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Schloss Oberhausen: Ludwiggalerie zeigt Fotografien von Barbara Klemm

Schwarz-Weiß ist Farbe genug: Ikonische Fotografien aus fünf Jahrzehnten
Von Petra Grünendahl

Stellten die Ausstellung vor (v. l.): Christine Vogt, Barbara Klemm und Apostolos Tsalastras. Foto: Petra Grünendahl.
„Manchmal hat es Stunden gedauert, bis ich auf einer Veranstaltung das richtige Bild machen konnte“, erzählte Barbara Klemm. Erst wenn ein Foto genau ihren Vorstellungen entsprach, war es für sie gut genug, um es in der Redaktion für einen Artikel einzureichen. „Die FAZ hat immer hohe Ansprüche an ihre Fotografen gestellt“, erzählte sie. Barbara Klemms ikonischen Fotografien zeigen die große Geschichte, aber auch viele kleine Geschichten: Im Mittelpunkt ihrer Bilder stehen die Menschen. Der legendäre sozialistische Bruderkuss beim Treffen von Leonid Breschnew und Erich Honecker in Ost-Berlin 1979, das Treffen von Breschnew und Brandt 1973 oder auch das Foto des prominent im Vordergrund sitzenden Heinrich Böll, flankiert von Petra Kelly und Oskar Lafontaine, die 1983 in Mutlangen anlässlich der Stationierung von Mittelstreckenraketen demonstrieren. Mit den Studentenrevolten in den späten 1960er Jahren begann Klemms journalistische Karriere. Sie hielt das Leben in der DDR, die politische Annäherung zwischen Ost und West, den Mauerfall und die Wiedervereinigung in eindringlichen Bildern fest. Ihre Fotografien sind bis heute im kollektiven Gedächtnis verankert.

 

Stellten die Ausstellung vor (v. l.): Apostolos Tsalastras, Barbara Klemm und Christine Vogt. Foto: Petra Grünendahl.
Mit der neuen Ausstellung „BARBARA KLEMM – Schwarz-Weiß ist Farbe genug. Fotografien 1967 bis 2019“ eröffnet die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ihr Jubiläumsjahr zum 25-Jährigen. Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt stellte die Sonderschau zusammen mit der Fotografin Barbara Klemm und dem Kulturdezernenten der Stadt Oberhausen, Apostolos Tsalastras, im Pressegespräch vor. Jahrzehntelang bereiste Barbara Klemm von 1970 bis 2005 als Redaktionsfotografin für die FAZ Deutschland und die Welt: Sie fing mit ihrer Kamera die Größen der Welt und historische Momente ein. Und das aus einer Nähe, die faszinierende Einblicke erlaubt und heute wohl so nicht mehr möglich wäre. Barbara Klemm lichtete aber auch mit großer Empathie den Alltag unbekannter „kleiner Leute“ ab und ihre Porträtfotografien von Künstlern, Musikern und Autoren bieten weit mehr als nur Momentaufnahmen. Mit einem Gespür für die jeweilige Situation verraten die Fotografien eine eigene „Handschrift“. Die Ausstellung wird gefördert vom Freundeskreis der Ludwiggalerie ist ab Sonntag, 22. Januar 2023, für das Publikum geöffnet.

 

