Deutsche Oper am Rhein: Publikum feierte Tschaikowskys „Pique Dame“ im Theater Duisburg

Das Spiel der zerstörten Träume
Von Petra Grünendahl

Sergej Khomov (Hermann), Chor der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel.
Unter der Venus von Moskau: Renée Morloc (Die Gräfin), Damen des Chores der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel.
So ein wenig wirkt er wie Woody Allen: Dunkle Brille, etwas längere Haare und ein brauner Cord-Anzug, der in einem von Bonbonfarben und Petticoat geprägtem Ambiente so fehl am Platz wirkt. Der mittellose, aber ehrgeizige Hermann (Sergej Khomov) ist der Außenseiter in einer reichen Gesellschaft. Er verleibt sich in Lisa (Natalia Muradymova), die Enkelin einer reichen Gräfin (Renée Morloc), die aber schon mit Fürst Jeletzki (Jorge Espino) verlobt ist. Graf Tomski (Stefan Heidemann) enthüllt die Vorgeschichte der Gräfin, in ihrer Jugend als „Venus von Moskau“ bekannt war. Im Tausch für eine gemeinsame Nacht hatte ihr der berüchtigte Graf von Saint-Germain das Geheimnis verraten, immer beim Kartenspiel zu gewinnen. Die „Pique Dame“ wurde damit reich. Hermann, der nüchtern und direkt, wie er ist, so gar nicht zu den ihn umgebenden Spielernaturen passt, will ihr dieses Geheimnis entlocken, um damit die unerreichbare Lisa, die auch ihm zugetan ist, zu gewinnen.

 

Sergej Khomov (Hermann), Johannes Preißinger (Tschekalinski), Bruno Vargas (Surin), Herren des Chores der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel
Mit Peter I. Tschaikowskys (1840–1893) „Pique Dame“ startete die Deutsche Oper am Rhein in Duisburg in die neue Spielzeit. Das prachtvolle Spiel um Geld und Liebe ist die russische Antwort auf die Opulenz der französischen Grand Opéra. Tschaikowskys Bruder Modest hatte aus der gleichnamigen Novelle von Alexander Puschkin ein Libretto geschrieben, das der Komponist nach anfänglichem Zögern dann doch mit Leidenschaft vertonte. Auch ihm, der seine Homosexualität zeitweise sehr offen auslebte, war die Außenseiterrolle nicht fremd: Diese Oper – seine Zweite – war seine Lieblingsoper, die 1890 im Kaiserlichen Mariinski-Theater in St. Petersburg uraufgeführt worden war. Die Inszenierung der amerikanischen Regisseurin Lydia Steier transportiert die Handlung der Oper vom Ende des 18. Jahrhunderts in die 1950er-Jahre, die sie mit viel Opulenz und den Ausschweifungen der höheren Gesellschaft darstellt. Gesungen wird in russischer Sprache mit deutschen Übertiteln, die das Verständnis der Handlung erleichtern (an diesem Abend waren sie aber wegen technischer Probleme nur schlecht zu entziffern). Der grandiose Opernabend in sieben Bildern dauert mit einer Pause knappe 3¼ Stunden.

 
Die 1950er in Bonbonfarben und Petticoat

Renée Morloc (Die Gräfin), Chor der Deutschen Oper am Rhein, Statisterie FOTO: Hans Jörg Michel
Die Operninszenierung spielt mit Zeitsprüngen zwischen einer Realität der Gegenwart und Phantasien einer noch pompöseren Vergangenheit, in denen der „Held“ nahtlos zwischen Wirklichkeit und Visionen bis hin zum Wahn hin und her gleitet. Letztendlich muss er scheitern, weil ihm das Spiel um Geld wichtiger wird als die Liebe, mit der er eine verzweifelte Lisa zurücklässt. Beim Glücksspiel gewinnt er zunächst mit den Karten, die ihm die alte Gräfin verraten hat. In der dritten Runde gewinnt das Ass, aber Hermann hatte versehentlich alles auf die Pik-Dame gesetzt.

 


Renée Morloc (Die Gräfin), Luis Fernando Piedra (Zermonienmeister), Statisterie, Chor der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel.
Das Publikum feierte die hervorragenden Akteure zu Recht mit Szenenapplaus sowie mit einem lang anhaltenden Schlussapplaus. Gesanglich wie schauspielerisch überzeugten die Sänger auf ganzer Linie. In den großen opulenten Szenen mit üppigen Chorgesängen glänzten der Chor der Deutschen Oper am Rhein (unter der Leitung von Gerhard Michalski) und der Kinderchor der Akademie für Chor und Musiktheater aus Düsseldorf (unter der Leitung von Justine Wanat. Unter der Leitung von Kapellmeister Aziz Shokhakimov zeigten die Duisburger Philharmonikern bei lustvoll-leidenschaftlichen Klängen der Komposition ihre Klasse. Passend zur Inszenierung in den 1950er-Jahren sind viele der Kostüme von Ursula Kudrna im Rockabilly-Stil mit Bonbonfarben und Petticoats, für die Zeitsprünge dann wieder in prächtigem Barockstil gestaltet. Das variable Bühnenbild gestaltete Bärbl Hohmann. Effektvoll in Szene und ins rechte Licht gesetzt hat es Stefan Bolliger.

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:

Renée Morloc (Die Gräfin), Sergej Khomov (Hermann) FOTO: Hans Jörg Michel
Natalia Muradymova (Lisa), Sergej Khomov (Hermann), Kinderstatist (Indianer) FOTO: Hans Jörg Michel.
Mi | 16. Oktober 2019 | 19:30 Uhr und
So | 8. Dezember 2019 | 15 Uhr.

 
Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 17 und 67 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

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© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

 


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