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Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers lädt zur Saisoneröffnung auf Rheinpreußen Schacht IV

Frauen. Bergbau. Geschichten. & Unter Tage waren wir alle gleich: Zwei Ausstellungen unter einem Dach
Von Petra Grünendahl

Frauen im Bergbau mit Porträts in Wort und Bild: Die neue Ausstellung im Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV in Moers. Foto: Petra Grünendahl.
„Die Frauen haben uns Einblicke in ihr Leben gegeben“, erzählte Autorin Ulrike Rauhut. Sie seien überall gemeinsam gewesen, so Fotografin Bettina Engel-Albustin, von der die beeindruckend schönen und sehr individuellen Porträtfotos stammen. Die älteste Porträtierte ist 90 Jahre alt, aber die Geschichten, die die Frauen aus ihren Familien erzählten, waren teilweise noch älter: Wie der Bergbau ihr Leben geprägt habe, hat Ulrike Rauhut in spannenden und erfrischend erzählten Geschichten verpackt. Die Idee zu dieser Ausstellung hatte Anja Reutlinger, die seit 27 Jahren in der Zechenkolonie Meerbeck lebt und sich dort mit ihrem Mann Walter für den Stadtteil engagiert. „Wir haben das Leben hier schätzen gelernt und ich wollte die Geschichten der Frauen festhalten, die mich beeindruckt haben mit ihrer Tatkraft und ihrem Engagement über Familie und Beruf hinaus.“ Mit Bettina Engel-Albustin (Foto) und Ulrike Rauhut (Texte) fand sie geeignete Partner für dieses Projekt, die die Frauen besucht haben, um sie in Wort und Bild zu porträtieren. Vier Monate lang war die Ausstellung mit großem Zuspruch in der Zechenkolonie Meerbeck zu sehen gewesen.

 

Stellten die neue Ausstellung vor (v. l.): Alberto Dominguez, Ulrike Rauhut, Bettina Engel-Albustin, Peter Boschheidgen, Anja Reutlinger, Frank Heinrich, Theo Wilbers, Wilfried Scholten und André Thissen. Foto: Petra Grünendahl.
Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. (GMGV) hatte die Ausstellung in Meerbeck finanziell unterstützt. Als die Bergleute des GMGV-Arbeitskreises Schacht IV die Ausstellung für die Präsentation in der Fördermaschinenhalle übernehmen wollten, nahmen Engel-Albustin und Rauhut dies zum Anlass, weitere Frauen zu besuchen, ihre Geschichten festzuhalten und sie zu porträtieren. Der Vorstand des GMGV stellte zusammen mit den Macherinnen die neue Ausstellung in der Fördermaschinenhalle auf Schacht IV vor: Eröffnet wird zum Start der neuen Saison am Sonntag, 5. Mai, um 11 Uhr. Die Portraits in Wort und Bild geben Auskunft über das Leben der Frauen im Bergbau am Niederrhein. Frauen und Töchter von Bergleuten kommen zu Wort und erzählen ihre „Bergbaugeschichten“, die einen intimen Einblick geben in das Leben im Bergbau und in der Zechenkolonie, das geprägt war vom Zusammenhalt der Menschen, von der Angst um die Männer, von abwesenden Vätern, aber auch Not und Armut in zwei Weltkriegen. Die zwölf Porträts mit 19 Frauen und Kindern hängen in den Fenstern der denkmalgeschützten Maschinenhalle. Daneben – oder vielmehr „darüber“ – sind immer noch die Fotografien der letztjährigen Ausstellung „Unter Tage waren wir alle gleich“ zu sehen, die die Zuwanderung im Bergbau ab den 1950er-Jahren dokumentiert. Diese beiden Ausstellungen ergänzen sich auf eine faszinierende Weise und verbinden die Geschichten der Bergmänner und der Bergfrauen. Zur Eröffnung am kommenden Sonntag werden auch einige der porträtierten Frauen am Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV anwesend sein.

