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Fraunhofer-Studie: Ruhrgebiet erfolgreich bei der grünen Transformation

 
RVR-Regionaldirektor Garrelt Duin fordert langfristige Förderstrategien

Zehn europäische Industrieregionen als Vorreiter der Dekarbonisierung. Foto: RVR.
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Die Frage, wie Europas Industrie klimaneutral werden und gleichzeitig wettbewerbsfähig bleiben kann, ist eine der drängendsten unserer Zeit. Das Ruhrgebiet gehört zu den zehn Regionen in Europa, die trotz ihrer industriellen Prägung entscheidende Fortschritte bei der Dekarbonisierung erzielen. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des Regionalverbands Ruhr (RVR) hat Erfolgsfaktoren identifiziert, die darauf eine Antwort geben.

Zehn europäische Industrieregionen als Vorreiter der Dekarbonisierung
Europas Industrieregionen spielen eine Schlüsselrolle bei der grünen Transformation. Sie stehen unter besonderem Druck, das EU-Ziel der Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen. Im Vorfeld des UN-Klimagipfels COP30 präsentiert die Studie des Fraunhofer ISI zehn Industrieregionen in Europa, die trotz ihrer industriellen Prägung entscheidende Fortschritte bei der Dekarbonisierung erzielen. Neben dem Ruhrgebiet zählen dazu: Flandern, Oberösterreich, Ostmittelschweden, Ostslowenien, Südfinnland, Baskenland, Limburg, West Midlands und Île-de-France. Die zehn Vorreiter wurden unter den europäischen NUTS-2-Regionen sowie Großbritannien und Norwegen anhand klarer Kriterien ausgewählt: der Beschäftigungszahlen
in energieintensiven Branchen, der industriellen Feinstaubemissionen sowie der Zahl der Patente im Bereich grüner Technologien.

Von Europa lernen: Erfolgsfaktoren der grünen Transformation
Die Analyse ergibt ein klares Muster: Der Wandel gelingt dort am besten, wo konkrete, langfristige Strategien von einer starken Allianz aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik getragen werden. Ein weiterer entscheidender Hebel ist eine regionale Steuerung. Sie ermöglicht passgenaue Lösungen vor Ort und treibt deren Umsetzung gezielt voran. Ebenso wichtig sind verlässliche finanzielle und regulatorische Rahmenbedingungen.

„Die EU darf bei der grünen Transformation nicht nachlassen. Im Kampf gegen den Klimawandel und für den Erhalt der industriellen Zukunft Europas brauchen wir mehr Tempo, nicht weniger“, sagt Garrelt Duin, Regionaldirektor des RVR. „In Regionen wie dem Ruhrgebiet beweisen wir, dass Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit kein Widerspruch sind – aber nur, wenn die Politik die richtigen Rahmenbedingungen setzt.“

Das Ruhrgebiet überzeugt als deutscher Vertreter vor allem mit zwei Stärken: einer breit gefächerten Forschungs- und Hochschullandschaft, deren praxisnahe Forschung wichtige Impulse für die industrielle Transformation liefert, sowie einer leistungsstarken Umweltwirtschaft mit über 160.000 Beschäftigten.

Forderungen von RVR-Direktor Duin: keine Klimabremse für die Regionen
„Die Studie macht deutlich: Die grüne Transformation kann gelingen, wenn die richtigen Weichen gestellt werden. Regionale Akteure brauchen jetzt erst recht Rückenwind von EU, Bund und Ländern für ihre Pläne und keine Klimabremse aus der Politik“, fordert RVR-Direktor Garrelt Duin und formuliert auf Basis der Studie sechs konkrete Vorschläge:

