Jüdische Gemeinde feierte 10 Jahre Gemeindekindergarten mit Eltern und Gästen

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Gelebte Vielfalt als Spiegel der Duisburger Geschichte
Von Petra Grünendahl

Die Kinder singen zum Akkordeon-Spiel von Boris Orentlicher ein Lied zur Begrüßung. Foto: Petra Grünendahl.
„Ich wäre jetzt gerne mit den Kindern gegangen”, begann Pfarrer Christian Schulte von der Liebfrauen Kirche in Duisburg sein Grußwort. „Man hört: die haben Spaß!“ Angesichts der Hitze hielten sich alle Redner kurz, denn schließlich sollte die Feier des 10-jährigen Bestehens des Jüdischen Gemeindekindergartens im Mittelpunkt stehen. Mit dem Kindergarten hat die Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen nach der Ansiedlung im Innenhafen zehn Jahre zuvor einen zweiten Ankerpunkt in der Mitte der Duisburger Gesellschaft gesetzt. Allerdings achtet auch hier (wie am Gemeindezentrum) ein Sicherheitsdienst darauf, wer Zugang bekommt. „Beschämend für unsere Gesellschaft“, nannte es Bildungsdezernent Thomas Krützberg, wobei er hier nicht (!) die Duisburger meinte. An die gemeinsamen Wurzeln von Christentum und Judentum erinnerte Pfarrerin Ute Sawatzki vom Evangelischen Kirchenkreis: „Jesus war Jude!“

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Gruppenbild mit Erziehern und Kindern: Pfarrerin Ute Sawatzki (2. v. l.), Pfarrer Christian Schulte (3. v. r.), Heike Kaminski (2. v. r.) und Thomas Krützberg (r.). Foto: Petra Grünendahl.
Zehn Jahre nach Eröffnung seines Kindergartens hatte die Jüdische Gemeinde Kinder, Eltern und Erzieher, Wegbereiter der Einrichtung und Vertreter von Verwaltung, Gesellschaft und Kirchen eingeladen, dieses Jubiläum zu feiern. Der Kindergarten hat sich in diesen 10 Jahren mit gelebter Vielfalt etabliert und ist Teil der Gesellschaft geworden. Der erste Gemeindekindergarten der Nachkriegszeit war der lang gehegte Traum des damaligen Gemeindevorsitzenden Jacques Marx gewesen, unter dessen Ägide sich diese 1999 in einem neuen Gemeindezentrum im Innenhafen angesiedelt hatte. Die offizielle Eröffnung des Kindergartens am 17. August 2019 war so etwas wie eine Rückkehr zur Normalität, zu der jüdisches Leben über Jahrhunderte in Duisburg gehörte.

 
Pädagogisches Konzept, Respekt und Wertschätzung für alle

Der ehemalige Gemeindevorsitzende Jacques Marx mit der ersten Kindergarten-Leiterin Dariya Itunina (m.) sowie der heutigen Leiterin Viktoriya Ladyzhensky (r.). Foto: Petra Grünendahl.
Nachdem der Liebfrauen-Kindergarten 2009 ins Forum Duisburg umgezogen war, übernahm die Jüdische Gemeinde die verlassene Einrichtung samt einem großen Außengelände. Nach einem symbolischen ersten Spatenstich durch Jacques Marx und den damaligen Stadtdechanten Bernhard Lücking baute man die Einrichtung um: Hier galt es schließlich Landesvorgaben im Kinderbildungsgesetz (KiBiz) zu erfüllen. Mit 45 Plätzen für Kinder von U3 bis zur Einschulung reichen die Kapazitäten allerdings schon lange nicht mehr für die hohe Nachfrage aus.

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Der Gemeindekindergarten ein „jüdisches Haus“, das sich nach dem jüdischen Kalenderzyklus richtet. Foto: Petra Grünendahl.
Zwar ist der Gemeindekindergarten ein „jüdisches Haus“, das sich ausschließlich nach dem jüdischen Kalenderzyklus richtet, mit dem Schwerpunkt der Vermittlung von jüdischem Wissen, Normen und Werten. Aber der Gemeindevorstand hat von Anfang an einen besonderen Wert auf die Vielfalt gelegt, die Menschen unterschiedler Herkunft und unterschiedlichen Glaubens mitbringen: „Weder Kinder noch die Erzieher müssen jüdischen Glaubens sein – und es sind sowohl Christen als auch Muslime dabei“, erzählte Heike Kaminski, seit elf Jahren Assistentin der Gemeinde-Geschäftsführung (heute Alexander Drehmann, davor Michael Rubinstein).

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Mit Eltern, Erziehern, Kindern und Gästen feierte die Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen das 10-jährige Bestehen ihres Kindergartens. Foto: Petra Grünendahl.
Heike Kaminski hat die Einrichtung von Anfang an begleitet. Sie berichtete vom Beschluss zur Errichtung eines Kindergartens im November 2008 und davon, dass im Mai 2009 „die Elterninitiative Kinderhaus 05 auf uns zutrat, mit der Anfrage, ob wir sowohl die Kinder als auch das Personal übernehmen könnten. Damit hatten wir nicht nur genügend Anmeldungen, sondern auch das erste Erzieher-Team komplett.“ Kaminski dankte dem Diakonischen Werk: „Sie haben uns sinnbildlich an die Hand genommen, bis wir unsere ersten Schritte selber gehen konnten.“ Der Betrieb eines Kindergartens stellt schließlich Anforderungen, die über die Aufgaben einer Kirchengemeinde hinaus gehen. „Vorbild unserer pädagogischen Arbeit und für den Blick aufs Kind ist Janusz Korczak, der berühmte jüdische Kinderarzt und Pädagoge“, so Kaminski. Das pädagogische Konzept und die gelebte Vielfalt überzeugen viele Eltern.

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Die Gemeinde würde ihre Einrichtung gerne erweitern, um mehr Kinder annehmen zu können: „Wir müssen leider sehr viele ablehnen, weil unsere Einrichtung nur für 45 Kinder ausgebaut ist“, sagte Kaminski. Dass man gerne auf 60 Kinder erweitern würde, begrüßte auch Thomas Krützberg, der die Unterstützung der Stadt zusicherte. Der Jüdische Kindergarten ist mehr als nur Teil einer lebendigen jüdischen Gemeinde in Duisburg. Vernetzt ist er auch überkonfessionell: als Teil der Trägerkonferenz und Leitungskonferenz des Evangelischen Kirchenkreises. Der Gemeindekindergarten ist eine Erfolgsgeschichte nicht nur für die Jüdische Gemeinde, sondern auch für die Stadtgesellschaft. Denn, so hatte Jacques Marx zur Eröffnung vor 10 Jahren gesagt: „die Kinder sind unsere Zukunft!“

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 


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