Lehmbruck Museum in Duisburg gibt „Buchsbaumgarten” von Emil Nolde zurück

Restitution des Gemäldes „Buchsbaumgarten” (1909) von Emil Nolde

Das Gemälde „Buchsbaumgarten” (1909) von Emil Nolde. Foto: Bernd Kirtz.
Die Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum hat das Gemälde „Buchsbaumgarten“ von Emil Nolde an die Erben der ehemaligen Besitzer zurückgegeben. Im Zuge der Restitution soll das Gemälde in der Jahresendauktion vom 9. bis 11. Dezember 2021 in München bei Ketterer-Kunst zum Aufruf kommen.

Die Stadt Duisburg hatte das von Emil Nolde 1909 geschaffene Ölgemälde „Buchsbaumgarten“ 1956 für die Sammlung des städtischen Kunstmuseums erworben. 1999 stellten die Erben des 1934 verstorbenen Breslauer Anwalts und Kunstsammlers Ismar Littmann erstmals ein Rückgabegesuch an das Lehmbruck Museum in Duisburg, in dessen Sammlung das Werk mittlerweile übergegangen war. Im Dezember 2019 beschloss das Kuratorium der Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, dem Gesuch stattzugeben. Damit restituiert das Museum zum zweiten Mal in seiner Geschichte und in der Amtszeit der Direktorin Dr. Söke Dinkla ein Kunstwerk aus seiner Sammlung nach den Maßgaben der sog. Washingtoner Erklärung.

Entscheidend für die Rückgabe ist die historische Erkenntnis, dass Ismar Littmann, seine Witwe und seine vier Kinder nach dem 30. Januar 1933 aufgrund ihrer jüdischen Abstammung vom nationalsozialistischen Deutschland rassisch verfolgt wurden und deshalb ihre Kunstsammlung, einschließlich des Gemäldes „Buchsbaumgarten“ von Emil Nolde, verfolgungsbedingt veräußern mussten. Das Gemälde war nach dem Tod Ismar Littmanns am 23. September 1934 zusammen mit einer Reihe anderer Kunstwerke bei dem Auktionshaus Max Perl zur Versteigerung am 26.-27. Febraur 1935 eingeliefert worden. Während eine Reihe der eingelieferten Werke von der Gestapo aus der Versteigerung als „entartete Kunst“ herausgenommen wurden, wurde das Gemälde „Buchsbaumgarten“ für 350 RM – einem Wert unter dem vereinbarten Mindestpreis – veräußert. Der Erwerber verkaufte das Gemälde 1956 über Vermittlung durch den Kunsthandel an die Stadt Duisburg.

Für Sören Link, Duisburgs Oberbürgermeister und Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, ist die Restitution folgerichtig: „So schwer der Schritt ist, ein sehr wertvolles und beim Publikum überaus beliebtes Werk nicht mehr im Museum zeigen zu können, es ist wichtig und richtig, vergangenes Unrecht anzuerkennen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen.“

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„Mit der Restitution,“ so Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla, „setzt das Lehmbruck Museum ein Zeichen dafür, dass es seiner historischen Verantwortung gerecht wird. Ich bedanke mich beim Kuratorium der Stiftung, dass wir damit den Grundsätzen der Washingtoner Erklärung zur Auffindung und Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz, folgen können“.

 
Das Lehmbruck Museum
Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.
Lehmbruck Museum
Foto: Bernd Kirtz

 

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