Solwodi appelliert: „Afghanische Frauen und Mädchen brauchen unsere Unterstützung“

Schulmädchen in Afghanistan. Foto: WikiImages / pixabay.
Die Frauenhilfsorganisation SOLWODI Deutschland e.V. plädiert dafür, afghanischen Frauen und Kindern einen sicheren Aufenthaltsstatus in Deutschland zu gewähren. Eine Rückkehr nach Afghanistan erscheint für diese vulnerable Zielgruppe ausgeschlossen.

SOLWODI hat im vergangenen Jahr bereits 79 Frauen aus Afghanistan betreut. Sie berichten, wie ihnen seit 2014 mit dem Abzug der internationalen Truppen sukzessive die Frauenrechte entzogen wurden: Bedrohungen auf dem Weg zur Schule, Frühehen und Berufsverbote waren ebenso an der Tagesordnung wie die Zunahme innerfamiliärer Konflikte. Laut einer Studie von UNIFEM (Entwicklungsfond der UN für Frauen) sind 87 Prozent aller Frauen in Afghanistan Gewalt in der Familie ausgesetzt. Verwandte weigern sich häufig, eine Frau in einer derartigen Lage zu unterstützen, weil sie Konflikte oder gesellschaftliche Ächtung befürchten. Von der Polizei können die Frauen auch keine Unterstützung erwarten. Häufig bringt sie geflohene Frauen in die
Familien zurück, inhaftiert sie oder bedroht die Frauenselbst.
Durch die Machtübernahme der Taliban drohen nun jegliche noch vorhandene Frauenrechte zerstört zu werden. Politikerinnen, Richterinnen, Lehrerinnen, Journalistinnen, Frauenrechtlerinnen und Mitarbeiterinnen in Hilfsorganisationen, die sich für eine Verbesserung der Lebenswirklichkeit der Frauen in Afghanistan eingesetzt haben, sind hochgefährdet. SOLWODI fordert die Bundesregierung auf, diese akut bedrohte Personengruppe über eine sichere Luftbrücke außer Landes zu bringen.

Kämpfer in Afghanistan. Foto Sohaib Ghyasi / unsplash.
Zudem appelliert SOLWODI an die jetzige und an die zukünftige Bundesregierung, auf die Machthaber in Afghanistan einzuwirken, damit die Rechte von Frauen und Mädchen geachtet und insbesondere der Schulbesuch und die Berufsausübung gewährleistet werden. Gewalt an Frauen und Mädchen muss geächtet und bestraft werden und für die Betroffenen Schutzmöglichkeiten im Land selbst geschaffen werden.

SOLWODI-Vorsitzende Dr. Maria Decker: „Die bevorstehende Bundestagswahl darf nicht auf dem Rücken der afghanischen Frauen ausgetragen werden. Sie brauchen unsere uneingeschränkte Solidarität, dazu zählen ein sicherer Aufenthalt in Deutschland, Zugang zu traumasensiblen Beratungs- und Unterstützungsangeboten durch spezialisierte Fachberatungsstellen und eine Unterbringung in Schutzhäusern, wo sie das Erlebte verarbeiten können.“

Angesichts der seit Wochen wieder steigenden Klientinnenzahlen nach Beendigung des Lockdowns ist eine Erhöhung der Personal-und Belegungsschlüssel unausweichlich. SOLWODI fordert von der Politik eine höhere Förderung der Fachberatungsstellen und einen Ausbau der Kapazitäten in Schutzhäusern. Qualifizierte Hilfe, eine ressourcenorientierte und kultursensible Beratung sind notwendig, um gemeinsam mit den Frauen neue Perspektiven zu entwickeln.

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SOLWODI
SOLWODI setzt sich für die Rechte von ausländischen Frauen in Deutschland ein, die Not und Gewalt erfahren haben, seien es Opfer von Menschenhandel, sexueller Ausbeutung und Prostitution, Zwangsheirat oder sonstiger Gewalt. Die betroffenen Frauen werden von erfahrenen Sozialarbeiterinnen begleitet. Wir bieten psychosoziale Betreuung, organisieren medizinische oder juristische Unterstützung, helfen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche oder vermitteln Deutschkurse und berufsqualifizierende Maßnahmen. Die Betreuung ist immer auf die spezifischen Bedürfnisse und individuelle Situation der jeweiligen Klientin und ihrer Kinder ausgerichtet.

SOLWODI steht für SOLidarity with WOmen in DIstress (Solidarität mit Frauen in Not). Der Verein ist in Deutschland als gemeinnützig anerkannt und arbeitet unabhängig und überkonfessionell. Bundesweit ist SOLWODI mit 19 Fachberatungsstellen und sieben Schutzeinrichtungen für Frauen und Kinder in Not vertreten. SOLWODI ist für seine Arbeit auf Spenden angewiesen: Landesbank Saar, IBAN: DE 84 5905 0000 0020 0099 99.
SOLWODI Deutschland e.V.
Fotos: Sohaib Ghyasi / unsplash (1), WikiImages / pixabay (1)

 

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