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MKM Museum Küppersmühle zeigt Karin Kneffel: Come in, Look out

Interessante Einblicke durch verregnete Fensterscheiben
Von Petra Grünendahl

Come in, look out: Karin Kneffel im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.
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„Ihre Bilder sind voll von Überraschungen und Geheimnisse“, erklärte Museumsdirektor Walter Smerling. In der Tat gibt es auf den sehr detailreichen neorealistischen Gemälden unterschiedlicher Größen viel zu entdecken in der Darstellung von Räumen. Karin Kneffel (*1957) gewährt Blicke durch Fensterscheiben: Von außen hinein in Häuser und Wohnräume, fast wie ein Voyeur. Aber nach dem Motto „Komm rein, dann kannste rausgucken“ gibt es auch Ausblicke aus dem Innenraum nach draußen. Sie habe teilweise alte Fotografien als Vorlagen für ihre Malerei genommen. „Ich habe aber auch eigene Fotos von Besuchen in Museen, Ateliers und Häusern. Oder Fotos von Kunstwerken in Museen“, erzählte Kneffel. Für ihre Malerei habe sie dann schon mal die Kunstwerke gedreht, die im wirklichen Raum – zum Beispiel im Lehmbruck Museum – nur von hinten zu sehen wären. Das gibt interessante Perspektiven von Räumen, die dem Betrachter bekannt sind. Neben Einblicken in den Lehmbruck-Trakt gibt Kneffel Einblicke in weitere bekannte Locations wie Haus Ester und Haus Lange in Krefeld, deren strenge Bauhaus-Gestaltung von Mies van der Rohe ihrer eigenen Darstellung aus einer zentralen Perspektive (im 90-Grad-Winkel) sehr entgegen kommt.

 

Come in, look out: Karin Kneffel (m.) beim Pressegespräche mit Kay Heymer (l.) und Walter Smerling (r.) im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.
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Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM) im Duisburger Innenhafen zeigt eine Werkschau der deutschen Künstlerin Karin Kneffel. Walter Smerling stellte die Sonderausstellung zusammen mit Karin Kneffel und Kurator Kay Heymer vor. Mit über 70 Gemälden und einer Serie von Aquarellen offenbart die Ausstellung ungewohnte architektonische Bezüge in Kneffels Arbeiten sowie ihren vielschichtigen Umgang mit dem zentralperspektivischen Blick in der Malerei. Die Übersichtsausstellung im MKM gibt Besuchern die Gelegenheit, das vielschichtige Schaffen von Karin Kneffel aus den vergangenen 25 Jahren zu erleben. Die Ausstellung spannt einen Bogen von persönlichen Beobachtungen bis hin zu kunsthistorischen Inspirationsquellen. Mit ihren variantenreichen Darstellungsmitteln schafft Karin Kneffel eine Mehrdimensionalität in ihren Werken, welche Betrachter dazu einladen, die Grenzen der eigenen Wahrnehmung zu hinterfragen. Die Malerei wird dabei einerseits als Fenster zu einer sorgfältig konstruierten Welt lesbar und wirkt andererseits als Spiegel, der die Konstruktion der Realität selbst reflektiert.

 

 
 
Die Künstlerin und der Katalog

Come in, look out: Karin Kneffel (m.) beim Pressrundgang im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.
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Karin Kneffel wurde 1957 in Marl im nördlichen Ruhrgebiet geboren. Sie studierte von 1977 bis 1981 Germanistik und Philosophie an der Westfälischen Universität Münster und an der Uni-Gesamthochschule Duisburg (heut: Universität Duisburg-Essen). Von 1981 bis 1987 studierte sie an der Kunstakademie Düsseldorf bei Johannes Brus, Norbert Tadeusz und wurde schließlich Meisterschülerin bei Gerhard Richter. Verschiedene Stipendien ermöglichten ihr künstlerische Aufenthalte unter anderem in Paris oder Rom.

