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Lehmbruck Museum zeigt Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger 2020: Janet Cardiff & George Bures Miller

Vielschichtige Wahrnehmungen in mehreren Dimensionen
Von Petra Grünendahl

Sad Waltz and the Dancer Who Couldn’t Dance (2015): Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger Janet Cardiff und George Bures Miller im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Wie versucht man, diese Ausstellung in Worten und Bildern dem Leser nahe zu bringen? Die Fotos transportieren nur eine sehr bescheidene einzelne Dimension ihrer Werke: Die Kanadier Janet Cardiff (*1957) und George Bures Miller (*1960) arbeiten nicht nur visuell, sondern auch mit Klang und Narrativ. Ihre multimedialen Installationen sind Bildhauerei im weitesten Sinne: Ihre „Skulpturen“ leben, sprechen unsere Sinne an, erzählen mitunter Geschichten – und lassen eigene Ideen, Gedankenwelten und Interpretationen in den Vorstellungen des jeweiligen Betrachters entstehen. Auch gefilmt sind diese Arbeiten kaum zu erfassen, arbeiten sie doch mit einem besonderen „Surround Sound“, den Cardiff und Miller perfektioniert haben und der integraler Bestandteil ist: In zumeist dunklen Rauminstallationen mit wechselnden Farbenspielen umgibt den Besucher auch eine reiche Klangwelt. So meint man beim Forty-Part Motet (2001), von einem vielstimmigen Chor im wahrsten Sinne des Wortes „umgeben“ zu sein oder im Paradise Institute (2001) in einem Kino mit anderen Zuschauern zu sitzen. Andere Installationen bieten wie bei einem Wimmelbild unzählige kleine Details zum Entdecken. Die Ausstellung macht Arbeiten aus den letzten 20 Jahren erlebbar. Zum ersten Mal in Europa zeigt das Lehmbruck Museum das neueste Werk von Cardiff und Miller, den Escape Room (2021), den Besucher mit ihren Bewegungen „zum Leben” erwecken können.

 

Opera for a Small Room (2005): Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger Janet Cardiff und George Bures Miller im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla stellte zusammen mit den Künstlern Janet Cardiff und George Bures Miller die Sonderausstellung vor. Bereits 2020 war den beiden kanadischen Künstlern der renommierte Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). „Unter den bisherigen Preisträgern sind viele Künstler, die wir bewundern und die uns inspirieren“, erklärte George Bures Miller. Corona-bedingt konnte die mit dem Preis verbundene Ausstellung erst jetzt in diesem Rahmen realisiert werden. Der Aufbau der sehr aufwändigen Installationen sei nur dank des engagierten Museums-Teams möglich gewesen, freute sich das kanadische Künstler-Ehepaar. Zu sehen sind die Arbeiten in den Wechselausstellungsräumen im Anbau und mit Einzelexponaten (z. B. die Telefon-Serie Dreams, 2008-2010) an verschiedenen Stellen in der Sammlung sowie im Untergeschoss, wo auch der Escape Room eingerichtet wurde. Für die eigene Sammlung erworben hat das Lehmbruck Museum das Werk „Sad Waltz and the Dancer Who Couldn’t Dance“ (2015), welches aktuell im Übergang zum ersten Dreiecksraum im Anbau aufgebaut ist. Die Ausstellung wird am Samstagnachmittag mit geladenen Gästen eröffnet und ist ab Sonntag öffentlich zugänglich.

 
Impressionen: Janet Cardiff & George Bures Miller im Lehmbruck Museum. Fotos: Petra Grünendahl.

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Der Katalog zur Ausstellung

Escape Room (2021): Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger Janet Cardiff und George Bures Miller im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit Texten (deutsch/englisch) von Dr. Söke Dinkla, Dr. Stefan Trinks und Ronja Friedrichs, 168 Seiten, im Wienand Verlag. Über abgedruckte QR-Codes sind Videos und Audiodateien der in der Ausstellung präsentierten Werke abrufbar. In zahlreichen Statements berichten Weggefährten von Janet Cardiff und George Bures Miller, unter ihnen Kasper König, Carolyn Christov-Bakargiev und Dr. Söke Dinkla, von persönlichen Begegnungen und gemeinsamen Projekten und zeichnen auf diese Weise sehr anschaulich und persönlich wichtige Etappen im Leben des Künstlerpaares nach. Der Katalog ist zum Preis von 24,90 Euro an der Museumskasse und für 28 Euro im Buchhandel (ISBN 978-3-86832-693-2) erhältlich.

 

 
Die Künstler

Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger Janet Cardiff und George Bures Miller im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Janet Cardiff, geboren 1957 in Brussels, Kanada, studierte Bildende Kunst an der Queen’s University in Kingston, Ontario, und an der Universität von Alberta, Edmonton, wo sie George Bures Miller kennenlernte. Miller, geboren 1960 in Vegreville, Kanada, hatte zuvor bereits Photo Electric Arts an der Universität für Kunst und Design, Ontario, studiert. Seit den 1990er-Jahren arbeiten Cardiff und Miller zusammen und haben gemeinsam über 30 großen Installationen, 28 Walks und diversen kleineren Arbeiten geschaffen. Sie leben und arbeiten in Berlin und in Grindrod, Britisch-Columbia (Kanada). Internationale Bekanntheit erlangten sie insbesondere seit dem Jahr 2001, in dem sie für ihre Arbeit The Paradise Institute mit dem Goldenen Löwen der 49. Biennale in Venedig ausgezeichnet wurden. Nur wenige Künstler haben sich Räumen und Orten mit einer so großen Imaginationskraft genähert wie Janet Cardiff und George Bures Miller.

 
Werke von Cardiff und Miller befinden sich in Sammlungen bedeutender Museen weltweit. 2011 erhielt das kanadische Künstlerpaar den Käthe-Kollwitz-Preis. 2020 wurden Cardiff und Miller mit dem Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) für ihren herausragenden Beitrag zur Entwicklung der Skulptur der Gegenwart geehrt.

 
The Killing Machine von Janet Cardiff & George Bures Miller. Fotos: Petra Grünendahl.

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Das Lehmbruck Museum

Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.
Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

 
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.

 

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Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Die Sonderausstellung der Lehmbruck-Preisträger von 2020 ist unter anderem in den Wechselausstellungsräumen im Anbau zu sehen bis zum 14. August 2022. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Zu den Highlights zählt hier mit Sicherheit das Künstlergespräch am Sonntag, 27. März, um 14 Uhr, sowie die Kuratorinnenführungen am Sonntag, 1. Mai, mit Ronja Friedrich sowie am Sonntag, 12. Juni, mit Dr. Söke Dinkla. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.

 
Nach der aktuellen Corona-Lage gelten folgende Regelungen: Die 3G-Regel erlaubt Zutritt nur für Geimpfte, Genesene und Getestete (Testergebnis nicht älter als 24 Stunden). Das Tragen einer FFP2-Maske ist weiterhin obligatorisch. Für Führungen und Veranstaltungen aus dem Rahmenprogramm sind Anmeldungen erforderlich. Die Veranstaltungen finden vorbehaltlich eventueller Veränderungen aufgrund der Corona-Pandemie statt. Aktuelle Informationen gibt es hier .

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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