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Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) wird 35 Jahre alt

Brexitannia: Neuer Band der Edition DISS über die Briten und den Brexit
Von Petra Grünendahl

Dr. Margarete Jäger hat mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Siegfried das DISS gebründet.
„Wir haben mit unserer Arbeit Impulse gesetzt zum Beispiel für die Rassismus-Forschung“, erklärte Dr. Margarete Jäger. „Bei unserer Gründung verbuchten die rechtsextreme Parteien erste Wahlerfolge, Rechte zogen dann in Parlamente ein. Nach der Wiedervereinigung brannten erste Asylbewerberheime, das Asylrecht wurde verschärft – und es wurde nötig, sich mit dem rechten Gedankengut kritisch auseinander zu setzen“, erklärte sie. Zusammen mit ihrem Mann Siegfried (1937-2020), der als ordentlicher Professor von 1972 bis 2002 an der Gerhard-Mercatur-Universität (davor Universität-Gesamthochschule Duisburg, seit 2003 Universität Duisburg-Essen) mit dem Schwerpunkt Sprachwissenschaft / Diskursanalyse lehrte, sowie weiteren Wissenschaftlern gründeten sie das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung e. V. (DISS), dessen stellvertretende Vorsitzende sie damals wurde. Bis heute erforschen hier Wissenschaftler im internationalen Kontext gesellschaftliche Entwicklungen, die einer Grundhaltung zur freiheitlichen Demokratie zuwider laufen. Die Arbeitsschwerpunkte der aktuellen Forschung im In- und Ausland liegen unter anderem auf Rassismus und Migrationspolitik, Entwicklungen der Extremen Rechten, Antisemitismus, Antiziganismus und soziale Ausgrenzung. Die Erforschung von sozialen und kulturellen Ordnungen soll emanzipative Ansätze für eine demokratische Praxis in Politik, Pädagogik und Journalismus tragen.

 

Mitglieder des DISS-Vorstandes (v. l.): Iris Tonks, Dr. Jobst Paul und Dr. Margarete Jäger. Foto: Petra Grünendahl.
Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung e. V. (DISS) hatte anlässlich seines 35-jähriges Bestehen zum Pressegespräch geladen: Die Vereinsvorsitzende Dr. Margarete Jäger berichtete zusammen mit ihren Vorstandskollegen Iris Tonks und Dr. Jobst Paul über die Entstehung und Entwicklung des DISS zu seiner heutigen Bedeutung und gab einen Ausblick auf aktuelle Projekte. Bei seiner Gründung hatte das Institut seinen Sitz in einem Hinterhaus auf der Realschulstraße, seit 2000 befindet es sich afu der Siegstraße. Die finanzielle Basis für den Vereinssitz und die Arbeit kommt von einem Förderkreis. Darüber hinaus wirbt das Institut mit seinen Forschungsprojekten um Drittmittel: „Als freies Forschungsinstitut in Konkurenz mit Unversitäten wird dies mit deren Unterfinazierung immer schwieriger“, so Margarete Jäger. Kolloquien und Workshops, Vorträge und regelmäßige Publikationen sind weitere Quellen für die Finanzierung und tragen die wissenschaftliche Arbeit nach außen.

 

Mit der Kritischen Diskursanalyse hat sich das DISS überregional einen Namen gemacht. Foto: Petra Grünendahl.
Auch dank teilweise ehrenamtlich tätiger Mitarbeiter und Praktikanten, die sich nicht nur aus Deutschland bewerben, steht die Forschungsarbeit des DISS auf soliden Beinen und trifft im Netzwerk von Wissenschaft und Forschung auf große Anerkennung. „Wir müssen uns austauschen und verschiedene Perspektiven zulassen“, schilderte Jäger die wissenschaftliche Vernetzung auch im internationalen Kontext. Das DISS verfolgt zivilgesellschaftliche Entwicklungen mit Hilfe der von Siegfried Jäger entwickelten Kritischen Diskursanalyse (KDA), mit der sich die Duisburger Wissenschafter überregional einen Namen gemacht haben. „Wir sind dabei, diese Analyse-Verfahren zu erweitern, denn auch die Verbreitung von Botschaften über Video, Internet und soziale Medien spielt heute eine Rolle“, so Jäger. Zwar scheint der Antisemitismus aus der öffentlichen Diskussion verschwunden, aber latent empfänden Betroffene diesen immer noch in der Gesellschaft verankert: „Aktuell erforschen wir im Rahmen eines europäischen Verbundprojekts Auswirkungen des Antisemitismus auf jüdisches Leben und jüdische Identität“, erzählte Jobst Paul. Ergebnisse will das DISS im kommenden Frühjahr veröffentlichen.

