Abgesagt: Ruhrtriennale 2020 kann wegen Corona-Pandemie nicht stattfinden

Aufsichtsrat der Kultur Ruhr beschließt einstimmig die Absage der diesjährigen Festivalausgabe – Gesundheit des Publikums, der Künstlerinnen und Künstler sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat absolute Priorität.

Ruhrtriennale-Spielort Kraftzenttrale im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: JU.
Die diesjährige Ausgabe der Ruhrtriennale wird wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Das hat der Aufsichtsrat der Kultur Ruhr GmbH heute im Rahmen einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung einstimmig beschlossen. Die Gesellschafterversammlung hat diesen Beschluss bestätigt. In der vergangenen Woche hatten sich Bund und Länder darauf verständigt, Großveranstaltungen bis einschließlich 31. August 2020 zu verbieten. Die Ruhrtriennale hätte vom 14. August bis 20. September 2020 stattfinden sollen.

„Der Ausfall der Ruhrtriennale 2020 ist ein herber Verlust für das kulturelle Leben in Nordrhein-Westfalen, der mich auch ganz persönlich schmerzt. Doch ich bin fest überzeugt, dass gerade große Veranstaltungen wie die Ruhrtriennale in dieser Situation einer besonderen Verantwortung gerecht werden müssen. Der Schutz der Gesundheit des Publikums, der Künstlerinnen und Künstler sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht für uns an erster Stelle. Daher ist eine Absage der Ruhrtriennale 2020 leider unumgänglich“, sagt Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen in ihrer Funktion als Aufsichtsratsvorsitzende der Kultur Ruhr GmbH.

Bereits jetzt sind die Probe- und Reiseaktivitäten zur Vorbereitung der zahlreichen Produktionen aufgrund der derzeit geltenden Bestimmungen zum internationalen Reiseverkehr stark eingeschränkt. Da die umfangreichen Planungen für das aufwendige Programm der Ruhrtriennale mit rund 700 beteiligten Künstlerinnen und Künstlern aus rund 40 Ländern in Kürze in die „heiße Phase“ gegangen wären, war es notwendig, die Entscheidung über die Absage der Ruhrtriennale zum jetzigen Zeitpunkt zu treffen.

Ruhrtriennale-Spielort Turbinenhalle (mitte links) und Jahrhunderthalle (rechts) in Bochum. Foto: JU.
Bereits gekaufte Karten werden zurückerstattet. Hierzu können die Karten an den Vorverkaufsstellen, an denen sie erworben wurden, zurückgegeben werden. Online-Käufer*innen wird die Kultur Ruhr GmbH zur Abwicklung der Erstattung in den kommenden Wochen direkt kontaktieren. Bei weiteren Fragen steht außerdem die Ticket-Hotline zur Verfügung: 0221 280210. Nähere Informationen finden Sie in Kürze unter: www.ruhrtriennale.de

Die Ruhrtriennale findet seit 2002 unter einer alle drei Jahre wechselnden Intendanz statt. Im Rahmen des Festivals sind jedes Jahr internationale zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler an den Schnittstellen von Musiktheater, Schauspiel, Tanz, Performance und Bildender Kunst eingeladen, die monumentale Industriearchitektur der Metropole Ruhr zu bespielen. Im Schnitt verzeichnet die Ruhrtriennale jährlich rund 60.000 Besucherinnen und Besucher. Die aktuelle Intendanz hat Stefanie Carp inne, die Spielzeiten 2018-2020 stehen unter dem Motto „Zwischenzeit“. Das diesjährige Programm sah 33 Produktionen und Projekte vor – davon 12 Ur- und Erstaufführungen – in 17 unterschiedlichen Spielstätten in Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gladbeck und Wuppertal. Die öffentlichen Mittel für die Ruhrtriennale 2018-2020 betragen rund 13,7 Millionen Euro jährlich, davon trägt das Land 12,65 Millionen Euro und der Regionalverband Ruhr rund eine Million Euro.

