NetzwerkForum SchifffahrtHafenLogistik: Logistik-Cluster NRW trifft sich zum 11. Mal in Duisburg

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Binnenschifffahrt als Wirtschaftsfaktor für den Klimawandel
Von Petra Grünendahl

Ingo Brauckmann, Logistik-CEO bei thyssenkrupp Steel Europe. Foto. Petra Grünendahl.
Die Niederrheinische IHK an der Mercatorstaße. Foto: Petra Grünendahl.
„Rund 80 Prozent unserer Gütertransporte gehen über Binnenschiff oder Bahn“, verwies Ingo Brauckmann, CEO des Geschäftsbereichs Logistik bei thyssenkrupp Steel Europe AG (TKSE), auf den großen Anteil an umweltfreundlichen Transportkapazitäten. „Selbst bei einem Rhein-Niedrigwasser vom 1,50 Meter können wir 90 Prozent unserer Produktion aufrecht erhalten, allerdings müssen wir dann viel über die Schiene leiten“, so Brauckmann. Das koste sehr viel Geld, so der Logistik-CEO. Niedrigwasser auf dem Rhein gab es immer schon, aber seit Trocken-Perioden als Folge des Klimawandels zunehmen, verschärfen sich auch Niedrigwasserstände. Das trifft nicht nur die Industrie, sondern auch die überwiegend mittelständisch geprägte Binnenschifffahrt – und das gerade in NRW: Die Binnenschifffahrt hat hierzulande einen Anteil von 30 Prozent am Gütertransport (bundesweit sind es nur 8 Prozent). NRW hat ein gut ausgebautes Wasserstraßennetz von 720 Kilometern mit 120 Häfen (23 öffentliche und 97 private), in denen Warenumschlag auf andere Verkehrsträger für die letzten Meilen stattfindet. Dass sich Nachhaltigkeit bei thyssenkrupp Steel Europe nicht nur auf Gütertransporte beschränkt, zeigte Brauckmann in den Standortplanungen für den Duisburger Norden auf: „Bis 2050 wollen wir durch neue Produktionsverfahren, die wir hier entwickeln, den CO2-Ausstoß bei der Stahlproduktion auf Null reduzierten“, so Brauckmann. Bis 2030 solle der Ausstoß um 30 Prozent reduziert sein. Um dieses Ziel zu erreichen, investiere TKSE bis 2050 rund 10 Mrd. Euro, verriet der Logistiker.

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VVWL-Geschäftsführer Dr. Christoph Kösters (l.) und IHK-Präsident Burkhard Landers (r.) betrüßten NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser zum NetzwerkForum. Foto: Petra Grünendahl.
Zum Thema “Maritime Logistikstandorte – Klimawandel und Standortpolitik” hatte das Kompetenznetz Logistik.NRW Logistikfachleute aus Industrie und Transportwirtschaft nach Duisburg eingeladen. Bereits zum 11. Mal arbeitete der Verband Verkehrswirtschaft und Logistik NRW e. V. (VVWL) mit der Niederrheinischen IHK als Gastgeber zusammen. Die Traditionsveranstaltung lockt Verantwortliche aus Logistikbranche und Industrie ebenso wie von Verbänden, aus Politik und Verwaltung. Die Organisatoren hatten ein hochkarätiges Podium gewonnen, Sachfragen der maritimen Logistik darzustellen und mit dem Publikum zu diskutieren.