 
Die Fotografin Barbara Klemm

Barbara Klemm mit ihren Fotos vom Mauerfall. Foto: Petra Grünendahl.
Barbara Klemm wurde 1939 in Münster geboren, ist in Karlsruhe aufgewachsen und früh nach Frankfurt gezogen. Ihre Ausbildung hat sie in einem fotografischen Portraitstudio in Karlsruhe gemacht, bevor sie als Klischografin im Fotolabor bei der FAZ begann. Schnell übernahm sie kleine Reportageaufträge, verkaufte bei freien Berichterstattungen auch an den Spiegel und an Die Zeit. Den Verantwortlichen bei der FAZ fiel ihre eigene Bildsprache auf: Man stellt sie als Redaktionsfotografin fest ein, wo sie schwerpunktmäßig für die Ressorts Politik und Feuilleton fotografierte. Ihren Arbeiten merkt man das Heranwachsen in einem Künstlerhaushalt an: Ihr Vater war der Maler Fritz Klemm. Der Blick für Komposition und Struktur, für Details und Eigenheiten macht das Besondere ihrer Fotografien aus. Eine gute Kenntnis der Kunstgeschichte wird bei vielen Aufnahmen erkennbar. Vielleicht kommt durch diese frühe Prägung auch ihr intensives Interesse an Porträts von künstlerisch und kreativ arbeitenden Menschen. In ihren zahlreichen Bildnissen, so eines Andy Warhol vor Tischbeins Gemälde „Goethe in der römischen Campagna“ im Frankfurter Städel, arbeitet sie stets eine typische Facette heraus. Ihre Fotografien waren bereits in zahlreichen Museumsausstellungen zu sehen, wurden in etlichen Bildbänden veröffentlicht – und mit wichtigen Preisen gewürdigt.

 

Heinrich Böll: Barbara Klemm erklärt die Entstehung des Fotos. Foto: Petra Grünendahl.
Ihre Fotos sind – der Titel der Ausstellung deutet es an – ausschließlich Schwarz-Weiß. Mit Farbe könne sie nichts anfangen, sagte Klemm. Die Schwarz-Weiß-Fotografie ermöglichte ihr ausdrucksstarke Bilder, die ihre persönliche Bildsprache zur Geltung bringt: „Ich hatte immer eine Vorstellung von der Komposition des Bildes, das ich machen wollte. Das kostete häufig viel Zeit.“ Eine Zeit, die die FAZ ihr immer gegeben hatte, weil man dort Wert auf sehr gute Fotos legte. Ein Blitzlicht habe sie nie benutzt, erzählte sie. Nur manchmal habe man in der Dunkelkammer die Tonwerte ein wenig korrigieren müssen, damit ein Foto den perfekten Eindruck machte, verriet sie. Die „Dunkelkammer“ verrät: Barbara Klemm fotografiert analog: „Bis zu meinem Ruhestand 2005 kommte ich bei der FAZ analog fotografieren.“ Das tut sie auch heute noch mit Begeisterung – und immer noch in Schwarz-Weiß. Die knapp 150 ausgestellten Arbeiten geben einen Überblick über ihr Schaffen und die beeindruckende Ausdrucksstärke von Fotografien aus über fünf Jahrzehnten. Zur Ausstellung erscheint ein Booklet (16 Seiten) mit einem Text von Christine Vogt, das für 5 Euro erhältlich ist (ISBN 978-3-932236-48-8).

 

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Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen

Andy Warhol in einem Barbara Klemm: Ihre Fotos in Bildbänden. Foto: Petra Grünendahl.
Die Sonderausstellung im Großen Schloss läuft bis zum 7. Mai. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Oster- und Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8,00 Euro (ermäßigt 4,00 Euro, Familien mit zwei Erwachsenen plus Kindern 12,00 Euro). Außerdem gibt es ein Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen für 15,00 Euro.

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Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zudem gibt es zur Ausstellung Kuratorinnenführungen (mit Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt) am:

  • Sonntag, 5. Februar 2023, 15 Uhr,
  • Sonntag, 26. Februar 2023, 14 Uhr,
  • Sonntag, 16. April 2023, 15 Uhr, und
  • Sonntag, 7. Mai 2023, 15 Uhr.

Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum museumspädagogischen Angebot gibt es hier. Tagesaktuelle Informationen zu den Corona-Regeln auf gibt es auf der Website.

 
Vom 5. Februar bis zum 11. Juni ist im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie die Ausstellung „AUSGEZEICHNET!“ zu sehen mit den deutschsprachigen „Max und Moritz“-Preisträgern 2022.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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