Stefanie Carp zur Absage der Ruhrtriennale 2020

Stefanie Carp ist in den Jahren 2018 bis 2020 künstlerische Leiterin der Ruhrtriennale. Foto: Daniel Sadrowski.
Der Aufsichtsrat der Kultur Ruhr GmbH hat heute im Rahmen einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung einstimmig beschlossen, dass die diesjährige Ausgabe der Ruhrtriennale wegen der Corona-Pandemie abgesagt wird.

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Intendantin Stefanie Carp zur Absage des Festivals: „Ich bedaure die Entscheidung der Gesellschafter und des Aufsichtsrats und halte die Entscheidung vor allen Dingen für viel zu verfrüht. Natürlich hat die Gesundheit aller Beteiligten – ob Künstler*innen, Besucher*innen oder Mitarbeiter*innen – höchste Priorität. Wir arbeiten seit Wochen an einem Spielplan für eine Ruhrtriennale, der alle Hygienemaßnahmen berücksichtigt hätte. In den letzten Wochen war ich mit den Künstler*innen der Ruhrtriennale viel in Kontakt. Es war beeindruckend, mit welcher enormen Kreativität und Sensibilität jede*r von ihnen die Erfahrungen, die wir derzeit machen, in ihre Arbeiten hineinnahmen. Vor allen Dingen aber auch, wie kreativ und flexibel die Künstler mit den Einschränkungen umgegangen sind bzw. wären. Wir hätten erstaunliche und unvergessliche Kreationen erleben können. Diese Chance ist leider durch voreiliges Absagen verspielt worden. Die Mitarbeiter*innen der Ruhrtriennale waren mit großer Flexibilität und Kreativität dabei, die Konzepte der Künstler*innen in den sich ändernden Umständen umzusetzen, wofür ich mich noch einmal sehr bedanken möchte. Ich hätte mir mehr von dieser Flexibilität und Vorstellungskraft auch von meinem Aufsichtsrat und den Gesellschaftern gewünscht. Die Ruhrtriennale wäre mit den großen Räumlichkeiten in der Lage gewesen, die Sicherheit der Besucher zu garantieren und trotzdem künstlerisch besondere Lösungen zu finden.

Ich bedaure sehr, dass man uns, den Künstler*innen und dem Publikum diese Chance nicht gegeben hat und so viel kreative Arbeit von Künstler*innen und Mitarbeiter*innen negiert wurde.

Es scheint, dass die Theater im September wieder öffnen dürfen. Ich werde versuchen, für einige Projekte der Ruhrtriennale neue Aufführungsorte in Nordrhein-Westfalen zu finden, um so ein paar der Produktionen dennoch zu zeigen.

Ich möchte mich bei allen Mitarbeiter*innen und Kolleg*innen der Ruhrtriennale, Künstler*innen und künstlerischen Partner*innen dieses Programms für ihr Vertrauen und ihre kreative Bereitschaft und Offenheit bedanken.“

Die Ruhrtriennale – das Festival der Künste lädt jedes Jahr zeitgenössische Künstler*innen ein, die monumentale Industriearchitektur der Metropole Ruhr zu bespielen. Hallen, Kokereien, Maschinenhäuser, Halden und Brachen des Bergbaus und der Stahlindustrie verwandeln sich jedes Jahr in beeindruckende Spielorte für Kunst an den Schnittstellen von Musiktheater, Schauspiel, Tanz, Performance und Bildender Kunst und machen die Ruhrtriennale zu einem weltweit einzigartigen Festival. Die Programmausrichtung wird maßgeblich von der Intendanz bestimmt, die alle drei Jahre neu berufen wird. Die Intendantin der Festivalausgabe von 2018 – 2020 ist Stefanie Carp. Die diesjährige Ruhrtriennale hätten vom 14. August bis 20. September stattgefunden.
Kultur Ruhr GmbH
Fotos: JU (2), Daniel Sadrowski (1)

 

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