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Deutsche Oper am Rhein: Spannende Neuinszenierung von Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ im Theater Duisburg

Sentas eingebildete Beziehung ermöglicht ihren Ausbruch aus der Realität
Von Petra Grünendahl

Hans-Peter König (Daland), Liliana Nolden (Senta als Kind), Susan Maclean (Mary). Dahinter: James Rutherford (Der Holländer), Statisterie der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Hans Jörg Michel.
Zur Ouvertüre sitzt die kleine Senta und dann die Jugendliche mit ihrem Vater und ihrer Amme im Kino, wo sie den mythischen Helden im Film „Der fliegende Holländer“ (auf einer Leinwand mit den Akteuren der Oper) anhimmelt. Auch als junge Frau ist Senta (szenisch Maren Schäfer / Gesang Lena Kutzner) immernoch in die unwirkliche Figur verliebt und sie träumt davon, ihn von seinem Fluch zu erlösen. Zwar umwirbt sie der bodenständige Jäger Erik (Norbert Ernst), doch ihre Sehnsucht nach dem Verfluchten und die Erfüllung ihrer „Mission“,
Norbert Ernst (Erik), Gabriela Scherer (Senta). Dahinter: Statisterie der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Hans Jörg Michel.
die sie aus der Provinzialität ihres Alltags reißt, bestimmen das Geschehen. Ihr Vater, der Seefahrer Daland (Hans-Peter König), und sein Steuermann (David Fischer) treffen in einem Sturm auf dem Meer das Schiff des fliegenden Holländers (Jordan Shanahan), der dazu verdammt ist, ewig die Meere zu befahren. Alle sieben Jahre darf er an Land – und nur wenn er eine Frau findet, die ihm ewige Treue hält, wird er von seinem Fluch erlöst. Daland bringt den Seemann mit nach Hause zu Senta und ihrer Amme Mary (Susan Maclean). Senta steht nun ihrer Liebe gegenüber und hofft auf die Erfüllung ihrer Mission, von der sie seit ihrer Kindheit träumt. Erik befürchtet, Senta zu verlieren. Als er sie erinnert, sie habe ihm ewige Treue geschworen, ist der Holländer sicher, dass sie auch ihm nicht die erhoffte Treue halten kann. Er erzählt ihr von seinem Fluch, aber sie hält an ihrer Mission der Erlösung fest und setzt ihm nach.

 

James Rutherford (Der Holländer), Gabriela Scherer (Senta), Dahinter: Hans-Peter König (Daland), Susan Maclean (Mary), Norbert Ernst (Erik), Chor der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Hans Jörg Michel.
Eine viel umjubelte Premiere hatte im Theater Duisburg Richard Wagners 1843 uraufgeführte romantische Oper „Der fliegende Holländer“ gefeiert: In einer Neuinszenierung von Vasily Barkhatov steht das Werk jetzt bis November auf dem Spielplan der Deutschen Oper am Rhein. Der russische Regisseur gehört zu den Shootingstars seiner Generation, hat schon mit früheren Arbeiten auf sich aufmerksam gemacht und inszeniert mit Wagners „Holländer“ nun erstmals an der Deutschen Oper am Rhein. Er hat das Stück originell neu inszeniert und in ein modernes Setting gesteckt. Seine Interpretation verwandelt den vermeintlich „alten“ Stoff in ein aktuelles, sehr zeitgemäßes Stück. Barkhatov beweist, dass die in der Oper erzählte Geschichte etwas Zeitloses hat, was sich mühelos ins jetzt und heute übertragen lässt. Senta ist die treibende Figur von Barkhatovs Inszenierung, ihre Flucht aus einer konventionellen Realität in eine Fantasiewelt bestimmt das Geschehen. „Der fliegende Hollländer“ (1841) ist ein Frühwerk des Komponisten, bei dem er erstmals auch das Libretto schrieb. Bei ihrer Uraufführung im Königlichen Hoftheater Dresden war vierte vollendete Oper des Komponisten nur mäßig erfolgreich, so dass Wagner die Urfassung 1860 überarbeitete und musikalisch insbesondere die Ouvertüre und der Schluss veränderte. 1901 wurde die Oper erstmals bei den Bayreuther Festspielen gezeigt. Gesungen wird in deutscher Sprache, Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Die ca. 2¼-stündige Aufführung der durchkomponierten Oper (auch wenn Wagner die Oper später in drei Aufzüge aufteilte) läuft ohne Pause und ist empfohlen ab 12 Jahren.

