Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen zeigt Otfried Preußler

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Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler:
die Helden der Kindheit

Von Petra Grünendahl

Das Plakat zur Otfried-Preußler-Ausstellung.
„An die Geschichten von Otfried Preußler erinnern sich die Menschen ganz stark über die Bilder“, erzählte Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt. Und: „Ich hätte nicht gedacht, dass es eine so vielfältige Ausstellung sein würde“, bedankte sie sich bei Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink, die das komplette Werk des Autors für die Ausstellung wissenschaftlich aufbereitet hatte. Preußler erzählte alte Geschichten und Sagen, wie er sie aus Kindertagen kannte, neu, verändert und schuf unverwechselbare Figuren, denen Zeichner die optische Persönlichkeit gaben. Preußler wollte Kindern Ängste nehmen und schuf damit zum Beispiel die gute Hexe und den gutmütigen Räuber. Jeder kennt sie: „Mehrere Generationen sind mit diesen Figuren aufgewachsen – bis in die heutige Zeit“, erklärte Verlegerin Bärbel Dorweiler. „Illustrationen finden als angewandte Kunst selten den Weg ins Museum. Umso wichtiger ist mir hier auch die wissenschaftliche Aufarbeitung der Werke“, erzählte Christine Vogt, die betonte, dass die Ludwiggalerie trotz vieler Ausstellungen im grafischen Bereich kein Kindermuseum sei.

 

Stellten die Ausstellung vor (v. l.): Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink, Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt und Verlegerin Bärbel Dorweiler. Foto: Petra Grünendahl.
Otfried Preußler (1923–2013) gehört zu den bedeutendsten und einflussreichsten Kinder- und Jugendbuchautoren des deutschsprachigen Raums. Mit Geschichten wie „Der Räuber Hotzenplotz“, „Die kleine Hexe“ und „Das kleine Gespenst“ hat der Autor seit den 1950er-Jahren Figuren erschaffen, die bis heute aus den Kinderzimmern dieser Welt nicht mehr wegzudenken sind. Mit „Otfried Preußler – Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler“ präsentiert die Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen nun erstmals eine Aufarbeitung von Otfried Preußlers Gesamtwerk. Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt stellte zusammen mit Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink, Verlegerin Bärbel Dorweiler (Thienemann-Esslinger Verlag), Dezernent Apostolos Tsalastras und Gestalter Uwe Eichholz die Ausstellung vor. „Ich bin froh, dass wir zumindest in einem gewissen Rahmen wieder Kunst präsentieren können”, sagte Apostolos Tsalastras, Oberhausens Dezernent für Kultur und Finanzen. Immerhin ist das jetzt die dritte Ausstellung in der Ludwiggalerie, die seit dem Ende des Corona-Lockdowns möglich gemacht wurde.

Grafik: Daniel Napp: Das kleine Gespenst.
Mit zahlreichen Zeichnern arbeitete Preußler in seiner langen Schaffenszeit zusammen. Diese illustrieren nicht nur seine Geschichten, sondern erwecken die Figuren zum Leben und schufen ihre eigenen unverwechselbaren Charaktere. Die Zeichner konnten relativ frei arbeiten, ihre Figuren optisch entwickeln, jedoch immer im Dialog mit dem Autor. Viele originale Tuschezeichnungen und Illustrationen stellte der Thienemann-Esslinger Verlag, der die Rechte am Werk Otfried Preußlers besitzt, aus seinem Archiv bereit. Darüber hinaus steuerten auch die Familie (Nachlass), Zeichner und Illustratoren ihr Material für diese einzigartige Schau bereit.

 

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Alte und neue Bildsprache

Grafik: Mathias Weber koloriert Winnie Gebhardts Die kleine Hexe.
Besonders bekannt sind die Illustrationen von F. J. Tripp, die dem Räuber Hotzenplotz sein markantes Äußeres verleihen. Die holzschnitthaften Sepia-Zeichnungen, die Herbert Holzing für Krabat erschafft, bleiben über zahlreiche Auflagen hinweg bestehen. Das unverwechselbare Aussehen der kleinen Hexe, aber auch des kleinen Wassermanns, ist der Künstlerin Winnie Gebhardt zu verdanken. Mehr als 50 ihrer originalen Tuschezeichnungen stellt der Thienemann-Esslinger Verlag eigens für die Ausstellung bereit.

Die Neuillustrationen der Klassiker durch Daniel Napp, Thorsten Saleina und Annette Swoboda sind in der umfangreichen Schau genauso vertreten wie die frühen Zeichnungen. Indem die Präsentation nahezu alle Protagonisten Preußlers vorstellt, unterstreicht sie die immense Bandbreite seines Schaffens. Zum ersten Mal beleuchtet damit eine Ausstellung grundlegend die Illustratoren, die den Büchern durch ihre eindringlichen Bilder zu großem Erfolg verholfen haben. Auch selten gezeigte Originalzeichnungen zu Hörbe, die Otfried Preußler selbst angefertigt hat, sind zu sehen.

 

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Räuber Hotzenplotz, Krabat und Die kleine Hexe

Christiane Hansen: Das Eselchen und der kleine Engel. Foto: Petra Grünendahl.
Die Ausstellung reicht von klassischen Bilderbüchern, Geschichtensammlungen und traditionelle Sagen bis hin zu fantastischen Erzählungen. Dabei können Besucher den gesamten Preußler-Kosmos kennen lernen. Dazu gehören auch Charaktere wie die dumme Augustine, Tella, die Schildbürger und Wanja sowie einige der weniger bekannten Protagonisten. Über drei Etagen hinweg sind Otfried Preußlers Geschichten in unterschiedlichen Formaten wissenschaftlich aufarbeitet präsentiert, damit große und kleine Besucher beim Betrachten der Bilder in phantastische Welten eintauchen können.

Otfried Preußler erfreut sich bis heute großer Beliebtheit bei Groß und Klein: „Wir haben die Bücher mit den einfachen Tuschezeichnungen ebenso im Programm wie die kolorierten Ausgaben, die den heutigen Sehgewohnheiten der Kinder entsprechen“, erzählte die Verlegerin. Viele von Preußlers Geschichten wurden auch in andere Medien übertragen: Hörbücher, Theateradaptionen, Filme und Spiele zeugen von der immensen Beliebtheit der jeweiligen Werke, die bis heute Groß und Klein begeistern. Über 300 originale Zeichnungen sowie Filmrequisiten, Buchausgaben und Fotografien ermöglichen erstmals einen umfangreichen Überblick über das Wirken Otfried Preußlers und seiner Illustratoren. Insgesamt schrieb er 35 Bücher, die in mehr als 50 Sprachen übersetzt mit einer Gesamtauflage von über 50 Mio. Exemplaren weltweit bis heute begeistern.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der Otfried Preußler als Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler ebenso vorstellt wie die bedeutendsten Zeichner seiner Figuren. Das reich bebilderte 160-seitige Werk wird herausgegeben von Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt und Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink. Für 29,80 Euro ist es an der Museumskasse ebenso zu erwerben wie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-932236-44-0).

Den Flyer zur Ausstellung gibt es hier zum Download.

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Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl.

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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen

Handpuppen aus „Räuber Hotzenplotz“ . Foto: Petra Grünendahl.
Die Sonderausstellung läuft bis zum 17. Januar 2021. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8 Euro (ermäßigt 4 Euro, Familien 12 Euro). Corona-bedingt gilt eine Besucherobergrenze: Im Großen Schloss (Otfried Preußler) von 80 Personen, in der Panoramagalerie im Kleinen Schloss (Dieter Nuhr und Bahar Batvand) finden 35 Leute Platz. Bei einer weiteren Lockerung der Einschränkungen könnte diese Zahl aber wieder steigen.

Führungen können aufgrund des Coronavirus zurzeit nur mit maximal 10 Personen stattfinden. Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss onst sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zudem gibt es Kuratorenführungen (mit Linda Schmitz-Kleinreesink, am 25. Oktober, 15. November, 13. Dezember und 10. Januar, jeweils um 15 Uhr) und Direktorenführungen mit Dr. Christine Vogt (23. September und 11. November, jeweils um 16 Uhr). Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum Museumspädagogischen Angebot gibt es https://ludwiggalerie.de/de/ausstellungen/programm/. Die Ausstellung eröffnet am Samstag, 12. September 2020, um 19 Uhr.

In der Panoramagalerie im Kleinen Schloss zeigt die Ludwiggalerie noch bis zum 13. September das Projekt „Parallel“ des Kunstvereins Oberhausen mit Werken von Bahar Batvand und Dieter Nuhr. Diese Ausstellung haben wir bereits besucht. Im Kleinen Schloss ist der Eintritt frei.

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Die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: www.ludwiggalerie.de.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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