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Spatenstich am Duisburger Hauptbahnhof: Deutsche Bahn baut eine neue Gleishalle

Die „Welle“ erfüllt Anforderungen einer zukunftsfähigen Verkehrsinfrastruktur
Von Petra Grünendahl

Duisburgs Bahnhofs-Manager Klaus Oberheim. Foto: Petra Grünendahl.
„Für mich und mein Team ist dies ein großer Moment“, erklärte Duisburgs Bahnhofs-Manager Klaus Oberheim. „In wenigen Jahren werden wir hier den schönsten Bahnhof Deutschlands haben.“ – „Nachdem wir auf mehrere Ausschreibungen keine Baufirmen gefunden hatten, wäre der Neubau natürlich in einem Baukastensystem möglich gewesen, aber wir wollten kein 08/15“, erzählte Werner J. Lübberink, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für das Land NRW.
Werner J. Lübberink (Konzern bevollmächtigter der DB für das Land NRW). Foto: Petra Grünendahl.
Das Warten habe sich gelohnt: Die Verkehrsinfrastruktur an einer der am dichtesten befahrenen Bahnstrecken würde jetzt zukunftsfähig aufgestellt, um die Menschen von der Schiene zu überzeugen und die Verkehrswende voranzutreiben, so Lübberink. „Wir wollen das Verkehrssystem Schiene auf neue Beine stellen“, sagte auch Susanne Henckel, Staatssekretärin im Bundesministerium für Digitales und Verkehr. Sie lobte das mutige Konzept als architektonisches Highlight: „Dieser Bahnhof ist ein Projekt für die Zukunft, welches der Bund gerne unterstützt.“

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Der symbolische „Spatenstich“ als Startschuss (v. l.): Werner J. Lübberink (Konzern bevollmächtigter der DB für das Land NRW), Gabriele Matz (Vorstandssprecherin des VRR), Susanne Henckel (Staatssekretärin im Bundesministerium für Digitales und Verkehr) und Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.
Nachdem die Arbeiten schon vor über zwei Wochen begonnen hatten, wurde nun der symbolische erste Spatenstich am Duisburger Hauptbahnhof groß gefeiert. Schließlich hatte Duisburg mehr als zehn Jahre auf diesen Spatenstich waren müssen, waren doch die Ausschreibungen der Deutschen Bahn für dieses ambitionierte Projekt immer wieder ins Leere gelaufen. Zur Feier kamen neben Offiziellen von Bahn, Bund und Stadt auch Duisburger Bundes- und Landtagsabgeordnete.
Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.
Die Bauarbeiten begannen jetzt gute fünf Jahre später als geplant: „Besser spät als nie“, kommentierte Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link. „Die Umsetzung war schwierig, aber das Warten hat sich gelohnt.“ Die Stadt Duisburg kümmere sich, so Link, derweil um die passende Neugestaltung des Osteingangs: Vom Bahnsteig hat man einen guten Blick auf die Baustelle, die aber aktuell wegen einer insolventen Baufirma still steht. „Der Duisburger Hauptbahnhof entspricht in seiner wichtigen Funktion als großer Knotenbahnhof in NRW nicht mehr den modernen verkehrlichen, baulichen und gesellschaftlichen Anforderungen“, erklärte Gabriele Matz, Vorstandssprecherin des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR). „Wenn gegen Ende des Jahrzehnts die Arbeiten abgeschlossen sind, wird sich der Hauptbahnhof positiv auf die verkehrliche Gesamtsituation in Duisburg und in der Region auswirken.“ Die endgültige Fertigstellung von Duisburgs neuer Visitenkarte ist für 2028 geplant.

 

 
 
Welle statt Klebeband: Abriss und Neubau von Gleishalle und Bahnsteigen

Die Welle mit dem Kran auf dem Bahnsteig 5 (Gleis 10/11). Foto: Petra Grünendahl.
Der Umbau des Duisburger Hauptbahnhofs ist das größte und umfangreichste Bahnhofsprojekt der Deutschen Bahn in Nordrhein-Westfalen und eines der größten in Deutschland. Insgesamt investieren der Bund, das Land Nordrhein-Westfalen und die Deutsche Bahn rund 260 Millionen Euro in die moderne, architektonisch attraktive Gleishalle mit einem geschwungenen, wellenförmigen Glasdach und sechs neuen Bahnsteigen. Für jeden Bahnsteig und Dachabschnitt benötigen die Fachleute rund ein Jahr. Sobald der Bahnsteig und das wellenförmige Glasdach an einem Bahnsteig fertiggestellt sind, rollen die Arbeiten zum nächsten Bahnsteig weiter. Angesichts steigender Preise für Baumaterial dürften die Kosten die bisherigen Planungen übersteigen: „Hoffentlich nicht zu viel!“, waren sich die Redner einig.

