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Zum Volkstrauertag: Gedenkfeier auf dem Waldfriedhof für die Opfer des Naziregimes

 
Die Gedenkfeier für die Opfer des Naziregimes findet statt
am Volkstrauertag 2025, 16. November, 11 Uhr,
in der Trauerhalle des Waldfriedhofs,
Düsseldorfer Str. 601, 47055 Duisburg.

 
Thema der Gedenkfeier: „Im Fadenkreuz des Faschismus: Bildung und Aufklärung“

Das Mahnmal der VVN auf dem Waldfriedhof markiert ein Massengrab. Foto: VVN-BdA.
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  • Der Fall Reinhold Meves und der „Aufbruchkreis“ in Duisburg
  • Angriffe auf Universitäten und Ärzte in Gaza
  • Wissenschaftsfeindlichkeit als Regierungspolitik von MAGA (alias Trumpismus)

Der Vortrag – gelesen vom Schauspieler Patrick Dollas – enthält Zitate

  • aus „Tatort Duisburg“ Bd. 1 und 2 (zu Reinhold Meves),
  • aus den „Briefen aus Jerusalem“ in der „Jungen Welt“ und
  • aus Presseartikeln über Trump.

Der Vortrag wird mit Liedern und Instrumentalmusik begleitet. Anschließend geht es zum Ehrenmal der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes –
Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) für die Opfer des Faschismus zur Kranzniederlegung (hinterer Eingang Wedauer Straße/Im Königsbusch) mit dem gemeinsamen Singen des Moorsoldatenliedes („Lied der Moorsoldaten“).

 
In diesem Jahr erinnert die VVN-BdA an Reinhold Meves (auf dem Grabstein steht Mewes), der im Alter von 42 Jahren zum Tode verurteilt und am 13. Dezember 1943 in Brandenburg hingerichtet wurde. Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof in Wanheimerort. Sein Stolperstein liegt auf der Düsseldorfer Straße im Dellviertel.

 
Wer ist Reinhold Meves (Mewes)?

Grabstein des Reinhold Meves (Mewes) auf dem Waldfriedhof. Foto: VVN-BdA.
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In Wien 1901 geboren zieht er mit der Familie als Kind nach Duisburg, wo der Vater als Ingenieur arbeitet. Er besucht das Steinbart-Gymnasium, lernt als Schüler Bergsteigen. Reinhold Meves geht in den Bergbau, wird Steiger, arbeitet zuerst in Aachen und schließlich auf der Zeche Neumühl in Duisburg. Reinhold Meves entspricht dem Idealbild der „nordischen Rasse“. Groß, schlank, blond, blauäugig, sportlich, wenn er nicht einen Fehler hätte: er ist Kommunist. Sein Weg in die KPD ist charakteristisch für die Zielgruppe der „Aufbruchkreise“. Zunächst als „bürgerlicher Aktivist“ in der Jugendorganisation der „Deutschen Volkspartei“ wird die Zeit der großen Erwerbslosigkeit entscheidend für sein neues politisches Engagement. Er sucht Antworten auf viele Fragen und findet sie über die von Wolfgang Langhoff und Genossen 1931 in Düsseldorf gegründete „Gesellschaft zur Organisierung sozialwissenschaftlicher Vorträge – kurz GESOV“, die in Düsseldorf einen großen Zulauf hat.

Anfang 1932 wird er Mitglied der KPD und organisiert im Mai/Juni 1932 die „Hungerdemonstrationen“ in Hamborn mit. Bei einer solchen Demonstration erstürmen Erwerbslose einen Konsumladen und der Arbeiter Fritz Perlich wird von einem Polizisten erschossen. Reinhold Meves entwaffnet in dem Laden einen nichtuniformierten Polizisten und wird dafür wegen „schweren Landfriedensbruchs“ zu acht Monaten Gefängnis verurteilt.

Zur gleichen Zeit wie die GESOV entstehen ab Juni 1931 die so genannten „Aufbruchkreise“, Bildungs- und Diskussionsforen um die Zeitschrift „Aufbruch“, die von ehemaligen Offizieren und abtrünnigen Nazis getragen wird. Herausgeber ist Dr. jur. Josef (Beppo) Römer. Meves hat keine Berührungsängste und diskutiert bis 1933 mit Angehörigen und Sympathisanten der NSDAP, um sie abzuwerben.

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Der „Aufbruchkreis“
Der Aufbruch-Kreis in Duisburg wird Reinholds wichtigstes Betätigungsfeld. Er leitet ihn.

„Im Februar 1933 zählte der Duisburger Aufbruch Kreis etwa 500 Mitglieder. Seine Veranstaltungen waren gut besucht und Zielscheibe von NS-Störmanövern. „Im Parkhaus“, erinnert sich Max Miklowait aus Hochfeld, „konnten wir im Januar 1933 noch einmal eine große Versammlung abhalten, die sehr gut besucht war. Die Tanzfläche war dicht besetzt. Das Publikum setzte sich aus dem Bürgertum Duisburgs zusammen. Die Männer trugen zu ihren gepflegten Anzügen dunkelrote Krawatten oder Halstücher, um damit zu zeigen, dass sie keine Nazis seien. … Es wurden außerordentlich gute Vorträge gehalten, die sehr informativ waren und den Blick auch über die Grenzen hinaus schärften… Die Nazis konnten die Veranstaltung wegen des Saalschutzes nicht stören, aber die faschistische ‚Nationalzeitung‘ schrieb am nächsten Tag: „Die rosaroten Salon-Bolschewisten haben wieder einmal getagt“.

