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Global Player aus Duisburg: Mit ELG setzt Stahlkonzern Aperam auf mehr Nachhaltigkeit

Recycling von Edelstahl-Schrott und Hochleistungswerkstoffen verringert CO2-Emissionen
Von Petra Grünendahl

Dr. Markus Larres, Betriebsleiter Edelstahl, erklärt den Ablauf des Edelstah-Recyclings. Foto: Petra Grünendahl.
Was auf den ersten Blick aussieht wie ein ganz gewöhnlicher Schrottplatz, ist eine Anlieferung von Edelstahl-Schrott, der als Wertstoff recycelt wird. Hier werde ausschließlich sortenreiner Edelstahl aufbereitet, erklärte Dr. Markus Larres, Betriebsleiter Edelstahl. Beimischungen von Holz oder Kunststoff würden aussortiert: „Die werden woanders recycelt“, so Larres. Auf dem Betriebshof der ELG in Meiderich ist man spezialisiert auf das Recycling von Eisenlegierungen und Hochleistungswerkstoffen.
Andreas Link unterzieht den angelieferten Edelstahl-Schrott einer ersten Analyse. Foto: Petra Grünendahl.
Mit einem Handgerät nimmt Andreas Link, Fachkraft für Abfall- und Kreislaufwirtschaft, per Röntgenstahl eine erste Analyse des Materials vor. Genauere Analysen liefert das betriebseigene Labor, sobald Proben aus dem Schrottberg genommen sind. Die so bestimmte Qualität ist zum einen für die Abrechnung mit dem Lieferanten wichtig, der ja angemessen für seinen Rohstoff bezahlt werden will. Zum zweiten liefert die ELG ihren Kunden das aufgearbeitete Recycling-Material sortenrein nach deren Anforderungen und besonderen Spezifikationen. Hier entsteht also ein Sekundärrohstoff von höchster Qualität, der in der Produktion die nachhaltige Wiederverwertung eines zuvor energieintensiv produzierten Primärrohstoffs ermöglicht. Der über Lkw angelieferte Edelstahl-Schrott wird zu kompakten, aber schwergewichtigen Ballen gepresst und über den betriebseigenen Gleisanschluss per Güterzug an die Kunden ausgeliefert.

 

Nils von Stromberg, Betriebsleiter der ELG in Duisburg, zeigte Abläufe im Bereich Titan. Foto: Petra Grünendahl.
Die ELG GmbH ist Spezialist für das Recycling, die Aufbereitung und den Handel von nachhaltigen Rohstoffen für die Edelstahlindustrie sowie Hochleistungswerkstoffen wie Superlegierungen und Titan. Der Hauptsitz des weltweit agierenden Recycling-Netzwerks befindet sich in Duisburg. Am Standort Kremerskamp sind neben der Aufbereitung von Edelstahlschrott und einem Labor auch die Bereiche Titan und Nickel-Kobalt angesiedelt.
Dieses Stück Titan wurde aussortiert, weil es höchste Reinheitsanforderungen nicht erfüllen kann. Foto: Petra Grünendahl.
Zunächst muss akribisch sortiert werden, denn für manche Abnehmer braucht man zum Beispiel Titan von höchster sortenreiner Qualität: „Was in der Wäsche vor dem Einschmelzen nicht rausgeht, muss man in der Vorsortierung entfernen“, erklärte Nils von Stromberg, Betriebsleiter der ELG in Duisburg. Makelloses Titan geht zum Weiterverarbeiten an die Luft- und Raumfahrtindustrie sowie die Medizin, wo es höchsten Ansprüchen an Reinheit genügen muss. Das verbleibende Titan geht in andere Industriebereiche. „Wir verstehen uns als Teil der Lieferkette von Rohstoffen (Supply Chain), nicht als Schrotthändler“, betonte von Stromberg die Bedeutung des Sekundärrohstoffs, der beim Recycling entsteht.

 

 
Vom Start-up 1962 zum Global Player

Der angelieferte Edelstahl-Schrott wird vorsortiert. Foto: Petra Grünendahl.
Günter Kreissel gründete die ELG 1962 als Eisenlegierungen Handelsgesellschaft mbH in Duisburg. Das kleine Unternehmen konnte durch die Beteiligung des Ruhrorter Private-Equity-Investors Franz Haniel & Cie. GmbH ab 1980 eine Marktposition nachhaltig ausbauen und expandieren – auch ins Ausland. 1989 übernahm Haniel die ELG Haniel GmbH zu 100 Prozent. Die ELG verfolgte ihre Strategie zur Expansion durch Firmenübernahmen und Gründungen von Tochterunternehmen weltweit: Heute gibt es Tochtergesellschaften in 20 Ländern auf fünf Kontinenten. Zum 31. Dezember 2021 übernahm der luxemburgische Stahlkonzern Aperam die ELG-Gruppe von Haniel im Rahmen einer Umstrukturierung des Haniel-Portfolios. Im Aperam-Konzern belegt die ELG das neu geschaffene Segment „Recycling“ als Kern einer neuen Wachstumsstrategie: Die Kreislaufwirtschaft dient der Sicherung eines wichtigen Rohstoffs, der als Sekundärrohstoff ein großen Potenzial zur CO2-Einsparung mitbringt.

