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Lehmbruck Museum in Duisburg zeigt Gormley / Lehmbruck: Calling on the Body

Der Mensch auf sein innerliches Wesen reduziert
Von Petra Grünendahl

Antony Gormley (r.) und Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla (l.) mit Field (1984-85). Foto: Petra Grünendahl.
„Was ist der Mensch?”, fragt Antony Gormley (*1950 in London) in seinen Werken. Er idealisiert Körper nicht, sondern universalisiert den Menschen. Gormley übersetzt Momente von gelebter Zeit und subjektiver Erfahrung in Skulpturen, die in ihrer äußeren Form ihre Innerlichkeit andeuten und Empathie erzeugen. Aufgewachsen sei er mit Minimalismus und Konzeptualismus, erklärte der Künstler: Das spiegelt sich auch in seinen Werken. Seine Körper sind reduziert bis transparent gestaltet und sind Interpretationen von Form und Wesen. Seine Werkschau, die Ronja Friedrich kuratiert hat, macht sich in der Präsentation der Werke auch die Transparenz und Offenheit der Museumsarchitektur zu nutze. Besuchern werden von außen vom Kantpark – zum Beispiel an der großen Glashalle, aber auch an Seitenfenstern im Lehmbruck-Flügel Einblicke gewährt, die sie zu Museumsbesuchern werden lassen, auch wenn sie gar nicht reingehen.

 

Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla (r.) und Antony Gormley (l.). Foto: Petra Grünendahl.
Das Lehmbruck Museum zeigt die bislang größte Ausstellung des britischen Bildhauers Antony Gormley in Deutschland. Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla stellte die Ausstellung zusammen mit dem Künstler und Sponsoren vor. International bekannt ist Gormley als einer der wichtigsten und einflussreichsten Bildhauer der Gegenwart: Ein langjähriger Bewunderer der Werke Wilhelm Lehmbrucks, deren Innerlichkeit, Ausgeglichenheit, Ruhe und deren reflexiven Potenzials ihn beeinflusst haben. Angelegt ist die über das ganze Haus verteilte Ausstellung als Dialog zwischen den beiden Künstlern: Sie zeigt Schlüsselwerke der beiden Künstler, die sie mit fast einem Jahrhundert Abstand voneinander schufen. Die Werkschau zieht Parallelen zwischen Gormley und Lehmbruck, die beide den Körper als Ort der Transformation hin zu einem Zustand des reinen Seins und der stillen Kontemplation begreifen. Die Ausstellung wird gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Landschaftsverband Rheinland (LVR), der Kulturstiftung der Länder, der Sparkasse Duisburg, der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland und der Duisburger Hafen AG (duisport). Ab Freitag, 23. September, ist die Schau öffentlich zugänglich.

 

 
Die Ausstellung und der Künstler

Antony Gormley: Allotment II (1996). Foto: Petra Grünendahl.
Die ausgewählten Arbeiten spiegeln die große Bandbreite von Antony Gormleys Schaffen aus über 40 Jahren, von den bahnbrechenden frühen Bleiarbeiten zu der neueren Serie „Slabworks“, die den Körperraum in Architektur verwandelt. Zum ersten Mal seit über 10 Jahren wird „Allotment II“ (1996) der Öffentlichkeit präsentiert, eine raumgreifende Installation aus 300 lebensgroßen Betonbunkern, die nach den Körpermaßen von 300 verschiedenen Personen gefertigt wurden. Im gläsernen Atrium des Lehmbruck-Flügels schwebt mit „Drift VI“ (2010) eine durchsichtige, feine stählerne Drahtskulptur, die wie eine dreidimensionale Zeichnung im Raum erscheint. Insgesamt geben 14 Skulpturen und Installationen, 111 Modelle, 35 Zeichnungen und mehr als 260 Workbooks Antony Gormleys einen aktuellen und umfassenden Einblick in seine „Bildhauerei als physisches Denken.“

Footpath (1980/2020): Antony Gromley im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Der Bildhauer Antony Gormley ist Sohn einer deutschen Mutter und eines irischen Vaters. Aufgewachsen ist er in Yorkshire im Norden Englands. Zunächst studierte er Archäologie, Völkerkunde und Kunstgeschichte in Cambrigde, bevor er durch Indien und Sri Lanka reiste. Sein Kunststudium absolvierte er in den 1970er-Jahren in London. 1985 stellte er erstmals in Deutschland, 2014 das erste Mal im Lehmbruck Museum aus. Seine Arbeiten sind in Ausstellungen und als Teil von privaten und öffentlichen Sammlungen, in Museen und im öffentlichen Raum weltweit zu sehen. Seit einigen Jahren steht eines seiner Werke in der Sammlung des Lehmbruck Museums. Seine Skulpturen, Installationen und öffentlichen Kunstwerke untersuchen die Beziehung des menschlichen Körpers zum Raum. Gormley, der mit der britischen Malerin Vicken Parsons verheiratet ist, lebt und arbeitet in London.

 

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Das Lehmbruck Museum

Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.
Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

 
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.

 

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Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Antony Gromley im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Die Ausstellung „Gormley / Lehmbruck: Calling on the Body“ ist bis zum 26. Februar 2023 auf über 3.000 Quadratmetern im ganzen Haus verteilt zu sehen. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Reflection II (2008):Antony Gromley im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Zu den Highlights zählt hier mit Sicherheit das Künstlergespräch am Donnerstag, 24. November, um 18 Uhr, sowie die Kuratorinnenführungen am Donnerstag, 27. Oktober (18 Uhr), mit Dr. Söke Dinkla sowie am Sonntag, 22. Januar (15 Uhr), mit Ronja Friedrich. Für die Teilnahmen muss man sich anmelden, die Events kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt. Am Donnerstag, 2. Februar (18 Uhr ), ist Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer zum Gespräch über das „Mensch sein” im Lehmbruck Museum zu Gast (Teilnahme nach Anmeldung: 5 Euro). Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.

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Aktuelle Informationen zu Corona-Schutzmaßnahmen gibt es hier .

 
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70 Prozent), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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