In der Tat verfolgten die Nazis die Veranstaltungen des „Aufbruchkreises“ mit besonderem Hass und Spott; die Mitglieder wurden als „intellektuelle Sowjet-Juden“, „bolschewistische Aufbruch- Juden“ oder „marxistische Untermenschen“ verhöhnt. Antikommunistische Hetze und antisemitischer Rassenwahn verbanden sich in den Artikeln der „Nationalzeitung“ gegen den „Aufbruchkreis“. Wie lässt sich diese zynische Kampagne erklären? Die Nazis sahen im „Aufbruchkreis“ eine ernstzunehmende Konkurrenz.“

Reinhold Meves sagte gegenüber der Gestapo aus: „Der Aufbruchkreis bezweckte die Sammlung bürgerlicher Aktivisten, deren Trachten nach Änderung der bestehenden Verhältnisse durch eine nationale und soziale Revolution ging. Die Hauptträger waren frühere Offiziere und bekannte Persönlichkeiten, die zuvor in den Rechtsparteien gewirkt hatten.“

Der „Aufbruchkreis“ organisierte Soldaten, Freikorps-Anhänger, Beamte und so weiter, also Schichten, die in der Regel für NS-Parolen anfällig waren. Systematisch betrieb Reinhold Meves, Leiter des Duisburger „Aufbruchkreises“ Abwerbearbeit in den Reihen der Nazis selbst: er diskutierte mit HJ- und SS- Mitgliedern und war regelmäßig Gast im Heim einer nationalsozialistischen Gruppe, die sich „Werwölfe“ nannte. Als die Nazis allerdings Veranstaltungen des „Aufbruchkreises“ zu stören versuchten, wurden sie nicht mehr eingeladen; die Teilnahme wurde ihnen vielmehr verboten. Zusehends gewann der „Aufbruchkreis“ an Einfluss in Duisburg. Prominente jüdische Bürger schlossen sich an, unter anderem, weil die von der KPD gegründete Organisation jede Form von Rassismus bekämpfte.“ (zit. aus Tatort Duisburg 1933 -1945, Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus, herausgegeben von Manfred Tietz und Rudolf Tappe, Klartext Verlag Essen 1989, Bd. 1, S. 349)

 
Die Zeit des Nazi-Regimes
Die Geschichte geht weiter: Im Januar 1933 gibt es in 31 Städten Aufbruch-Kreise, in Duisburg etwa 400 Abonnenten der Zeitschrift „Aufbruch“. Die Nazis verfolgen nach der Machtübertragung durch Hindenburg sofort die Mitglieder der Aufbruchkreise, besonders die jüdischen Intellektuellen. Bereits im Fokus der Nazis flüchtet Reinhold Meves nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 nach München, wo seine Eltern mittlerweile leben, und schließt sich dort dem Widerstand an.

Die Gruppe fliegt 1935 auf und Meves wird zu Gefängnis verurteilt, ist anschließend bis zum April 1939 „Schutzhäftling“ im KZ Dachau. Die Rückkehr nach Duisburg ist kurz, Meves arbeitet auf der Zeche Zollverein, beschließt nach dem Beginn des 2. Weltkriegs über die Alpen nach Frankreich zu emigrieren. Das Exil verbringt er als Arbeiter im Elsass, aber der deutsche Überfall auf Frankreich bringt die sich im Exil befindlichen Deutschen zusätzlich unter Druck. Wegen der verhängnisvollen Fehleinschätzung des Nichtangriffspaktes zwischen Deutschland und der Sowjetunion entschließen sich viele der „Illegalen“ nach Deutschland zurückzukehren. Auch Meves, der für „Passvergehen“ wieder ins Gefängnis muss. Er steht nach der Entlassung unter dauernder Überwachung der Gestapo. Seine vorsichtigen Versuche, alte Verbindungen wieder zu knüpfen und den „Aufbruchkreis“ in anderer Form zu aktivieren, scheitern am Verrat des „V- Manns 49“. Er wird erneut verhaftet. Mit ihm beginnt eine Verhaftungs- und Hinrichtungswelle von Menschen, die heute dem Widerstand der Uhrig-Römer-Gruppe zugerechnet werden.

Der Volksgerichtshof in Berlin verurteilt Reinhold Meves am 2.November 1943 zum Tode. Im Urteil wird er beschuldigt, „in den Diensten einer Kommunistischen Organisation, fortgesetzt Hochverrat vorbereitet, den Feind begünstigt und Wehrkraftzersetzung betrieben zu haben“, … „der Angeklagte ist ein hartnäckiger und unbelehrbarer Kommunist. Weder die gegen ihn verhängten Strafen noch die mehrfach, zum Teil ausgedehnte Schutzhaft haben ihm Veranlassung zur inneren Einkehr gegeben.“ Es gipfelt in dem Satz: „Ein solcher Schädling muss zum Schutz der deutschen Volksgemeinschaft ausgemerzt werden …“

Am 24. Dezember 1943 erfahren die Eltern von der Hinrichtung ihres Sohnes. Sie nehmen sich daraufhin das Leben.
VVN-BdA Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes –
Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten

 

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