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Niederrheinische IHK präsentiert Konjunkturbarometer Rheinland

 
Lage vieler Unternehmen verschlechtert sich:
Wirtschaft im Rheinland braucht echte Reformen

Von Petra Grünendahl

Dr. Stefan Dietzfelbinger ist Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK. Foto: Michael Neuhaus / Niederrheinische IHK.
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Vor gute einem halben Jahr wer die neue Bundesregierung mit einem Vertrauensvorschuss aus der Wirtschaft gestartet. Nun urteilen die Unternehmen: Da kommt zu wenig, zu verzagt! Viele Betriebe hatten sich mehr erhofft. Von den bisherigen Reformen kommt bei der Wirtschaft zu wenig an. Die Großindustrie streicht Stellen, kleine und mittelständische Betriebe schließen ganz. Das und fehlende Investitionen belasten die ganze Region, wie das Konjunkturbarometer der Industrie- und Handelskammern im Rheinland zeigt. Besonders wichtige Grundstoffindustrien leiden: Stahl- und Chemieprodukte lassen sich schlecht verkaufen, weil die Produktionskosten zu hoch sind. Bürokratie, Energiepreise und marode Straßen bremsen die Wirtschaft. Die Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen sinkt. Das neue Konjunkturbarometer sei eine deutliche Mahnung an die Bundesregierung: „Jeder vierte Betrieb will Beschäftigte entlassen. Jeder Dritte will weniger investieren. Das zieht andere mit in den Abwärtsstrudel“, warnte Dr. Stefan Dietzfelbinger. Die Abwarte-Taktik der Politiker sei eine Illusion: Die Wirtschaft könne nicht mehr warten!

 

Ocke Hamann (l.), Geschäftsführer für Wirtschaft und Konjunktur, und Stefan Dietzfelbinger (r.), Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK. Foto: Jacqueline Wardeski / Niederrheinische IHK.
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Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der in diesem Jahr federführenden Niederrheinischen IHK, stellte die neuesten Ergebnisse der Konjunkturumfrage bei Unternehmen im Rheinland vor. Gemeinsam mit Ocke Hamann, Geschäftsführer für Wirtschaft und Konjunktur, stand er im Pressegespräch Rede und Antwort. Viele Probleme sind hausgemacht: Die hohen Energiekosten belasten vor allem die produzierende Industrie. Eine überbordende Bürokratie mit ihren nicht immer nachvollziehbaren Vorschriften, vielen Formularen und Genehmigungen sind für knapp 60 Prozent der Unternehmen die größte Bremse. Aktuell ist es nur der Staat, der mehr investiert, auch wenn vom Sondervermögen Infrastruktur zu wenig in der Region ankommt. Und für den dringend notwendigen Aufschwung reicht auch das bei weitem nicht. Wichtig wäre, dass die privaten Investitionen anspringen, so Dietzfelbinger: „Unser Konjunkturklimaindex zeigt, wie zurückhaltend die Wirtschaft ist. Er tritt mit 91 Punkten auf der Stelle. Seit mehr als drei Jahren gibt es kaum positive Impulse. Auch, weil die Bürokratie uns im Weg steht. Wir brauchen grundlegende Reformen. Ankündigungen alleine reichen nicht. Wenn unsere Verwaltungen nicht umdenken, wird es nicht gehen. Sie sollten digitaler und kundenfreundlicher werden“, forderte er. Auftragseingänge seien schleppend, erzählte Ocke Hamann: „Tiefbauunternehmen haben zum Teil Kurzarbeit anmelden müssen, weil der Bundeshaushalt noch nicht verabschiedet war und damit die Gelder nicht fließen konnten: Wir müssen die Planungen beschleunigen und das Geld aus dem Sondervermögen auch dort ausgeben, wo es gebraucht wird.“

 

 
 
Strompreise müssen runter, Unternehmen brauchen mehr Freiheiten
„Wir müssen alles tun, um unsere Produktionsketten intakt zu halten. Ein Industrieunternehmen, das seine Tore schließt, kommt nicht mehr zurück. Im Gegenteil: Es zieht weitere mit sich“, so der Hauptgeschäftsführer. Und: „Die Bundesregierung hat ihr Versprechen nicht gehalten, die Stromsteuer für alle zu senken. Besonders der Mittelstand ist enttäuscht. Auch beim geplanten Industriestrompreis bleiben Mittelständler außen vor. Zudem ist es nur eine Brückenlösung – der Strom wird nach drei Jahren wieder teuer. Die Energiepreise müssen aber dauerhaft für alle Betriebe sinken. Hier muss Berlin dringend nachbessern.“

 
Fast jedes zweite Unternehmen sieht im Fachkräftemangel eine Gefahr. Gleichzeitig machen ihnen die gestiegenen Arbeitskosten zu schaffen. Und auch bei der Infrastruktur zeigt sich ein alarmierendes Bild: Marode Verkehrswege, schleppende Genehmigungen und fehlende Digitalisierung gefährden den Standort. All das führe zu einer gefährlichen Mischung: Unternehmen verlieren Vertrauen – in die Zukunft, in die Politik, in die Planbarkeit. „Das Rheinland ist stark. Unsere Unternehmen sind innovativ, anpassungsfähig, bereit für Wandel. Aber sie brauchen endlich die Freiheit, wieder unternehmerisch handeln zu können. Wer Wachstum will, muss Verlässlichkeit schaffen. Wer Transformation will, muss Investitionen ermöglichen. Und wer Wohlstand sichern will, muss die Wirtschaft endlich ernst nehmen“, betonte Dietzfelbinger.

 

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Die Niederrheinische IHK und die IHKs im Rheinland
Die Niederrheinische IHK vertritt das Gesamtinteresse von rund 70.000 Mitgliedsunternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in Duisburg und den Kreisen Wesel und Kleve. Sie versteht sich als zukunftsorientierter Dienstleister und engagiert sich als Wirtschaftsförderer und Motor im Strukturwandel.

 
Zur Gruppe der IHK-Initiative Rheinland zählen neben Duisburg, Wesel und Kleve die Kammerbezirke Krefeld / Mittlerer Niederrhein, Düsseldorf, Wuppertal / Bergisches Land, Aachen, Köln und Bonn / Rhein-Sieg. Seit 21 Jahren arbeiten sie gemeinsam am Konjunkturbarometer Rheinland, für die die Unternehmen in den IHK-Bezirken jeweils zum Jahresbeginn und im Spätsommer befragt werden. Beteiligt hatten sich bei der Umfrage im Herbst 2025 mehr als 2.000 Unternehmen aus der Region. Der Rücklauf aus Industrie, Groß- und Einzelhandel und dem Dienstleistungssektor ermöglichte die Aufschlüsselung der Daten in 17 Einzelbranchen, die ein genaueres Bild der Lage wiedergaben. Das Konjunkturbarometer Rheinland Herbst 2025 gibt es hier zum Download.

 
© 2025 Petra Grünendahl / Rundschau Duisburg (Text)
Fotos: Michael Neuhaus / Niederrheinische IHK (1), Jacqueline Wardeski / Niederrheinische IHK (1)

 

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