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14. NetzwerkForum SchifffahrtHafenLogistik in Duisburg: Möglichkeiten zur CO2-Einsparung im Gütertransport

Modalmix des Güterverkehr braucht alle „Alternativen“
Von Petra Grünendahl

Markus Bangen, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG. Foto: Petra Grünendahl.
„Die Bedeutung der Binnenschifffahrt wird immer erst in der Not deutlich“, wies Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK, in seiner Begrüßung auf das Niedrigwasser hin, welches dem Transportweg Wasserstraße im Hochsommer arg zugesetzt hatte. Und die natürlich zu steigenden Preisen wegen höherer Transportkosten beiträgt. Die Verluste beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) in NRW seien höher als die Kosten für den Ausbau der Binnenschifffahrts-Infrastruktur und die Fahrtrinnen-Vertiefung auf dem Rhein, so Dietzfelbinger. Für eine Modernisierung der Binnenschifffahrt müsse man jetzt aktiv werden. Die Modernisierung der Binnenschifffahrt – wie aller Güterverkehrsträger – schließt die Förderung alternativer Antriebe ein. Die besonders langen Nutzungszeiten (bei einem Innovationszyklus von 40 Jahren in der Binnenschifffahrt) erfordern einen zügigen Einstieg in den Umstieg – mit entsprechender Förderung der häufig klein- und mittelständischen Partikuliere (Schiffseigner). Die Binnenschifffahrt sei für Wasserstoff-Antriebe prädestiniert, kommt doch die gleichmäßige Belastung dem Treibstoff entgegen, der keine Leistungsspitzen mag, erklärte Markus Bangen, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG. „Wir müssen aber für alle drei Verkehrsträger – Wasserstraße, Schiene und Straße – Alternativen entwickeln.“

 

Von links: Dr. Christoph Kösters (VVWL), Moderator Sebastian Reimann, Markus Bangen (duisport), Heinrich Kerstgens (Rhenus), Klaus Voussem (MdL) und Sascha Hähnke (Rhenus). Foto: Petra Grünendahl.
Bereits zum 14. Mal traf sich das NetzwerkForum SchifffahrtHafenLogistik (davon zweimal digital). Angesichts aktueller Herausforderungen standen in diesem Jahr die „Mobilitätswende und resiliente Lieferketten in der Logistik“ im Mittelpunkt der Diskussionen. Die Veranstaltung des Verbandes Verkehrswirtschaft und Logistik NRW e. V. (VVWL) findet alljährlich mit Branchenexperten im Rahmen des Kompetenznetzes Logistik.NRW bei und in Kooperation mit der Niederrheinischen IHK in Duisburg statt. Mit dem traditionellen NetzwerkForum wolle man Themen setzen und Prozesse beschleunigen, erklärte Dr. Christoph Kösters, Manager des Kompetenznetzes Logistik.NRW und Hauptgeschäftsführer des VVWL, die Intention. Die Experten-Runde erreicht Besucher aus Wirtschaft, Indsturieverbänden, Politik und Verwaltung – nicht nur aus NRW. Nach den Eingangs-Statements von Heinrich Kerstgens (Rhenus Bereich Binnenschifffahrt) und Sascha Hähnke (Rhenus Bereich Lkw) ergänzten in der Podiumsdiskussion Duisburgs neuer Hafenchef Markus Bangen, Klaus Voussem, MdL (CDU) und Moderator Sebastian Reinmann (Chefredakteur der Deutschen Verkehrszeitung DVZ) die Runde.

 

 
Kombinierter Verkehr: CO2-Einsparungen über den ganzen Modalmix

Heinrich Kerstgens, Corporate Representative und Director Board Projects bei Rhenus SE & Co. KG. Foto: Petra Grünendahl.
„Wir brauchen die Binnenschifffahrt und die Bahn, wenn wir nicht die Autobahnen voller Lkw haben wollen“, sagte Heinrich Kerstgens angesichts stetig steigender Transportströme. Und: „Güterverkehr ist wichtig, um den Laden am Laufen zu halten.“ Auf der Intermodalität, der Kombination aller Güterverkehrsträger, müsse der Schwerpunkt liegen, sagte auch Klaus Voussem. „Logistik in Krisenzeiten ist eine Herausforderung“, meinte Kerstgens. Er und Sascha Hähnke stellten die Möglichkeiten dar, bei den unterschiedlichen Verkehrsträgern im Güterverkehr CO2 einzusparen. Bei Rhenus setze man schon seit Jahren in allen Bereichen auf einen Ausbau alternativer Antriebe, so die Referenten. Hier gebe es aber nicht nur einen Weg, sondern je nach Verkehrsträger und Einsatzgebiete unterschiedliche, so Hähnke. „Wir glauben an batterie-elektrische Fahrzeuge für Hafenverkehre. Sie sind aber keine Lösung für den Fernverkehr.“ Den einen Königsweg gebe es nicht: Man müsse in alle unterschiedlichen Arten alternativer Antriebe investieren, da jede ihre Potenziale im Verkehrsträger-Mix habe. Gerade kleinere Start-ups hätten bei den alternativen Fahrzeug-Technologien die Nase vorn, vor den etablierten Fahrzeugherstellern. „Klimaschutz kennt keinen Wettbewerb“, so Hähnke. Jeder könne und müsse dazu beitragen.

 

Sascha Hähnke, Geschäftsführer von Rhenus Transport GmbH & Co. KG. Foto: Petra Grünendahl.
Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass die großen Akteure auf dem Logistik-Markt (Häfen wie Transportunternehmen) voran gehen müssten. Nur sie hätten die finanziellen Mittel, Innovationen umzusetzen – und ggf. ihre kleineren „Nachunternehmer“ und GEschäftspartner wie zum Beispiel Partikuliere zu unterstützen. „Die Großen müssen voran gehen“, forderte Markus Bangen, was auch Hähnke bestätigte: „Wir müssen Vorreiter sein, die Kleinen können das nicht.“ Den hohen Investitionskosten stünden hier die Probleme gegenüber, an Fördergelder zu kommen. Ohne die sich wiederum eine Verkehrswende nicht wirtschaftlich darstellen lasse, so Kerstgens. „Wir werden alles an alternativen Energien brauchen, sonst schaffen wir das nicht“, so Bangen. „Wirtschaftliche Entwicklung und Verkehr sind zwei Seiten einer Medaille. Die Politik muss hier Rahmenbedingungen für Alternativen schaffen“, so Klaus Voussem.

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Das Podium mit (von links) Sebastian Reimann, Klaus Voussem, Markus Bangen, Heinrich Kerstgens und Sascha Hähnke. Foto: Petra Grünendahl.
Einsparungen von CO2 sei über die ganze Bandbreite der Gütertransporte möglich, stellten die Diskussionsteilnehmer heraus. Aber jede Antriebsart – Lkw, Eisenbahn und Binnenschifffahrt – habe ihre eigenen Erfordernisse und brauche eigene Lösungen. Das Fazit der Podiumsdiskussion lautete denn auch: Wir brauchen nicht nur eine Form des alternativen Antriebs, sondern alle Arten im Energiemix für die Zukunft!

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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