Wo die Scheibenwände bereits fehlen, blickt man auf die Baustelle am Osteingang. Foto: Petra Grünendahl.
Die Scheibenwände in der alten Stahlkonstruktion, die häufig nur noch Klebeband zusammenhält, verleihen dem Bahnhof fast schon einen Kult-Status und haben ihm den Ruf eines Lost Place eingebracht. Die Glasscheiben müssen ausgebaut werden, bevor man die Stahlkonstruktion zurückbauen kann. „Der asbesthaltige Fensterkitt wird fachmännisch entsorgt“, erklärte Kirsten Verbeek, Leiterin Kommunikation und Sprecherin der Deutschen Bahn NRW. Sie führte weiter aus, dass Asbest hier fest gebunden sei und damit kein Problem darstelle. Für die Schadstoffentsorgung seien zertifizierte Fachfirmen zuständig. Zuvor muss der asbesthaltige Fensterkitt unter Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften von den Glasscheiben und aus der Stahlkonstruktion entfernt werden, weil Asbest als Schadstoff separat zu entsorgen ist. Das Rückbaukonzept der Deutschen Bahn sei mit der Stadt Duisburg und der Aufsicht führenden Bezirksregierung abgestimmt, so die Pressesprecherin.

 

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Impressionen. Fotos: Petra Grünendahl

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Die Baumaßnahme im Detail
 
Hauptbahnhof Duisburg

  • 130.000 Reisende und Besucher täglich
  • Rund 700 Zughalte pro Tag (Regional- und Fernverkehr)
  • Sechs Bahnsteige, 13 Gleise
  • Bahnhofshalle im Empfangsgebäude wurde im Jahr 2011 erneuert

 
Modernisierungsmaßnahmen

Der symbolische „Spatenstich“ als Startschuss (v. l.): Werner J. Lübberink (Konzern bevollmächtigter der DB für das Land NRW), Gabriele Matz (Vorstandssprecherin des VRR), Susanne Henckel (Staatssekretärin im Bundesministerium für Digitales und Verkehr) und Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

  • Neubau des Hallendaches über den Bahnsteigen
  • Grundfläche: rund 18.600 Quadratmeter
  • Stahl-/Glaskonstruktion in Wellenform und mit senkrechten Fassaden
  • Tragende Elemente in Form von Stahlstützenpaaren auf den Bahnsteigen
  • Grunderneuerung aller sechs Bahnsteige
  • Modernisierung der vorhandenen Bahnsteigdächer außerhalb des neuen Hallendachs
  • Neue Sitzbänke und Wartebereiche
  • Neue Hinweisschilder, Reisenden-Information und Blindenleitsystem
  • Erneuerung der Rolltreppen
  • Neue Beschallung und Beleuchtung
  • Neubau der Oberleitung im gesamten Bahnhofsbereich

 
Ablauf

Abmontiert: Gleis 12/13 ist kein Haltepunkt mehr. Foto: Petra Grünendahl.

  • Ende Mai 2022: Bau von 2 Kranfundamenten auf dem Bahnsteig 5 an den Gleisen 10/11
  • August bis Sommer 2023: Rück-/ Neubau von Bahnsteig 6 (Gleise 12/13) und Rück-/ Neubau Hallendach sowie Zusammenhangsmaßnahmen
  • Sperrung des Bahnsteigs für die Dauer der Arbeiten
  • Auswirkungen auf Reisende: Verlegung der Zugfahrten an andere Die Veränderungen sind im Fahrplan und in den Kundeninformationen ausgewiesen.
  • Nach Fertigstellung von Bahnsteig 6 gehen die Arbeiten (Bahnsteig und Hallendach) ab Sommer 2023 am Bahnsteig 5 Gleise 10/11 weiter. Bahnsteig 6 ist dann wieder für die Reisenden nutzbar. Bahnsteigweise erfolgt dann der weitere Ablauf der Modernisierungsmaßnahme.
  • Im Jahr 2027 (zur IGA) ist der überwiegende Teil des Bahnhofs fertig gestellt und steht den Reisenden damit wieder gesamthaft zur Verfügung.
  • Der Abschluss aller Maßnahmen und die Beräumung der letzten Baufelder ist im Jahr 2028 geplant.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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