Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. zeigt Neuenkamp und Kaßlerfeld in alten Bildern

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Das frühere Weideland zwischen
Duisburg und Ruhrort im Fokus

Von Petra Grünendahl

Ruhrorter Straße um 1910. Quelle: Reinhold Stausberg.
Eine Luftaufnahme aus den 1920er-Jahren zeigt die Schachtanlagen Franz Ott (Diergardt III) an der Javastraße (links) und Lilienthalstraße (vorne). Quelle: Birgit Hennig-Friebe.
Mit der Rheinverlagerung im 13. Jahrhundert fand sich der heutige Stadtteil Kaßlerfeld neben Neuenkamp auf der rechten Rheinseite wieder. Die Halbinsel zwischen Duisburg und Ruhrort nutzen Duisburger als Weideland. Noch bis 1801 gehörte Kaßlerfeld zur Grafschaft Moers; und erst im 19. Jahrhundert nahm die Besiedlung Fahrt auf. Eine mittelständische Industrie profitierte vom Parallelhafen (Neuenkamp) sowie Innen- und Außenhafen (an der Südgrenze des Doppelstadtteils), so dass sich Firmen ansiedelten, denen dann auch die Menschen folgten. Außerdem entdeckten die Duisburger die aufstrebende Ansiedlung als Wohngebiet, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Steinkohlebergbau in Neuenkamp endete nach dem Abteufen der Zeche Java 1854 (der Schacht wurde wenige Jahre später wieder aufgegeben) und von Schacht 3 (Franz Ott) der Zeche Diergardt 1912 schon 1963 endgültig. Ein Flugsportplatz in Neuenkamp öffnete 1912, musste aber wegen der wachsenden Wohnbebauung und Industrie bereits 1957 wieder schließen. Mit der kommunalen Neugliederung 1975 wurde der Doppelstadtteil (damals 18.000 Einwohner) aufgespalten.

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Ruhrorter Straße vor 1957: Zu erkennen sind mittig die Türme der Schwanentorbrücke zur Innenstadt und hinten links der RWSG-Speicher (Rheinisch-Westfälische Speditions-Gesellschaft) am Innenhafen (heute Landesarchiv). Quelle: Bürgerverein Kaßlerfeld & Neuenkamp e. V.
Luftaufnahme vom Flugplatz Neuenkamp am Flugtag 1929. Dahinter zu sehen ist das Zechengelände von Diergardt III (Schacht Franz Ott). Quelle: Birgi Hennig-Friebe.
Die Autoren der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. um den Vorsitzenden Harald Molder haben einen Blick in die Geschichte zweier Stadtteile geworfen, die häufig in einem Atemzug genannt werden: Neuenkamp und Kaßlerfeld. Ihre Anziehungskraft zogen sie aus ihrer Nähe zur Innenstadt sowie ihrer Lage an einer der wichtigsten Verkehrsadern des Ruhrgebiets (A40) mit Schnittstelle zur Güterschifffahrt, die wirtschaftlich eine Grundlage legten, die auch Menschen anzog, den Stadtteil zu besiedeln. In bewährter Manier ist das Buch in Kapitel gegliedert, um die historischen Einblicke zu ordnen: Firmen und Geschäften, Gaststätten und Cafés, Kirchen und Schulen, Einrichtungen und Institutionen, Menschen, Vereine und Vereinigungen sowie Ereignisse und Begebenheiten. Ein eigenes Kapitel beschäftigt sich mit Rheinreede, Hafen und Zeche als Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung. In „Rund um den Flugplatz“ reicht zurück zu den Duisburger Flugpionieren: Karl und Peter Strack, die 1910 ihren ersten Motorflug absolvierten und 1911 die Strack Flugzeug Werke gründeten. Oder Der für Testflüge benötigte Flugplatz Neuenkamp entstand 1912 und wurde später nach dem ebenfalls aus Duisburg stammenden Flugpionier Paul Bäumer benannt. Im gleichen Jahr gründete sich ein Flugverein, der nach der Schließung des Flugplatzes 1957 vom Segelflugplatz Wesel und seit 2016 vom Flugplatz Schwarze Heide in die Luft geht. Eine einseitige Kurzchronik der beiden Stadtteile rundet den Blick in die Geschichte von Kaßlerfeld und Neuenkamp ab.

