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MKM Museum Küppersmühle in Duisburg zeigt Sigmar Polkes Zyklus „Kunst + Fälschung“

Vom Kunstdiebstahl über die Fälschung zur Originalität der Kunst
Von Petra Grünendahl

Walter Smerling stellte Sigmar Polkes „Original + Fälschung“ im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst vor. Foto: Petra Grünendahl.
Der Diebstahl eines Rembrandt-Gemäldes und eine Interpol-Liste gestohlener Meisterwerke, nach denen Anfang der 1970er-Jahre gesucht wurde, provozierten Sigmar Polkes (1941–2010) Auseinandersetzung mit den Themenfeldern Original, Diebstahl und Fälschung. Die Steckbriefe diensten als Vorlage für Polkes Gemälde: Unter Mitarbeit von Achim Duchow interpretierte er neun wertvolle kanonische Gemälde u. a. von Toulouse-Lautrec, Rembrandt oder Rubens neu und abstrahierte sie. Diese und weitere großformatige teilweise auch ältere Werke von Polke sind begleitet von kleineren, collagenartigen Kommentarbildern, die mit zusätzlichem Text- und Bildmaterial, Skizzen und Zeitungsausschnitten vielfältige Assoziationsräume eröffnen. „Seine als Fälschung deklarierten Originale stiften Unruhe, schärfen die Wahrnehmung und schaffen Distanz vom gewohnten Sehen“, resümierte die Polke-Autorin Anne Erfle im Sammlungskatalog zur Eröffnung der Küppersmühle 1999.

 

Walter Smerling stellte Sigmar Polkes „Original + Fälschung“ im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst vor. Foto: Petra Grünendahl.
Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst hat den Oberlichtsaal im obersten Stockwerk des Erweiterungsbaus mit Werken aus der Sammlung neu bestückt. Der 38-teilige Gemäldezyklus „Original + Fälschung“ von Sigmar Polke ist damit erstmals nach zwanzig Jahren wieder komplett im MKM zu sehen. Dieses zu den Schlüsselwerken zählende Werk des Künstlers wurde 1973 im Rahmen einer Rauminstallation im Westfälischen Kunstverein Münster präsentiert. „Zur Sammlung von Sylvia und Ulrich Ströher gehören mehr Kunstwerke als wir hier auf einmal zeigen können“, erklärte Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling bei der Vorstellung der Schau. „Deswegen arrangieren wir auch die Räume der Dauerausstellung immer mal wieder neu.“ Der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe hatte Sigmar Polkes Werke Mitte der 1970er-Jahre für seine Sammlung erworben. Mitte der 2000er-Jahre erwarb das Kunstsammlerehepaar Sylvia und Ulrich Ströher seine Sammlung: „Obwohl der Verkauf der Sammlung damals kritisiert wurde, war er für Duisburg, NRW und Deutschland ein Glücksfall“, sagte der Museumsdirektor. Die komplette Übernahme habe garantiert, dass die Sammlung erhalten und zusammen blieb. Davon profitierte nicht zuletzt die deutsche Kunstlandschaft mit einer der wichtigsten Sammlungen deutscher Nachkriegskunst, die im Duisburger Innenhafen zu Hause ist.

 

 
Der Künstler Sigmar Polke

Steckbriefe und Gemälde: Sigmar Polkes „Original + Fälschung“ im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.
Sigmar Polke wurde am 13. Februar 1941 in Oels, Schlesien, geboren. 1945 floh die Familie nach Thüringen und siedelte im Jahr 1953 nach Düsseldorf über. Nach einer Glasmaler-Lehre bei der Firma Derix in Düsseldorf−Kaiserswerth (1959 bis 1961) folgte das Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf (1961 bis 1967) in den Klassen von Gerhard Hoehme und Karl Otto Götz. In diese Zeit fielen die ersten Ausstellungen (1963 Gruppenausstellung mit Gerhard Richter, Manfred Kuttner und Konrad Lueg in Düsseldorf, 1966 die erste Einzelausstellung in Berlin). Neben seinem künstlerischen Schaffen lehrte Polke an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (1970/71; ab 1977 als Professor) und unternahm ausgedehnte Reisen, u. a. nach Afghanistan und Pakistan (1974) sowie Indonesien, Papua−Neuguinea, Australien, Singapur, Malaysia und Thailand (1980/81). Seit 1978 lebte und arbeitete Sigmar Polke in Köln, wo er am 10. Juni 2010 verstarb. Sein Werk wurde in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland präsentiert, in einer Vielzahl von Publikationen gewürdigt und vielfach ausgezeichnet. Arbeiten von Sigmar Polke sind in zahlreichen Museen und Privatsammlungen weltweit vertreten.

 

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Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.
Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im Jahre 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2004/2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Nachkriegskunst: Mit Werken und Werkgruppen der einflussreichsten deutschen Künstler von den 1950er-Jahren bis heute. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau (ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen) geplant, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung (Baubeginn war 2016): Der Erweiterungsbau wurde im September 2021 eröffnet.

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Das MKM Museum Küppersmühle als Standort der Sammlung Grothe wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die umfangreiche Sammlung, die heute dem Ehepaar Ströher aus Darmstadt gehört, im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling.

 

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Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

Raimund Girke im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.
Aktuell ist in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss des Altbaus noch bis zum 26. Juni 2022 „Raimund Girke – Klang der Stille“ zu sehen (hier unser Bericht). Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro (ermäßigt 3 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 12 Euro (ermäßigt 6 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 18 Euro für das ganze Haus, 10 Euro für Wechselausstellungen. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.

 

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.
Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Wieder aufleben lassen will das MKM die Veranstaltungsreihe „Kultur trifft“: Am Donnerstag, 12. Mai, um 18.30 Uhr heißt es „Kultur trifft … Fälschung“. Walter Smerling moderiert Vortrag und Gespräch mit dem Kunsthistoriker Hubertus Butin zum Thema „Von Albrecht Dürer bis Sigmar Polke: Künstler und Fälschungen – ein spezielles Verhältnis“. Die Teilnahme kostet 10 Euro (inkl. Museumseintritt), eine Anmeldung ist nötig (Anmeldung an office(at)musuem-kueppersmuehle.de). Weitere Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de). Hier findet man zu Corona-Maßnahmen.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

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