß und Lebensfreude zu aktivieren und zu fördern“, betont Gründerin Stuhlmann. „Alles begann mit der Erkrankung meinerGroßelternund der Großeltern von Eleftherios. Diesen zu helfen, positive Erinnerungen wachzuhalten und daraus Kraft und Lebensfreude zu schöpfen, stand am Anfang unserer Überlegungen. Auch die Motorik sollte gefördert werden, weil zwischen Geist und Motorik eine wesentliche Wechselwirkung besteht. Was anfänglich gar keine Geschäftsidee werden sollte, ist dann dazu gereift – und gleichzeitig ein Tribut an unsere Großeltern“, erklärt der 30-jährige Preuß. Nach der Herkunft des klangvollen Unternehmens- und Produktnamens ichó gefragt, erzählt Efthimiadis von dessen Entstehungsgeschichte: „Ich habe griechische Wurzeln, daher die Verbundenheit zur Sprache der Götter. Ichó bedeutet so viel wie ‚Echo‘. Zugleich ist es der Name einer Nymphe der griechischen Götterwelt. Diese war Zeus zu Diensten und wurde deshalb von Hera, der Göttermutter, damit bestraft, indem sie nur noch die letzten gesagten Worte eines anderen wiederholen durfte. Unser ichó ist aber im Ge-gensatz zur griechischen Mythologie rundum positiv. Es soll bei den Patienten eine nachhallende Wirkung erzeugen, die Interaktionen möglich macht.“ Viele der Patienten sind nämlich in ihrer eigenen Gedanken- und Gefühlswelt regelrecht gefangen. Diese Isolation zu durchbrechen und, wenn auch zeitlich begrenzt, Teilhabe zu ermöglichen, ist Sinn und Zweck von ichó.

„Und genau das haben meinen Bruder Martin Rütter und mich dazu bewogen, das Gründertrio als Business Angels zu unterstützen“, so Astrid Frank, Geschäftsführerin von Mina Business. Die gebürtige Hombergerin, die jetzt als Geschäftsfrau in Bonn tätig ist und zugleich Kommunikationsleiterin bei ichosystems, gibt Einblick: „Auch aufgrund eigener familiärer Betrof-fenheit ist es uns ein echtes Herzensanliegen, dass sich im Bereich der Demenztherapie einiges verbessert. Schließlich werden die Menschen immer älter und das Krankheitsbild dadurch immer häufiger. Gleichzeitig sind derzeit Therapiemodelle überaus kostenintensiv und zu wenige Pflegefachkräfte verfügbar. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.“

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„ichókann sowohl in Pflegeeinrichtungen als auch im häuslichen Bereich relativ kostengünstig gute Dienste erweisen. Das habenUniversitäten, das Bundeswirtschaftsministerium und Groß-konzerneerkannt und die Macher hinter ichosystemsmit Preisen ausgezeichnet. Als Stadtober-haupt bin ich stolz darauf, dass wir solche Gründer für den Wirtschaftsstandort Duisburg begeistern können. Unternehmen wie ichozeigen eindrucksvoll, wie mit dem Einsatz von Digitalisierung soziale Herausforderungen gemeistert werden können. Hier wollen wir auch zukünftig gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung und weiteren Partnern bestmögliche Rahmenbedingungen schaffen“, so Oberbürgermeister Sören Link.

„Elektronik und künstliche Intelligenz können helfen, den Herausforderungen in der Pflege zu begegnen, damit die wenigen Fachkräfte mehr Zeit für den einzelnen Patienten oder Heimbe-wohner haben. Wenn wir Smart City werden wollen, ist es nur folgerichtig, dass das für alle Einrichtungen in einer Stadt gilt und damit auch für den immer wichtiger werdenden Gesund-heitssektor“, bekräftigtWirtschaftsdezernent Andree Haack. „Die GFW Duisburg hat erst kürzlich einen ersten Branchentreff der Sozialwirtschaft ins Leben gerufen, dessen Akteure im Herbst erneut zusammenkommen werden. Das Team der Duisburger Wirtschaftsförderung hat icho-systems bereits mit einigenwichtigen Partnern am Standort vernetzt; das wollen wir nach und nach ausbauen“, betont GFW-Geschäftsführer Ralf Meurer.

Die Existenzgründungsberater der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg mbH (GFW Duisburg) haben Stuhlmann, Efthimiadis, Preuß und Kascholke bislang unterstützt, indem sie ihnen den entscheidenden Kontakt zum Leiter vom Fraunhofer Inhaus hergestellt haben. Dieser war überaus zielführend, haben sie jetzt doch ihr Büro genau dort. Darüber hinaus haben die GFW-Projektmanager die Akteure von ichosystems in Förderfragen bera-ten und bei der Antragstellung unterstützt. Als nächster Schritt ist geplant, die bislang einge-setzten Prototypen dahingehend weiterzuentwickeln, dass sie als Heil- und Hilfsmittel anerkannt werden. Da die derzeit im Test befindlichen Prototypen insoweit ausgereift und weiterentwickelt sind, folgt als nächster Schritt die Markteinführung – voraussichtlich im Oktober 2019. Hierfür hat das junge Unternehmen bereits einen Spritzgusshersteller und Formbauer gefunden, der auch Chargengrößen produziert, die für Startups passgenau sind. Wer sich für den Ball gegen das Vergessen interessiert, erfährt mehr dazu unter: www.icho-systems.de
Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg mbH (GFW Duisburg)
Foto: Uwe Köppen / Stadt Duisburg