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Lehmbruck Museum zeigt Sculpture 21st: Shirin Neshats Videoinstallation „The Fury“

Erinnerungen an Gefangenschaft und Flucht
Von Petra Grünendahl

Sculpture 21st – Shirin Neshat „The Fury“ im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
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Es sind Rückblicke einer Frau in Sicherheit: Eine spärlich bekleidete junge Frau tanzt in einem Raum mit uniformierten Männern. Dann sieht man sie durch die Straßen flüchten, wo sich schließlich die Wut von Menschen in Gewalt entlädt. Szenen aus der Video-Installation „The Fury“ von Shirin Neshat (*1957): Es zeichnet den emotionalen Weg einer jungen Iranerin nach, die inzwischen frei in den USA lebt, aber immer noch von ihren Erinnerungen an die Gefangenschaft traumatisiert ist. Eine raumgreifende Videoinstallation zeigt auf zwei monumentalen LED-Bildschirmen (ca. 3 x 6 Meter) in der Glashalle des Lehmbruck Museums zwei Perspektive der gleichen Geschichte. Die beiden ca. 15 Minuten langen Filmsequenzen laufen parallel: Der Betrachter sollte sich Zeit nehmen, denn die Perspektiv-Wechsel (linker Bildschirm – rechter Bildschirm) erfordern Aufmerksamkeit. Um die vielen Details aufzunehmen, sollten mal die Sequenzen nicht nur einmal anschauen. Der sehr detailreiche Film ist emotional aufgeladen, was fast im Gegensatz steht zur Musik, die Emotionen eher unterdrückt. Auch durch die großen Glasscheiben vom Kantpark aus betrachtet ein Erlebnis, wenngleich natürlich ohne Ton.

 

Sculpture 21st – Shirin Neshat „The Fury“ im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
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Das Lehmbruck Museum zeigt im Rahmen seiner Reihe „Sculpture 21st“ die neuste Videoarbeit der iranischen Künstlerin Shirin Neshat: „The Fury“. Die zwei Video-Screens zeigen unterschiedliche Perspektiven bzw. Szenen der gleichen Geschichte und laden ein, durch den Wechsel des Blickwinkels selbst zum Regisseur zu werden. Shirin Neshat widmet sich in ihren Arbeiten auf poetische Weise dem Leben und Schicksal von Frauen, die sich gegen Gewalt und Unterdrückung auflehnen. Die Ausstellung wird gefördert durch die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West.

 

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Die Künstlerin

Sculpture 21st – Shirin Neshat „The Fury“ im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
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Shirin Neshat wurde 1957 in Persien (heute: Iran) geborene und lebt heute Künstlerin und Filmemacherin in New York. Neshat arbeitet mit den Medien Fotografie, Video und Film, die sie mit höchst poetischen und politisch aufgeladenen Bildern und Erzählungen versieht, die Fragen zu Macht, Religion, Rasse, Geschlecht und der Beziehung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Ost und West, Individuum und Kollektiv vor dem Hintergrund ihrer persönlichen Erfahrungen als im Exil lebende Iranerin stellen. In ihrem Werken gibt sie dem Leben von Frauen, die sich gegen Gewalt und Unterdrückung auflehnen, eine poetische Form. Mutig und selbstbewusst treten die Frauen in ihren Filmen, Videos und Fotografien auf: Sie stellen die Beziehung zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen, dem Individuum und dem Kollektiv in Frage.

Sculpture 21st – Shirin Neshat „The Fury“ im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
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Neshat hatte zahlreiche Einzelausstellungen in internationalen Museen, darunter die Pinakothek der Moderne, München, das Modern Art Museum of Fort Worth, The Broad, Los Angeles, das Museo Correr, Venedig, Italien, das Hirshhorn Museum, Washington D.C. und das Detroit Institute of Arts. Sie hat bei drei abendfüllenden Filmen Regie geführt: Women Without Men (2009), der bei den 66. Internationalen Filmfestspielen von Venedig mit dem Silbernen Löwen für die beste Regie ausgezeichnet wurde, Looking For Oum Kulthum (2017) und zuletzt Land of Dreams, der bei den Filmfestspielen von Venedig (2021) uraufgeführt wurde. Neshat wurde mit dem Goldenen Löwen, dem Ersten Internationalen Preis der 48. Biennale di Venezia (1999), dem Hiroshima Freedom Prize (2005) und dem Dorothy and Lillian Gish Prize (2006) ausgezeichnet. 2017 erhielt sie den renommierten Praemium Imperiale Award in Tokio.
https://de.wikipedia.org/wiki/Shirin_Neshat

 
Der Trailer
Nicht unbedingt für schwache Nerven …

 
Sculpture 21st

Sculpture 21st – Shirin Neshat „The Fury“ im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
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Unter dem Titel „Sculpture 21st” präsentiert das Lehmbruck Museum seit 2014, dem 50. Geburtstag des Museums, wechselnde Positionen zur Skulptur des 21. Jahrhunderts. Einige der wichtigsten Bildhauer der Gegenwart, unter ihnen Tino Sehgal, Jeppe Hein, Eija-Liisa Ahtila, Xu Bing, Julian Opie und zuletzt Mona Hatoum präsentierten in der ikonischen Glashalle des Museums ihre Werke und definieren so die Skulptur im 21. Jahrhundert. Dabei werden sowohl dem Museum, der Gesellschaft, aber auch der Kunst selbst Fragen gestellt, auf die es keine einfachen Antworten zu geben scheint.

Sculpture 21st – Shirin Neshat „The Fury“ im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
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Die imposante Nordhalle des Lehmbruck Museums mit ihren an drei Seiten großflächig verglasten Scheibenfronten aus über sieben Meter hohen Glasscheiben bildet die architektonische Schnittstelle zwischen Museum und Öffentlichkeit: Wechselnde monographische Inszenierungen mit Werken international bedeutender Künstler laden den musealen Raum der außergewöhnlichen Museumsarchitektur Manfred Lehmbrucks neu auf und kreieren ein Erfahrungsfeld, das sich in der Wahrnehmung der Betracher realisiert und diese physisch einbezieht. Durch die Glaswände sind die eindrucksvollen Werke auch außerhalb des Museums im Kantpark sichtbar und bilden so die Schnittstelle zwischen Öffentlichkeit und musealem Raum.

 
Impressionen aus „The Fury“ von Shirin Neshat.
Fotos: Petra Grünendahl

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Das Lehmbruck Museum

Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.
Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist das international bedeutendste Museum für Skulptur der Moderne und der Gegenwart in Europa. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

 

Wilhelm Lehmbruck: Der Gestürzte. Foto: Petra Grünendahl.
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben. Das Lehmbruck Museum entstand 1964 nach den Entwürfen von Lehmbrucks Sohn Manfred (1913–1992). Der ab 1983 errichtete Erweiterungsbau wurde 1987 eröffnet.
www.lehmbruckmuseum.de

 

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Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Ein Lieblingsmotiv von Wilhelm Lehmbruck: Mutter und Kind. Foto: Petra Grünendahl.
Sculputre 21st mit Shirin Neshats „The Fury“ ist bis zum 25. August ausgestellt. Noch bis zum 1. September ist die Interaktive Tastausstellung SHAPE! im Lehmbruck Museum zu sehen. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.

 
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70 Prozent), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen im Sozialleistungsbezug.

 
© 2024 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 

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