 
Zielgerechte Maßnahmen als Antwort auf den Klimawandel

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser. Foto: Petra Grünendahl.
Während Ingo Brauckmann in seinem Eingangsstatement den Fokus auf Nachhaltigkeit am Industrie- und Logistikstandort NRW legte, stellte Ursula Heinen-Esser, NRW-Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, die Standort- und Klimapolitik ihrer Regierung vor. Sie unterstrich den Stellenwert, den sie der Industrie und Logistik für den Wirtschaftsstandort NRW zumisst. Die Ministerin unterstrich ihr Bestreben, bei Lösungen für den Klimaschutz zielgerechte Maßnahmen suchen zu wollen, um mögliche negative Auswirkungen an anderer Stelle zu vermeiden. Anpassungen an den Klimawandel seien in allen Bereichen nötig, so die Ministerin. Eine CO2-Steuer, so deutete sie an, halte sie für weniger Ziel führend als eine Form es Emissionshandels, wie er an anderer Stelle schon praktiziert wird. Wobei Ingo Brauckmann auch deutlich machte, dass Industrieproduktion in Deutschland durchaus umweltfreundlich ist: „Stahlproduktion ist keine Old Economy! Stahl ist ein hochmoderner Werkstoff, den wir in Deutschland in großen Mengen brauchen“, so Brauckmann. Ihn hier zu produzieren statt zu importieren, entlaste die Umwelt. Allerdings, so sagte er auch: „Wir brauchen ein Bekenntnis für den Standort und Hilfe von der Politik, die Stahlindustrie in Deutschland halten zu wollen.“

 
Zwei Podiumsrunden in der Diskussion mit dem Publikum

Das Podiium „Praxis und Politik im Dialog“ (v. l.): Ulrich Reuter, Ingo Brauckmann, Sebastian Reimann, Ursula Heinen-Esser und Steffen Bauer. Foto: Petra Grünendahl.
Das Podium „Masterpläne Eisenbahn und Binnenschifffahrt“ (v. l.): Werner Spionkowski, Roberto Spranzi, Wolfgang Birlin, Sebastian Reimann, Dr. Arndt Glowacki und Achim Wehrmann. Foto: Petra Grünendahl.
Zum Thema „Standortpolitik und maritimer Logistik- und Wirtschaftsstandort NRW“ diskutierten die Eingangsreferenten mit weiteren Vertretern aus Politik und Wirtschaft sowie dem Publikum. Steffen Bauer, Senior Vice President für den Bereich Schifffahrt bei Imperial Logistics International, sowie Ulrich Reuter, MdL, Sprecher Binnenschifffahrt der FDP-Landtagsfraktion, komplettierten mit Moderator Sebastian Reimann, Chefredakteur der Deutschen Verkehrs-Zeitung (DVZ) das Podium. Eine zweite Podiumsrunde diskutierte die jüngst aufgestellten „Masterpläne Eisenbahn und Binnenschifffahrt – ein Erfolgsmodell?“. Hier trafen Vertreter aus Wirtschaft und Logistik – Dr. Arndt Glowacki, Logistik-Direktor bei Evonik und Vorsitzender der Arbeitgemeinschaft Häfen in NRW im Bundesverband Öffentlicher Häfen, Roberto Spranzi, Vorstand der DTG Deutsche Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt eG und Vize-Präsident des Bundesverbandes der deutschen Binnenschifffahrt, Wolfgang Birlin, Geschäftsführer der RheinCargo, dem Zusammenschluss der Häfen Köln, Düsseldorf und Neuss, Werner Spionkowski, Geschäftsführer der Ruhrmann Logistik in Dortmund – auf Achim Wehrmann, Stv. Abteilungsleiter Wasserstraßen und Schifffahrt im Bundesverkehrsministerium. Alle begrüßten auf Aufstellung der Masterpläne, deren Erfolge aber natürlich die Umsetzung gebunden sind. Hierzu forderte die Wirtschaft mehr Planungskapazitäten für die Behörden, um Maßnahmen schneller realisieren zu können. Insbesondere eine Rheinsohlenstabilisierung (Rheinvertiefung) in Nordrhein-Westfalen dürfe nicht solange dauern wie die Elbvertiefung, da sich die Problematik Niedrigwasser verschärften wird. Der Sommer 2018 dürfte so manchen Bürger noch in Erinnerung sein, als die wegen des Niedrigwassers sinkenden Gütermengen für Sprit-Knappheit an den Tankstellen und somit für steigende Preise sorgten.

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© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 


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