 

 
Neue Edition DISS erschienen: „Brexitannia“

Dr. Margarete Jäger und Robert Tonks mit dem neuen Buch aus der Edition DISS: Brexitannia. Foto: Petra Grünendahl.
Neben dem DISS-Journal zählt die Edition DISS zu den namhaften regelmäßigen Publikationen des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung. Das DISS-Journal erscheint drei bis vier Mal jährlich im Selbstverlag mit Fokus auf einem Schwerpunktthema. Das Journal erscheint gedruckt, ist aber auch als pdf auf der Webseite des Instituts verfügbar. Die Edition DISS, die in den Anfangsjahren im Selbstverlag veröffentlicht wurde, publiziert seit 2003 der Unrast-Verlag aus Münster. Bislang sind 49 Bände im Unrast-Verlag erschienen, der 50. Band – (Post-)Pandemische Normalitäten – kommt im Januar 2023.

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Der deutsch-britische ehemalige Europareferent der Stadt Duisburg, Robert Tonks, bekannt für Bücher wie „It Isn’t All English What Shines“, hat sich früh über den Brexit seine Gedanken gemacht. Der Waliser wollte verstehen, wie es zum EU-Austritt kommen konnte. Besonders die ehemaligen Bergarbeiter-Regionen – aus einer solchen stammt auch Tonks – waren Brexit-Hotspots. Tonks hatte sich dann 2020 mit seiner Frau Iris und dem DISS-Mitarbeiter Medien- und Filmproduzent Zakaria Rahmani, der die Kontakte zum WDR knüpfte, durch Großbritannien auf die Suche nach der Meinung der Briten über den Brexit gemacht. In vier Podcasts haben sie die Ergebnisse ihrer Reise in deutscher und englischer Sprache (letztere für die originalen Ton-Mitschnitte von der Insel) einem deutschen Publikum auf WDR5 nahe gebracht. Diesen Podcast aus vier gut halbstündigen Folgen haben Tonks und Rahmani in „Brexitannia – Großbritanniens Weg aus der EU“ nun als Band 49 der Edition DISS veröffentlicht. Dieses Buch ist gerade erschienen: Wir werden es in Kürze in einem eigenen Bericht vorstellen.
www.robert-tonks.de

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Das DISS wird 35 Jahre!

Der Sitz des DISS an der SIegstraße. Foto: Petra Grünendahl.
Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung feiert in diesem Jahr seinen 35. Geburtstag. Im Zentrum seiner Arbeit stehen und standen vor allem Studien zu Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus. Aber auch Fragen um Krieg und Frieden finden Eingang in die Forschungen des DISS. Das DISS hat in den vergangenen 35 Jahren zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt und viele Bücher veröffentlicht. Es hat ein umfangreiches Archiv extrem-rechter Publikationen aufgebaut (das Zweitgrößte in Deutschland), das auch für externe Wissenschaftler und Forscher nach Terminvereinbarung zugänglich gemacht wird. Das DISS ist Mitglied im Wissenschaftsforum Ruhr.

 
seinem Analyseansatz der Kritischen Diskursanalyse (KDA) hat sich das Institut über Duisburg hinaus einen Namen gemacht. Seine Ausarbeitungen zum völkischen Nationalismus bieten eine umfassende Grundlage für die Rechtsextremismus-Forschung. Auch in den nächsten Jahren werden die Arbeitsschwerpunkte des DISS in der Weiterentwicklung dieses methodischen und inhaltlichen Instrumentariums liegen, mit dem Ausgrenzungsdiskurse erfasst und kritisiert werden können.
www.diss-duisburg.de/ und www.disskursiv.de

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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