 

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Hervorragende Akteure glänzten auch in außergewöhnlicher Besetzung

Chor der Deutschen Oper am Rhein. Auf der Leinwand: James Rutherford (Der Holländer). Foto: Hans Jörg Michel.
Für die zweite Aufführung musste die Deutsche Oper am Rhein kurzfristig zwei Umbesetzungen wegen Krankheit vornehmen: Entsprechend galt es, schnell verfügbare Sänger zu finden, die die jeweiligen Rollen in ihrem Repertoire haben und gesanglich textfest sind. Nachdem James Rutherford ausfiel, übte Jordan Shanahan, der schon 2020 bei der Deutschen Oper am Rhein in einer früheren Inszenierung den Holländer singen sollte, die Partie für die Szenen auf der Bühne ein, während der Film natürlich in der Original-Besetzung läuft. Und erst am Morgen der Aufführung meldete sich Gabriela Scherer (Senta) krank, deren Rolle szenisch die Regieassistentin Maren Schäfer übernahm, die diesen Part aus der Einstudierung bereits kannte. Die kurzfristig verpflichtete Lena Kutzner, zu deren Repertoire die Senta gehört, stieß quasi ohne Proben direkt zur Aufführung für den Gesang dazu. Was der Hochklassigkeit der Aufführung keinen Abbruch tat. Lediglich dass die Senta auf der Bühne ihre Lippen nicht zum Gesang bewegte, sondern dieser aus dem Off kam, deutete die geänderten Umstände an. Lang anhaltender Schlussapplaus belohnte die fantastischen Akteure und eine ungewöhnliche Inszenierung, die Publikum begeistert annahm.

 

Gabriela Scherer (Senta), Susan Maclean (Mary), Chor der Deutschen Oper am Rhein, Statisterie. Foto: Hans Jörg Michel.
Die chorlastigen Rollen der Matrosen und der Freundinnen Sentas übernimmt der Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Patrick Francis Chestnut. Die anspruchsvolle und mächtige Komposition Wagners meistern hervorragende Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Patrick Lange. Das flexibe Bühnenbild, welches vom Kinosaal über das Schiff im Sturm bis zum Foyer des Kinos die Handlung begleitet (ohne Pause ist ja kein Umbau möglich), hat Zinovy Margolin gestaltet. Ins rechte Licht und passendes Ambiente tauchte sie das Lightdesign Alexander Sivaev. Für die Kostüme zeichnet Olga Shaishmelashvili verantwortlich.

 

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Ein kleiner Vorgeschmack:

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:
So | 9. Oktober 2022 | 15:00 Uhr,
Mi | 12. Oktober 2022 | 19:30 Uhr,
So | 30. Oktober 2022 | 18:30 Uhr und
So | 13. November 2022 | 18:30 Uhr.

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Deutsche Oper am Rhein

Gabriela Scherer (Senta). Foto: Hans Jörg Michel.
Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

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James Rutherford (Der Holländer), Gabriela Scherer (Senta). Foto: Hans Jörg Michel.
Tickets kosten zwischen 19,00 und 78,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt.

 

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Die unvermeidlichen Corona-Regeln
Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Aktuelles gibt es hier.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel

 

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Ein Kommentar "Deutsche Oper am Rhein: Spannende Neuinszenierung von Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ im Theater Duisburg"

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