„Die Malerin Karin Kneffel zählt zu den wichtigen Vertreterinnen des Neorealismus. Ihre fotorealistisch anmutenden Bilder verbinden Realismus und Surrealismus. In ihren Bildern zeigt sie Alltägliches, das durch Spiegelungen und Überlagerungen eine zweite Ebene erhalten. Wie flüchtige Momente erinnern ihre Szenerien an Traumartiges.“
Ralph Goertz, Institut für Kunstdokumentation und Szenografie

Come in, look out: Karin Kneffel im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.
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1995 übernahm Kneffel einen Lehrauftrag an der Sommerakademie Augsburg. 1998 wurde sie als Gastprofessorin an die Hochschule für Künste Bremen und 2000 an die Kunstakademie Islands in Reykjavík eingeladen. Von 2000 bis 2008 hatte sie eine Professur für Malerei an der Hochschule für Künste Bremen inne. Seit 2008 ist sie Professorin an der Akademie der bildenden Künste in München. Kneffel war Mitglied im Deutschen Künstlerbund. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf.
www.kneffel.de

 
Zur Ausstellung ist ein umfassender Katalog im Schirmer/Mosel Verlag erschienen: Mit einem Vorwort von Museumsdirektor Walter Smerling, einen Geleitwort von Thomas A. Lange (National-Bank), Beiträgen von Ulrich Wilmes und Kurator Kay Heymer sowie einem Interview mit Walter Smerling und Karin Kneffel. Der reich bebilderte, zweisprachige Katalog (dt.-engl.) ist für 40 Euro an der Museumskasse erhältlich (ISBN 978-3-8296-1016-2).

 

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Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

Come in, look out: Karin Kneffel im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.
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Die Ausstellung von Karin Kneffel ist noch bis zum bis zum 1. September 2024 in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 8 Euro (ermäßigt 4 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 14 Euro (ermäßigt 7 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 22 Euro für das ganze Haus. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Der Besuch der Aussichtsplattform ist gegen Aufpreis von 4 Euro beim Besuch des gesamten Hauses zubuchbar. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.

 

Come in, look out: Karin Kneffel im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.
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Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Durch die Wechselausstellung gibt es mittwochs zwischen 15 und 16 Uhr die Führung „KunstMittwoch“. Beide Führungen sind im Eintritt enthalten. Zu den Ausstellungen bietet das MKM zudem immer wieder Themenführungen, Künstlergespräche oder Sonderformate an. So gibt es zum KunstMittwoch jeden Mittwoch zwischen 15 und 16 Uhr Führungen durch die Ausstellung von Karin Kneffel. Familienführungen gibt es alle zwei Wochen sonntags (9. und 23. Juni, 7. und 21. Juli, 4. und 18. August sowie 1. September) von 13:30 bis 14:30 Uhr. Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de). Hier findet man zu Corona-Maßnahmen.

 

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Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst

Come in, look out: Karin Kneffel im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.
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Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im April 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2004/2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Kunst seit 1945. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau geplant: Zunächst als ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung (Baubeginn war 2016): Der Erweiterungsbau wurde im September 2021 eröffnet. Seitdem sind im MKM in 42 Räumen auf gut 5.000 Quadratmetern etwas 320 Werke als Highlights aus der Sammlung Ströher in der Dauerausstellung zu sehen. Die Sammlung ist um ein mehrfaches größer: Schließlich sammelt das Darmstädter Ehepaar ja schon seit Mitte der 1980er-Jahre – und immer noch weiter. Der Fokus liegt auf Malerei, aber auch Skulptur, Installation und Fotografie sind vertreten. Die Sammlung umfasst zentrale Positionen der Kunstentwicklung in Deutschland, von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die Gegenwart.

 
Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst als Standort der Sammlung Grothe wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die umfangreiche Sammlung, die heute dem Kunstsammler-Ehepaar Ströher aus Darmstadt gehört, im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling.

 
© 2024 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 

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