 

 
 
Einladung zu Gesprächen

Frauen im Bergbau mit Porträts in Wort und Bild: Die neue Ausstellung im Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV in Moers. Foto: Petra Grünendahl.
„In Meerbeck hat die Ausstellung eingeladen zu Gesprächen über die Geschichten der Porträtierten und der Besucher. Ich denke, das wird auch hier der Fall sein“, sagte Anja Reutlinger. Finanziell unterstützt wurde die neue Ausstellung auch von der Volksbank Niederrhein, vom Stadtteilbüro Meerbeck, vom Kulturbüro Moers sowie vom NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung. Neben den beiden Ausstellungen in der Fördermaschinenhalle ist aber auch die Sammlung des Bergbaumuseums im Untergeschoss der Maschinenhalle mehr als nur sehenswert. Der Besucher erlebt die Untertagewelt zum Erkunden: „Wir sind ein Museum zum Anfassen“, erklärte André Thissen, Leiter des Arbeitskreises Schacht IV, der während der Öffnungszeiten gemeinsam mit anderen ehemaligen Bergleuten für kleine Führungen, Fragen und Antworten vor Ort zur Verfügung steht.

 

Frauen im Bergbau mit Porträts in Wort und Bild: Die neue Ausstellung im Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV in Moers. Foto: Petra Grünendahl.
Zum Saisonstart öffnet das Industriedenkmal mit seinem Bergbaumuseum bereits um 11 Uhr. Der Eintritt ist frei. Bis Ende Oktober ist jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr geöffnet, außerhalb dieser Zeiten sind jedoch individuelle Termine für (kostenfreie) Gruppenführungen möglich. Die Führungen auf Schacht IV machen ehrenamtlich tätige ehemalige Bergleute.

 
 
 
 
 
Impressionen vom Schacht IV. Fotos: Petra Grünendahl

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Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.

Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV in Moers. Foto: Petra Grünendahl.
Der Museums- und Geschichtsverein in Moers (GMGV) möchte die Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers schützen und erhalten – und das seit 1904. In diesem Jahr gründete Dr. Hermann Boschheidgen den „Verein für Heimatkunde“. Seitdem werden vom Verein, der heute „Grafschafter Museums- und Geschichtsverein“ heißt, Gegenstände aus dem Alltag und dem Leben der Moerser Bevölkerung zusammengetragen und im Moerser Schloss ausgestellt. Dadurch soll gemeinsam mit der Stadt Moers interessierten Bürgern die Geschichte der Grafschaft und des Altkreises Moers nahe gebracht werden. Den kulturellen und historischen Wert des Schlossparks stärker bewusst zu machen und zu erhalten ist ebenfalls ein Ziel der Arbeit des GMGV. Der heutige Vorsitzende, Peter Boschheidgen, ist ein Enkel des Vereinsgründers.

 

Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV in Moers. Foto: Petra Grünendahl.
Als weiterer Schwerpunkt der Vereinstätigkeit kam später die Geschichte des Bergbaus mit dem Nutzungsrecht für das „Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV“ hinzu, mit der Verpflichtung, das Maschinenhaus von 1906 zu erhalten. Der Bergwerks-Standort war 1962 stillgelegt worden. Unter dem langjährigen Vereinsvorsitzenden Andreas Eichholtz übernahm der GMGV Ende der 1990er-Jahre als Bauherr mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, des Landes NRW und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung die Renovierung. Das Denkmal und die restaurierte Technik kann im alten Maschinenhaus besichtigt werden. Ehrenamtlich tätige ehemalige Bergleute erklären die Fördertechnik und führen durch die Sammlung. Geöffnet ist Bergbaumuseum an der Zechenstraße 50 in Moers-Hochstraß von Mai bis Ende Oktober jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Gruppenführungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung möglich. Kontakt unter Telefon 02841 / 889108 (mittwochs 9 bis 12 Uhr) oder per Mail an schacht4(at)gmgv-moers.de.
www.gmgv-moers.de

 
© 2024 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 

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