Zum Entdecken und Erinnern

Ruhrorter Straße 11 mit dem ehemaligen Gewerkschaftshaus (hinter den Bäumen) in den 1930er-Jahren: Heute stehen hier Mehrfamilienhäuser und auf dem Bürgersteig das Mahnmal „Erfahrbare Wände“ von Gabriella Fekete, das an vier 1933 ermordete Gewerkschafter erinnert. Links am oberen Bildrand erkennt man den Lehnkering-Speicher. Quelle: Reinhold Stausberg.
Von einem Speichergebäude im Innenhafen aus sieht man Kaßlerfeld auf der anderen Seite des Hafenbeckens. Hinter dem Holzhafen oben rechts ist auch Meiderich zu erkennen. Quelle: Heinrich Böll (†).
Das Buch „Duisburger-Neuenkamp und -Kaßlerfeld in alten Bildern“ publiziert – wie alle Werke der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. – der Erfurter Sutton Verlag, Deutschlands führender Verlag für Regionalgeschichte. Auf 126 Seiten findet der Leser rund 160 bis dato unveröffentlichte Fotografien und Postkarten aus öffentlichen und privaten Sammlungen. Informative Texte ordnen die Bilder ein und beschreiben die Ansichten. Die historischen Aufnahmen und Postkarten stammen aus dem Jahren 1900 bis in die 1970er-Jahre, eines sogar aus den 1990er-Jahren. Die Abbildungen stammen aus dem Archiv der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V., aus Sammlungen von Mitgliedern der Zeitzeugenbörse wie Reinhold Stausberg oder Harald Molder, vom Bürgerverein Kaßlerfeld & Neuenkamp e. V. sowie aus verschiedenen Privatsammlungen. Neben den Bildgebern trugen Bürger aus den Stadtteilen Kaßlerfeld und Neuenkamp Informationen zu den Texten bei. Über Recherchen im Stadtarchiv hinaus öffneten auch zahlreiche Institutionen, Vereine und Firmen ihre Archive. Das reich bebilderte Buch mit Hardcover-Einband ist im Sutton Verlag in der Reihe „Sutton Heimat“ erschienen und kostet 19,99 Euro. Zu beziehen ist es über den lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-95400-792-9).

Zeitzeugenbörse Duisburg e. V.
Die Zeitzeugenbörse Duisburg wurde von einem Kreis historisch interessierter Duisburger um Harald Molder ins Leben gerufen. Molder beschäftigt sich seit 1975 mit der Stadtgeschichtsforschung. Unter seinem Vorsitz ist die Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. 2007 ins Vereinsregister der Stadt eingetragen worden. Seither vernetzen sich engagierte Heimatforscher, um Duisburger Stadtgeschichte auch in Ausstellungen, Vorträgen und Büchern erlebbar zu machen.

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Sutton Verlag, Erfurt
Sutton ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum, vom historischen Bildband bis zum Freizeitführer. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Verlages bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Außerdem bietet Sutton Krimi unter dem Motto „mordsmäßig spannend“ seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedliches Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.

Zur vollständigen Liste der bisherigen Publikationen der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. im Sutton Verlag geht es hier im Menüpunkt „Bücher“.

© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Birgit Hennig-Friebe (2), Reinhold Stausberg (2), Heinrich Böll (†) und Bürgerverein Kaßlerfeld & Neuenkamp e. V. (jeweils 1) / alle mit freundlicher Genehmigung des Sutton Verlages

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