  1. Verbindliche und langfristige Strategien für eine klimaneutrale Industrie über Legislaturperioden hinaus – mit klaren Zielen, Maßnahmen und einem verlässlichen Rechtsrahmen, der Investitionen absichert
  2. Gezielte Förderung von Forschung, Entwicklung und Technologietransfer durch stärkere Vernetzung von Wissenschaft, Industrie und Start-ups in den Schlüsseltechnologien Kreislaufwirtschaft, Wasserstoff, Bioökonomie und Digitalisierung
  3. Mehr Entscheidungsspielräume für regionale Akteure und damit politische und finanzielle Autonomie, um maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln – von Förderprogrammen bis zu Investitionsanreizen
  4. Einfacherer und direkter Zugang zu EU-Fördermitteln, zum Beispiel durch sektorübergreifende Programme und direkte Mittelzuweisung an regionale Akteure
  5. Qualifizierungsoffensive für die grüne Industrie über ein europäisches Weiterbildungsprogramm für MINT, Energietechnik und Kreislaufwirtschaft
  6. Beschleunigter Aufbau der Wasserstoffwirtschaft durch verbindliche Ausbauziele bis 2030 für die Erzeugung, Speicherung und den Transport – abgestimmt auf industrielle Bedarfe

Methodik der Studie

Für die Studie „Europäische Industrieregionen in der grünen Transformation“ hat das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) alle europäischen NUTS-2- Regionen sowie Großbritannien und Norwegen analysiert und zehn Vorreiterregionen identifiziert. Zu den Auswahlkriterien zählten zum Beispiel eine überdurchschnittliche Spezialisierung in energieintensiven Branchen, eine vergleichsweise geringe Luftverschmutzung als Indikator für Emissionsfortschritte sowie eine hohe Patentaktivität bei grünen Technologien.

 
Regionalverband Ruhr (RVR)
Der Regionalverband Ruhr (RVR) als Zusammenschluss von elf kreisfreien Städten und vier Kreisen hat den gesetzlichen Auftrag, die Gestaltung des Ruhrgebiets voranzutreiben. Er wurde am 5. Mai 1920 als Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (SVR) gegründet und hat somit im Jahr 2020 sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Sein erster Verbandsdirektor Robert Schmidt (1869-1934) gilt als der Vater der Regionalplanung. Er legte bereits 1912 einen Generalsiedlungsplan für das Ruhrgebiet vor, der später Grundlage für die überörtliche Planung von regionalen Grünzügen, Verbandsstraßen wie dem Ruhrschnellweg und den Revierparks werden sollte. Seit April 2024 ist Garrelt Duin als Regionaldirektor des Verbandes Nachfolger von Karola Geiß-Netthöfel, die die Geschicke des Verbandes von 2011 bis 2024 leitete.

Die gesetzliche Zuständigkeit des Verbandes für die Landesplanung fürs Ruhrgebiet wurde 1975 eingeschränkt, als Staatliche Regionalplanung jedoch 2009 zurück übertragen. Damit endete die drei Jahrzehnte dauernde planerische Dreiteilung des Ruhrgebiets (auf die Regierungsbezirke Düsseldorf, Münster und Arnsberg). Verbunden mit Änderungen des Gesetzes über den Verband änderte sich auch sein Name: 1979 wurde der SVR in Kommunalverband Ruhrgebiet (KVR) umbenannt, seit 2004 heißt der Verband Regionalverband Ruhr (RVR). Das Jubiläumsjahr 2020 war gleichzeitig das Jahr, in dem zum ersten Mal das Ruhrparlament als Verbandsversammlung von den Bürgern der Metropole Ruhr direkt gewählt wurde. Es beschließt über die Arbeit des Verbandes.

Rund 480 Mitarbeiter des Regionalverbandes Ruhr (RVR) planen und entwickeln die Region, managen Infrastrukturprojekten wie Route Industriekultur und Emscher Landschaftspark, das regionale Radwegenetz sowie Wald- und Grünflächen. Auf allen relevanten regionalen Handlungsfeldern agiert der Verband entweder als Netzwerker, Koordinator, Impulsgeber, Dienstleister oder Projektträger für das Ruhrgebiet. Ziel ist es, die grünste Industrieregion der Welt zu werden. Zu seinen wichtigsten Gesellschaften gehören u .a. die Ruhr Tourismus GmbH (RTG) und die Business Metropole Ruhr GmbH (BMR).
Regionalverband Ruhr (RVR)

 

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