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Sculpture 21st in Duisburg: Lehmbruck Museum zeigt Mona Hatoum

Raumfüllende Arbeit zeigt die Fragilität der Welt
Von Petra Grünendahl

Sculpture 21st: Mona Hatoum im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Von der großen Glashalle des Lehmbruck Museums zum Kantpark war die Künstlerin Mona Hatoum (*1952) sehr inspiriert, betonte sie im Pressegespräch: „I feel space telling me what to do.“ Die Fläche lud sie geradezu ein, ihre „Karte“ dort auszubreiten: Aus rund 112.000 Glaskugeln hat dort sie eine Weltkarte installiert. Ihre Karte nutzt im Übrigen die Gall-Peters-Projektion von 1855, die im Gegensatz zu Mercators Projektion alle Länder in flächentreuem Größenverhältnis darstellt – und Kontinente der Nordhalbkugel wie Europa in realistischem Größenmaßstab weniger dominiert. Das Werk wirkt fragil, könnten sich doch die Murmeln jederzeit in Bewegung setzen und die bestehende Welt in eine andere verwandeln oder zerstören. Die Fragilität der Welt ist immer wieder ein Thema für die palästinensisch-britische Künstlerin, deren Werke – speziell ihre Karten in vielfältigster Art und Form – auch die Instabilität und Unsicherheit der heutigen politischen Landschaft reflektieren. Bereits 2014 war sie mit einem ihrer Werke – „Hot Spots“ (Spots of Conflict) – im Lehmbruck Museum in der Ausstellung „Zeichen gegen den Krieg“ zu sehen.

 

Europa: Mona Hatoums Map (clear) im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
In der Reihe „Sculpture 21st“ zeigt Mona Hatoum erstmals in Deutschland die Rauminstallation „Map (clear)“. Tausende von Glasmurmeln bilden eine trügerische, instabile und unbeständige Weltkarte. Der Museumsboden verwandelt sich in eine schimmernde und doch fragile Oberfläche. Ein winziger Anstoß genügt und das vertraute Bild der Welt gerät in Aufruhr. „Wie keiner anderen Künstlerin gelingt es Mona Hatoum, Alltagsobjekte in ihrer ganzen Schönheit so einzusetzen, dass die Verwundbarkeit unseres Lebensraums spürbar wird“, sagte Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla. Die Präsentation von Mona Hatoum im Rahmen von „Sculpture 21st” wird gefördert durch die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West. Die Ausstellung eröffnet morgen Abend mit geladenen Gästen.

 

 
Die Künstlerin

Mona Hatoums Hot Spots in „Zeichen gegen den Krieg“ im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Hatoum wurde am 11. Februar 1952 als Tochter einer palästinensischen Familie in Beirut, Libanon, geboren. Während eines kurzen Besuchs in London 1975 verhinderte der Ausbruch des libanesischen Bürgerkriegs ihre Rückkehr. Seitdem lebt sie in London. Dort studierte sie Kunst, von 1975 bis 1979 an der Byam Shaw School of Art und von 1979 bis 1981 an der Slade School of Art. Lehraufträge nahm sie in London (1986–1994) und Maastricht (1992–1997) wahr. Als Gastprofessorin lehrte sie in Paris (1994/95) und London (1998). Sie lebt in London und Berlin. Sie hat an prestige-trächtigen Ausstellungen wie der Biennale in Venedig (1995 und 2005) oder die documenta (2002 und 2017) ebenso teilgenommen wie 2014 an der Ausstellung „Zeichen gegen den Krieg“ im Lehmbruck Museum. Dazu kommen Einzelausstellungen in aller Welt und Auszeichnungen mit diversen internationalen Preisen, darunter der Käthe-Kollwitz-Preis (2010), der Joan Miró-Preis (2011) und der Praemium Imperiale-Preis für Bildhauerei (2019).

 

Sculpture 21st: Mona Hatoum im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Hatoums Werke befassen sich mit Motiven existenzieller Unsicherheit und bringen uns dazu, unsere Beziehung zu einer Welt voller Konflikte und Widersprüche zu hinterfragen. Themen wie Vertreibung, eingeschränkte Bewegungsfreiheit und staatliche Kontrolle untersucht sie vor dem Hintergrund ihrer eigenen biografischen Reise, die durch ein „Gefühl der Zerrissenheit“ geprägt ist. In den 1990-ern wandte sich Hatoum großformatigen Installationen und Skulpturen zu, die darauf abzielen, in den Betrachter widersprüchliche Gefühle zwischen Begehren und Abscheu, Furcht und Faszination zu wecken. Hatoum hat eine Sprache entwickelt, in der sich vertraute häusliche Alltagsgegenstände oft in fremdartige, bedrohliche und gefährliche Objekte verwandeln. „Ich versuche, in etwas, das normalerweise harmlos aussieht, den Unterton von Feindseligkeit zu enthüllen. Es ist ein Weg, die Menschen dazu zu bringen, alles um sich herum infrage zu stellen.“

 

Sculpture 21st: Mona Hatoums Map (clear) im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Für ihre Arbeiten nutzt Mona Hatoum eine Vielzahl von Medien, darunter Installationen, Skulpturen, Video, Fotografie und Arbeiten auf Papier. Sie reflektiert Themen, die sich aus aktuellen globalen Bedingungen ergeben, wie Systeme des Eingesperrtseins, Überwachungsarchitekturen oder Konflikte und Vertreibung. Sie nutzt die poetische Aufladung und metaphorische Kraft einer Reihe von Materialien, von Stahl, Ziegeln und Beton bis hin zu Schutt, Glas und menschlichem Haar, um die elementaren Formen des Rasters und, in neuerer Zeit, der Kugel zu erkunden. Dabei beruft sie sich sowohl auf die strenge Geometrie der minimalistischen Skulptur als auch auf die Möglichkeiten ihres formalen Zusammenbruchs.

 

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Sculpture 21st

Sculpture 21st: Mona Hatoums Map (clear) im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Unter dem Titel „Sculpture 21st” präsentiert das Lehmbruck Museum seit 2014, dem 50. Geburtstag des Museums, wechselnde Positionen zur Skulptur des 21. Jahrhunderts. Einige der wichtigsten Bildhauer der Gegenwart, unter ihnen Tino Sehgal, Jeppe Hein, Eija-Liisa Ahtila, Xu Bing, Julian Opie und zuletzt Rineke Dijkstra, präsentierten in der ikonischen Glashalle des Museums ihre Werke. Sie alle stellen auf sehr unterschiedliche Weise grundlegende Fragen an das Museum, die Kunst und ihr Verhältnis zur Gesellschaft. Die imposante Nordhalle des Lehmbruck Museums mit ihren an drei Seiten großflächig verglasten Scheibenfronten aus über sieben Meter hohen Glasscheiben bildet die architektonische Schnittstelle zwischen Museum und Öffentlichkeit: Wechselnde monografische Inszenierungen mit Werken international bedeutender Künstler laden den musealen Raum der außergewöhnlichen Museumsarchitektur Manfred Lehmbrucks neu auf und kreieren ein Erfahrungsfeld, das sich in der Wahrnehmung der Betracher realisiert und diese physisch einbezieht.

 

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Das Lehmbruck Museum

Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.
Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

 
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.

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Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Mona Hatoums „Map (clear)“ ist im Rahmen von Scupture 21st noch bis zum 20. August in der großen Glashalle zu sehen. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.

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(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70 Prozent), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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