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Deutsche Oper am Rhein: „Jenůfa“ von Leoš Janáček feierte Premiere im Theater Duisburg

Eine Frau, zwei Brüder und ein heimliches Kind
Von Petra Grünendahl

Jacquelyn Wagner (Jenufa), Jussi Myllys (Števa Buryja). © Barbara Aumüller.
Jenůfa (Jacquelyn Wagner) ist schwanger. Kindsvater Štewa Buryja (Jussi Myllys), ein Ziehsohn der wohlhabenden Mühlenbesitzerin Buryja (Stefanie Schaefer), soll Soldat werden, kann sich aber frei kaufen. Nun könnte er Jenůfa heiraten, will aber von seinem Heiratsversprechen nichts mehr wissen. Nachdem Jenůfa im Geheimen ihr Kind auf die Welt gebracht hat, bangt ihre Stiefmutter (Rosie Aldridge), die Küsterin des Dorfs, um ihren Ruf.
Jacquelyn Wagner (Jenufa), Giorgi Sturua (Laca Klemen). © Barbara Aumüller.
Štewas Ziehbruder Laca Klemeň (Giorgi Sturua) liebt das Mädchen seit langem und möchte sie heiraten, aber sie hat nur Augen für Štewa. Aus Eifersucht hatte er ihr Gesicht entstellt. Die Küsterin klärt Laca über Jenůfas Umstände auf: Heiraten will er sie trotzdem, aber nicht das Kind seines verhassten Bruders großziehen. Die Küsterin erkennt das Kind als Hindernis für Jenůfas Zukunft, erzählt Laca, es sei gestorben, – und bringt es dann um. Den Vater des Kindes verflucht sie. Auch wenn Jenůfa noch nicht ganz überzeugt ist, willigt sie in die Hochzeit ein, nachdem Štewa sich mit der Tochter des Dorfrichters, Karolka (Lavinia Dames), verlobt hat. Kurz vor der Trauung von Jenůfa und Laca findet man die Leiche, die Jenůfa als ihren Sohn erkennt. Die Dorfgemeinschaft verdächtigt Jenůfa des Mordes, bis die Küsterin ein Geständnis ablegt. Jenůfa erkennt ihre wahre Liebe und heiratet Laca. Karolka verlässt Štewa, als sie erfährt, dass er der Vater ist.

 

Stefanie Schaefer (Die alte Buryja), Jussi Myllys (Števa Buryja), Jacquelyn Wagner (Jenufa), Günes Gürle (Altgesell), Chor der Deutschen Oper am Rhein. © Barbara Aumüller.
Eine viel umjubelte Premiere feierte im Theater Duisburg die Oper „Jenůfa“ des tschechischen Komponisten Leoš Janáček: Mit minutenlangem, teils stehenden Beifall feierte das Publikum zu Recht eine herausragende Inszenierung mit ganz fantastischen Akteuren. In seiner berühmtesten Oper lotet Janáček psychologische Extremzustände zwischen den engstirnigen Moralvorstellungen auf dem Dorf und der Ohnmacht der Charaktere aus. Die Oper „Jenůfa“ hatte 1904 ihre Uraufführung in Brünn (Mähren) am Tschechischen Nationaltheater gefeiert, aber erst eine 1916 in Prag aufgeführte modifizierte Version wurde auf breiter Front wahrgenommen. Tatjana Gürbaca setzt hier erneut eine „Frauenoper“ des tschechischen Komponisten in Szene – bereits die zweite an der Deutschen Oper am Rhein nach „Katja Kabanova“. Das Prosa-Libretto (nicht, wie sonst üblich, in Versform) schrieb der Komponist nach einem Schauspiel von Gabriela Preisová. Die Inszenierung der Deutschen Oper am Rhein entstand in Koproduktion mit dem Grand Théâtre de Genève. Gesungen wird in tschechischer Sprache, deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Der ca. 2¾-stündige Opernabend in drei Akten (eine Pause) ist empfohlen ab 14 Jahren.

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Hervorragende Inszenierung mit großartigen Akteuren

Jacquelyn Wagner (Jenufa), Rosie Aldridge (Die Küsterin), Giorgi Sturua (Laca Klemen). © Barbara Aumüller.
Auf der Bühne glänzt ein hervorragendes Ensemble aus eigenen Sängern der Deutschen Oper am Rhein zusammen mit hochkarätigen Gastsängern, die alle mit Ausnahmen von Rosie Aldridge (Küsterin) in ihrem Rollen debütierten. Neben den bereits genannten sind dies Günes Gürle (Altgesell), Sami Luttinen (Dorfrichter), Katharina von Bülow (seine Frau), Katarzyna Włodarczyk (Schäferin), Verena Kronbichler (Barena). Bogdana Bevziuk (Jano), Diana Klee (Tante) sowie Mirjana Burnaz und Emanuel Fluck. Grandios präsentierten die Duisburger Philharmoniker mit Siegfried Rivinius an der Solovioline unter der Leitung von Axel Kober die anspruchsvolle und vielfältige Komposition, die in Strecken auch folklorische Elemente enthielt. In großartigen Chorszenen glänzt der Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Gerhard Michalski. Für die folklorischen Kostüme zeichnet Silke Willrett unter Mitarbeit von Carl Christian Andresen verantwortlich. Das schlichte Bühnenbild hat Henrik Ahr entworfen, ins rechte Licht gerückt wurde es von Stefan Bolliger.

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 

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Weitere Termine im Theater Duisburg:

Jacquelyn Wagner (Jenufa), Rosie Aldridge (Die Küsterin). © Barbara Aumüller.
Sa | 20. April 2024 | 19:30 Uhr,
Fr | 26. April 2024 | 19:30 Uhr,
Do | 9. Mai 2024 | 18:30 Uhr,
Sa | 11. Mai 2024 | 19:30 Uhr und
So | 19. Mai 2024 | 15:00 Uhr.

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Deutsche Oper am Rhein

Sami Luttinen (Dorfrichter), Giorgi Sturua (Laca Klemen), Verena Kronbichler (Barena), Jacquelyn Wagner (Jenufa), Rosie Aldridge (Die Küsterin), Damenchor der Deutschen Oper am Rhein. © Barbara Aumüller.
Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

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Katarzyna Wlodarczyk (Schäferin), Günes Gürle (Altgesell), Jacquelyn Wagner (Jenufa), Lavinia Dames (Karolka), Chor der Deutschen Oper am Rhein. © Barbara Aumüller.
Tickets kosten zwischen 17,00 und 69,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt.

 
© 2024 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Barbara Aumüller

 

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