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Der angelieferte Edelstahl-Schrott wird vorsortiert. Foto: Petra Grünendahl.
Seit 60 Jahren ist die ELG in Duisburg ansässig, wo sich auch immer noch die Unternehmenszentrale befindet. Der 80.000 Quadratmeter große Standort befindet sich im Hafengebiet in Meiderich. Heute zählt der Standort 250 Mitarbeiter in Recycling-Betrieb und Verwaltung. Dazu kommen in Deutschland weitere 40 Mitarbeiter in den Recycling-Betrieben in Karlsruhe, Dresden und Minden, die von hier aus verwaltet werden. Weltweit beschäftigt das Unternehmen inklusive seiner Tochtergesellschaften 1.270 Mitarbeiter an 51 Standorten – Tendenz weiter steigend.
Im betriebseigenen Labor wird eine Mischung aus verschiedenen Einzelproben final analysiert. Foto: Petra Grünendahl.
Das Unternehmen produziert weltweit rund 1,2 Mio. Tonnen recycelter Rohstoffe von höchster Qualität jährlich, davon 200.000 Tonnen in Deutschland. Das spart über 4 Mio. Tonnen CO2 im Jahr. Für den Standort Duisburg sucht die ELG Mitarbeiter in den verschiedensten Bereichen. „Im Recycling-Betrieb brauchen wir Mitarbeiter mit der nötigen Erfahrung im Recycling“, betonte Markus Larres. Deswegen bilde man für den eigenen Bedarf aus und fördere die Weiterbildung. Andreas Link hat bei der ELG gelernt und ist zurzeit neben seiner Arbeit in der Weiterbildung zum Meister. Für Auszubildende gibt es Lehrstellen im kaufmännischen Bereich ebenso wie im Recycling-Betrieb als Fachkraft für Abfall- und Kreislaufwirtschaft.
www.elg.de

 

Volker Pawlitzki (links), Vertriebschef Globales Recycling bei ELG, und Sudhakar Sivaji, Vorstand Finanzen bei Konzernmutter Aperam. Foto: Petra Grünendahl.
„Für uns ist der Kauf von ELG ein weiterer Schritt in unserer Nachhaltigkeitsstrategie“, erklärte Sudhakar Sivaji, seit Mai 2020 Finanzchef von Aperam, einem weltweit agierenden Hersteller von Edelstahl, Elektro- und Spezialstahl. Der Aperam-Finanzchef hatte mit Haniel, zu deren Portfolio die ELG bis dato gehörte, über den Kauf verhandelt. Vor seiner Tätigkeit bei Aperam war Sudhakar Sivaji 12 Jahre bei thyssenkrupp und bei thyssenkrupp Steel in Hamborn tätig. Erneuerbare Rohstoffe ermöglichten hohe CO2-Einsparungen in der Produktion von Edelstahl: „Das passt für wunderbar zusammen, denn ELG hat ein breites Spektrum von Lieferanten, bietet auch für uns als Konzern die Chance, unseren CO2-Fußabruck zu senken, und ist einer der weltweit größten Recycler“, sagte Sivaji. Dabei ist Edelstahlhersteller Aperam nicht der einzige Abnehmer von Sekundärrohstoffen aus Duisburg: „Die ELG bedient nach wie vor ihren bisherigen vielfältigen Kundenstamm“, stellte der Aperam-CFO klar. Aperam ist der zweitgrößte Edelstahlhersteller Europas hinter dem finnischen Werkstoffunternehmen Outokumpu, die 2012 thyssenkrupps Edelstahl-Sparte Inoxum übernommen hatten, und vor den Konzernen Acerinox (Spanien) und Arvedi (Italien).

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Aperam
Aperam ist ein Global Player im Bereich Edelstahl, Elektro- und Spezialstahl und Recycling mit Kunden in über 40 Ländern. Aperam produziert Edelstahl in sechs Werken weltweit: An drei Standorten in Frankreich, zwei in Belgien und einem in Brasilien. Mit dem Erwerb der ELG wurde das Unternehmen in vier primäre berichtspflichtige Segmente unterteilt: Edelstahl & Elektrostahl, Dienstleistungen & Lösungen, Legierungen & Spezialitäten sowie Recycling & Erneuerbare Energien.

Aperam verfügt über eine Flachstahlkapazität von 2,5 Millionen Tonnen und ist führend bei hochwertigen Spezialprodukten. Zusätzlich zu seinem Industrienetzwerk, das sich über sechs Produktionsstätten in Brasilien, Belgien und Frankreich erstreckt, verfügt Aperam über ein hoch integriertes Vertriebs-, Verarbeitungs- und Servicenetzwerk sowie über die einzigartige Fähigkeit, rostfreie Stähle und Spezialstähle mit niedrigem Kohlenstoff-Fußabdruck aus Biomasse, Edelstahlschrott und Schrott aus Hochleistungslegierungen herzustellen. Mit Bioenergia und seiner einzigartigen Fähigkeit, Holzkohle aus der eigenen FSC-zertifizierten Forstwirtschaft zu produzieren, und mit ELG, einem weltweit führenden Unternehmen für die Sammlung, den Handel, die Verarbeitung und das Recycling von Edelstahlschrott und Hochleistungslegierungen, stellt Aperam die Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt seines Geschäfts und hilft seinen Kunden weltweit, sich in der Kreislaufwirtschaft zu behaupten. Im Jahr 2021 erzielte Aperam einen Umsatz von 5,102 Milliarden Euro und lieferte 1,82 Millionen Tonnen Stahl.
www.aperam.com

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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