ProDuisburg erkundete die Baustelle am Karl-Lehr-Brückenzug

Ab 2023 geht es über den neuen Brückenzug, Abriss der alten Brücken bis 2025
Von Petra Grünendahl

Uwe Linsen, Vorstand der Wirtschaftsbetriebe Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.
Wer über den Karl-Lehr-Brückenzug Richtung Kaßlerfeld fährt, sieht immer deutlicher, was neben der Straße entsteht: Auf der Vormontagefläche direkt am baustelleneigenen Anlieger an der Ruhr setzen Arbeiter die vorgefertigt angelieferten Brückenteile zusammen. Sie verschweißen die schweren Stahlelemente zu den Brücken, die bis 2023 fertig ausgebaut eine Umgehung der alten Brücken über Hafenkanal und Ruhr ermöglichen sollen.
Karl-Lehr-Brückenzug mit Bauabschnitten in der Luftansicht. Foto: Petra Grünendahl.
„Wir liegen gut im Zeitplan“, so Uwe Linsen, Vorstand der Wirtschaftsbetriebe Duisburg, die dieses Projekt für die Stadt Duisburg realisieren. 2023 endet die Lebenszeit der Brücken, von denen eine, ein Stück der ehemaligen Hohenzollernbrücke aus Köln aus dem Jahr 1910, nach dem Krieg nach Duisburg kam. An Land würden die beiden neuen Brücken komplett vormontiert, asphaltiert und mit Schienensträngen bestückt, so Linsen, bevor sie dann parallel zu den alten Brücken in Stellung gebracht würden. Sobald die Umgehung verkehrstauglich angeschlossen ist, können die Wirtschaftsbetriebe dann die alten Brücken abreißen lassen.

 

Projektleiter Arthur Brakowski zeigte ProDuisburgern die Baustelle am Karl-Lehr-Brückenzug. Foto: Petra Grünendahl.
Auf Einladung der Wirtschaftsbetriebe Duisburg (WBD) durften sich Mitglieder der bürgerschaftlichen Vereinigung ProDuisburg auf einer geführten Tour die Baustelle ansehen. WBD-Vorstand Uwe Linsen und Projektleiter Arthur Brakowski führten die ProDuisburger in zwei Gruppen über das Areal und erklärten die Einzelheiten des zweiten Bauabschnitts. An einer eigenen Spundwand am Ruhrufer kommen die jeweils bis zu 80 Tonnen schweren Einzelteile per Binnenschiff an. Vormontiert wird auf einer künstlich aufgeschütteten und befestigten Fläche.
Karl-Lehr-Brückenzug: Schematische Zeichnung. Foto: Petra Grünendahl.
Die beiden Brücken werden nach Vollendung der Montage mit Asphalt und Straßenbahnschienen in einem weiteren Schritt mit einem Ponton parallel zu den bisherigen Brücken eingeschwommen und für eine provisorische Umfahrung an die bestehende Straßenführung angeschlossen, damit die alten Brücke außer Betrieb genommen werden können. Nach Abriss der beiden Brücken erfolgt ein Querverschub in die Endlage.

 

Über die Ruhr (rechts) führt noch ein Stück der Hohenzollernbrücke, links im Bild eine Stahlfachwerkbrücke, die nach dem Krieg neu gebaut worden ist. Foto: Petra Grünendahl.
Zu den alten Brücken zählt neben den Brücken über Ruhr und Hafenkanal auch die Brücke über den alten Kaiserhafen, der in den 1990er-Jahren hochwasserfest zugeschüttet worden war und heute für Logistik genutzt wird. Hier entsteht ein Damm für den Straßenverlauf, da eine Brücke nicht mehr notwendig ist.

 

 
Auf modernste Anforderungen zugeschnitten

Links entsteht das Lager für die Brücke, die Spundwand rechts (hinten) dient als Anlieger für Schiffslieferungen von Bauelementen. Foto: Petra Grünendahl.
Ausgelegt sind die neuen Brücken auf eine Lebensdauer von 100 Jahren für eine maximale Traglast nach den heute neuesten europäischen Normen. Sollten sich diese ändern und die Beanspruchung steigen, gehe dies natürlich zu Lasten der Lebensdauer, erklärte der Projektleiter auf der Tour. Die neuen Brücken mit ihren ca. 34 Metern Breite sind ca. 12 Meter breiter als die bisherigen, da die Straßenbahn eine eigene Spur bekommt.
Bau der Umschalung, in die der Beton für das Brückenlager eingegossen wird. Foto: Petra Grünendahl.
Man sieht dies schon am Neubau im ersten Bauabschnitt (Straße und Brücke über den Vinckekanal): Mittig zwei Spuren für die Straßenbahn in einem eigenen Gleisbett, daneben jeweils zwei Fahrspuren für den Autoverkehr, ein Rad- und ein Fußweg auf jeder Seite. Die Brücke über die Ruhr wird im Endausbau 182 Meter lang sein, die Brücke über den Hafenkanal 125 Meter. „Die fertigen Brücken haben ein Gewicht von 4.500 bzw. 4.000 Tonnen“, erzählte Bauingenieur Brakowski. Im Gegensatz zum ersten Bauabschnitt, wo eine Behelfsbrücke als Umfahrung diente, gehen hier gleich die finalen Bauwerke in Betrieb, wenn auch erst einmal nur als Umleitung, bis die alten Brücken abgerissen sind. Abgeschlossen wird der zweite Bauabschnitt nach dem Brückenverschub mit der Neugestaltung des Knotenpunktes am Kaßlerfelder Verteilerkreis 2025.

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ProDuisburg

Der hintere Teil der Brücke (rechts im Bild) ist schon fertig, vorne ist sie in Arbeit, bis sie auf ihre endgültige Länge zusammen montiert ist. Foto: Petra Grünendahl.
Die bürgerschaftliche Vereinigung ProDuisburg e. V. wurde 1910 vom damaligen Oberbürgermeister Karl Lehr zusammen mit Duisburger Unternehmern als Verkehrsverein gegründet. Der Verein hat derzeit über 400 Mitglieder und versteht sich als „erster Fanclub“ der Stadt Duisburg.
Ein Brückenelement in fast kompletter Fahrbahnbreite. Foto: Petra Grünendahl.
Zu den Mitgliedern zählen große Unternehmen wie die König-Brauerei (eines der Gründungsmitglieder), die Sparkasse, die Volksbank oder Haniel sowie Einzelpersonen, die mit ihrem Engagement die Stadt unterstützen. ProDuisburg gibt unter anderem in Zusammenarbeit mit dem DuisburgKontor einen jährlichen Foto-Kalender heraus. Jährlich verleiht ProDuisburg zudem den Kaisermünzenpreis an Personen oder Unternehmen für besondere Verdienste zum die Stadt. Weitere Infos unter www.produisburg.de.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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