Lehmbruck Museum in Duisburg zeigt Lynn Chadwick und Jiří Tichý

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„Biester der Zeit” treffen gewebte Fantasien
Von Petra Grünendahl

Zwei „Biester“ von Lynn Chadwick in der Großen Glashalle. Foto: Petra Grünendahl.
Zu Lynn Chadwicks „Biestern der Zeit“ locken die ersten Skulpturen schon die ankommenden Besucher: Die vier Stahl-Skulpturen in der großen Glashalle sind zum Kantpark hin öffentlich ausgestellt. Die Ausstellung beginnt damit quasi mit dem Spätwerk des Künstlers. Im Anbau mit der großen Wechselausstellungshalle und den offenen Dreiecksräumen ist das Gros der Sonderausstellung angesiedelt: Skulpturen und Zeichnungen vom britischen Bildhauer Lynn Chadwick (1914 – 2003), ein paar Werke seiner Zeitgenossen und die großformatigen gewebtem Fantasien des tschechischen Künstlers Jiří Tichý (1924 – 2013). Der Tscheche bildet mit seinen farbigen, ornamentalen Werken einen gewissen Kontrast zu den – wie ich finde – eher „kühlen“ Figuren aus Edelstahl, Bronze sowie Eisen und Zement, die der Engländer geschaffen hat.

 

Im Pressegespräch (v. l.): Dorothee Mosters (Kunststiftung NRW), Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla, Ulrich Schneidewind (Stv. Vorstand der Sparkasse Duisburg) und Kuratorin Jessica Keilholz-Busch. Foto: Petra Grünendahl.
Im Lehmbruck Museum stellten Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla, Kuratorin Jessica Keilholz-Busch, Dorothee Mosters (Kunststiftung NRW) und Ulrich Schneidewind (Stv. Vorstand der Sparkasse Duisburg), letzte als Vertreter von Sponsoren der Schau, die neue Sonderausstellung vor. Die Werke von Lynn Chadwick umfassen in einer Retrospektive alle Schaffensphasen, den Künstlers, dessen Gesamtwerk in dieser Sonderschau erstmals in diesem Umfang in Deutschland gezeigt wird. Die Chadwick-Retrospektive eine Kooperation mit dem Georg Kolbe Museum und dem Haus am See (beide Berlin), die neben dem Werk auch den Künstler darstellt.
Lynn Chadwick (vorne) und Jirí Tichý (hinten) in den Dreiecksräumen im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
In Ergänzung dazu ist die Werkschau von Jiří Tichý ist eine Präsentation der eigenen Sammlung des Duisburger Skulpturenmuseums, das von Lynn Chadwick lediglich die Figur „Stranger II“ beisteuern konnte, die sich allerdings schon seit den 1960er-Jahren der eigenen Sammlung befindet. Die Ausstellung im Anbau – Sonderausstellungsfläche, Dreiecksräume und Foyer – eröffnet am Samstag, 29. Februar, um 16 Uhr.

 

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Lynn Chadwick: umfassende Retrospektive

Skulptur „Stranger II“ von Lynn Chadwick im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Die Werkschau von Lynn Chadwick zeigt ansonsten Leihgaben – überwiegend aus dem Nachlass des Künstlers (The Estate of Lynn Chadwick). Manche seiner Werke stehen in den großen Museen der Welt, einige – insbesondere großformatige Edelstahl-Skulpturen – auch im öffentlichen Raum, allerdings keine davon in Deutschland. Im Foyer des Anbaus ist in einem Separée ein Film zu Leben und Werk des Künstlers zu sehen, welcher in dessen letzten Lebensjahren entstanden ist. Begleitend zur Ausstellung ist als erste umfassende Publikation zum Gesamtwerk von Lynn Chadwick im deutschsprachigen Raum ein zweisprachiger Katalog (Deutsch, Englisch) im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, erschienen. Außer an der Museumskasse ist das reich bebilderte, 164-seitige Werk auch im lokalen Buchhandel für 28 Euro erhältlich (ISBN 978-3-96098-629-4).

 

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Die Künstler

Lynn Chadwick im Garten von Lypiatt Park, 1966. Foto Maren Werthmann-Heyne.
Lynn Chadwick, geboren 1914 in London, zählt zu den bedeutendsten Bildhauern der britischen Nachkriegsmoderne. Lynn Chadwick war ausgebildeter Architekt und Architekturzeichner, diente im Zweiten Weltkrieg als Pilot in der Royal Navy, bevor es sich schließlich (weil früh sehr erfolgreich) ausschließlich seiner Kunst widmen konnte. Den Landsitz Lypiatt Park (Gloucestershire) kaufte er 1958, später – als der Garten nicht mehr ausreichte – auch das Land drum herum, wo er seine großformatigen Skulpturen platzieren konnte. In seinen Arbeiten verbildlichen sich eine für seine Schaffensjahre oftmals beschriebene charakteristische Mischung aus Zivilisationsmüdigkeit, utopistischer Fortschrittsgläubigkeit und existenzieller Angst, die sich aus der unmittelbar zurückliegenden Kriegserfahrung speiste. 1956 repräsentiert Chadwick zusammen mit dem Maler Ivon Hitchens Großbritannien bei der Biennale von Venedig im britischen Pavillon. Überraschend gewinnt er den internationalen Preis für Skulptur – gegen namhafte Wettbewerber. Im Alter von 88 Jahren stirbt Lynn Chadwick 2003 auf seinem Anwesen Lypiatt Park.

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Jirí Tichý in den Dreiecksräumen im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Jiří Tichý, geboren 1924 im südböhmischen Ort České Velenice, zählt zu den Gründervätern der Neuen Textilkunst der 1960er Jahre, die die Entwicklung dieser Kunstbewegung von Beginn an maßgeblich geprägt haben. Mitte der 1950er Jahre beginnt Tichý als freischaffender Künstler zu arbeiten und realisiert seine Tapisserieentwürfe seit 1959 an einem eigens konstruierten Webstuhl. Ab diesem Zeitpunkt rücken die textilen Arbeiten ins Zentrum seiner künstlerischen Tätigkeit. Darüber hinaus umfasst sein vielseitiges Werk auch experimentelle Serien in Form von Frottagen, Foto- und Textilcollagen, Assemblagen, Objekten und Skulpturen. Anlässlich seines 80. Geburtstages findet im Lehmbruck Museum 2004 eine große Werkschau statt. 2013 verstirbt Tichý in České Budějovice im Alter von 89 Jahren. In seinem mehr als vier Jahrzehnte umspannenden Werk hat er über 200 Tapisserien entworfen und selbst gewebt. Jiří Tichý ist in öffentlichen und privaten Institutionen und Sammlungen in mehreren Ländern Europas, in Japan und Indien, in Kanada und in den Vereinigten Staaten von Amerika vertreten.

 

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Impressionen der Ausstellung von Lynn Chadwick und Jiří Tichý. Fotos: Petra Grünendahl

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Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Skulpturen von Lynn Chadwick im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Die Arbeiten von Lynn Chadwick und Jiří Tichý sind im Anbau (mit ein paar Appetithäppchen in der Glashalle) bis zum 26. Juli zu sehen. Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

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Jirí Tichý in den Dreiecksräumen im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Zu seinen Sonderausstallungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Zu den Highlights zählt hier mit Sicherheit die Themenführung mit der Kuratorin Jessica Keilholz-Busch am Freitag, 6. März, um 15 Uhr (Pay what you want, s. o.). Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier).

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (22), Maren Werthmann-Heyne (1)

 

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