Deutsche Oper am Rhein: Johann Strauß’ „Die Fledermaus“ begeisterte im Theater Duisburg

Schein und Sein: Verwirrungen und Gelüste
Von Petra Grünendahl

Anke Krabbe (Rosalinde), Ovidiu Purcel (Alfred). FOTO: Hans Jörg Michel.
Anstatt ins Gefängnis zu gehen und seine achttägige Strafe abzusitzen, überredet Dr. Falke (Kay Stiefermann) seinen Freund Gabriel von Eisenstein (Norbert Ernst), mit ihm auf ein Fest von Prinz Orlofsky (Kimberley Boettger-Soller) zu gehen, das ausschweifende Vergnügungen verspricht. Eisensteins Frau Rosalinde (Anke Krabbe) nutzt die Gelegenheit der Haftstrafe ihres Mannes, Hausmädchen Adele (Heidi Elisabeth Meier) den Abend frei zu geben – und sich mit ihrer Jugendliebe, dem Tenor Alfred (Ovidiu Purcel), zum Stelldichein zu treffen. Der neue Gefängnisdirektor Frank (Thorsten Grümbel) will Eisenstein als erste Amtshandlung persönlich ins Gefängnis bringen, erwischt aber Alfred im Morgenrock des Hausherren. Dieser landet im Gefängnis, bevor sich Frank aufmacht zum Maskenball Orlofskys. Mit Ausnahme des gefangen gesetzten Alfred treffen sich alle Akteure auf dem Maskenball des mysteriösen Russen: Verkleidet und maskiert posieren sie als jemand anders als sie in der Realität sind: Mehr Schein als Sein.

Kay Stiefermann (Dr. Falke), Kimberley Boettger-Soller (Prinz Orlofsky). FOTO: Hans Jörg Michel.
Im Theater Duisburg begeisterte „Die Fledermaus“ von Walzerkönig Johann Strauß (1825–1899). Die komische Operette in drei Akten basiert auf der französischen Komödie „Le Réveillon“ von Henri Meilhac und Ludovic Halévy. Den Opern-Text von Richard Genée hat Karl Haffner für die deutschsprachige Oper bearbeitet. Gesungen wird in deutscher Sprache, Übertitel helfen beim Verständnis der Handlung. Die sehr ausschweifende französische und laszive Komödie haben Strauß und Haffner für das Wiener Publikum ein wenig zurückgenommen. Dennoch wirken die beschwingten Weisen mitunter frivol: Johann Strauß junior war ein Zugpferd, das dem Publikum im Theater an der Wien zur Uraufführung 1874 schöne Stunden und eine Ablenkung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bieten sollte. Das Publikum begeisterte sich – damals wie heute – zu Recht für den Stoff, der hier in der modernen Inszenierung von Axel Köhler einen gut 3¼-stündigen Opernabend (eine Pause) vom Allerfeinsten bot.

Ausschweifungen auf dem Maskenball des Prinzen Orlofsky

Anke Krabbe (Rosalinde), Norbert Ernst (Gabriel von Eisenstein). FOTO: Hans Jörg Michel.
Der Alkohol fließt in Strömen, es wird gefeiert und geflirtet. Alle spielen Rollen und geben vor, ganz jemand anders zu sein: Marquis Renard versucht, die ungarische Gräfin zu verführen (die Eisensteins), Chevalier Chagrin (Gefängnisdirektor) und die Künstlerin Olga (Adele). Keiner weiß, mit wem er es wirklich zu tun hat. Seine Maske legt keiner ab. Der von sehr viel Champagner sehr angeheiterte Gabriel von Eisenstein gibt die Geschichte zum Besten, wie er nach einem Faschingsball seinen damals sturzbetrunkenen Freund Falke im Kostüm einer Fledermaus öffentlich blamiert hatte. Als das ausgelassene Fest am frühen Morgen endet, verlassen alle unerkannt die Räumlichkeiten des Prinzen.

Anke Krabbe (Rosalinde), Norbert Ernst (Gabriel von Eisenstein), Ovidiu Purcel (Alfred). FOTO: Hans Jörg Michel.
Als Eisenstein am Morgen seine Haftstrafe antreten will, erfährt er, dass er doch schon längst einsitze, wodurch er vom Techtelmechtel seiner Frau erfährt. Herr über die Zellen ist der Justizbeamte Frosch (Wolfgang Reinbacher, Schauspieler am Düsseldorfer Schauspielhaus). Mit Ausnahmen des Tenors, der anstelle Eisensteins einsaß, waren alle Insassen Gäste des Maskenballs. Im Gefängnis fallen schließlich alle Masken, nachdem nach und nach die Gäste des Maskenballs eintreffen: Auch Rosalinde (die ungarische Gräfin) hält ihrem Mann Gabriel nun den Beweis seiner Untreue vor und verlangt die Scheidung. Gabriel von Eisenstein steht schließlich als der Bloßgestellte da, von seinem Freund Dr. Falke vorgeführt: Die Rache der Fledermaus. Gabriel und Rosalinde versöhnen sich wieder: Schließlich war alles nur der Champagner schuld. Es bleibt aber nicht bei dem einen Happy End …

Lokalkolorit in der Inszenierung

Wolfgang Reinbacher (Frosch). FOTO: Hans Jörg Michel.
Maria Perlt (Adele), Thorsten Grümbel (Gefängnisdirektor Frank), Birte Hopstein (Ida). FOTO: Hans Jörg Michel.
Die Melodien des Wiener Walzerkönigs meisterten glänzend aufgelegte Duisburger Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Benjamin Reiners. Die hervorragende Inszenierung von Axel Köhler nahm nicht nur mit seiner schwungvollen Dynamik das Publikum für sich ein, sondern brachte sie mit zahlreichen Duisburger Anspielungen auch zum Lachen. Viel Szenenapplaus belohnte fantastische Akteure, die musikalisch und schauspielerisch in ihren Rollen aufgingen. Die Sänger unterstützten der Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leistung von Patrick Francis Chestnut sowie acht Tänzer mit einer Choreografie von Mirko Mahr. Für Bühne und Kostüme zeichnete Frank Philipp Schlößmann verantwortlich, mit dem Regisseur Köhler schon für frühere Inszenierungen erfolgreich zusammen gearbeitet hatte. In Szene gesetzt hat das Bühnenbild das Lichtdesign von Volker Weinhart.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Sa | 15. Dezember 2018 | 19:30 Uhr,
Do | 20. Dezember 2018 | 19:30 Uhr,
So | 23. Dezember 2018 | 15:00 Uhr,
Di | 25. Dezember 2018 | 18:30 Uhr,
Sa | 29. Dezember 2018 | 19:30 Uhr,
Mo | 31. Dezember 2018 | 19:00 Uhr (diese Vorstellung ist schon aufverkauft!),
Sa | 8. Juni 2019 | 19:30 Uhr,
So | 16. Juni 2019 | 15:00 Uhr und
Do | 20. Juni 2019 | 18:30 Uhr.

Thorsten Grümbel (Gefängnisdirektor Frank), Birte Hopstein (Ida), Norbert Ernst (Gabriel von Eisenstein), Anke Krabbe (Rosalinde), Kay Stiefermann (Dr. Falke), Maria Perlt (Adele), Tänzerinnen, Chor der Deutschen Oper am Rhein. FOTO: Hans Jörg Michel.
Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 19 und 76 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein