Verlassene Orte Niederrhein: “Der Charme des Verfalls” beim Sutton Verlag

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Ein faszinierendes Album unwiederbringlicher Einblicke
Von Petra Grünendahl

In den Hallen des Alten Güterbahnhofs. Foto: Markus Schmidt.
Die Areale sind zugewuchert und von der Natur zurückerobert. Im Staub der Jahrzehnte findet sich verrottendes Interieur. Grafittis verraten, dass der Fotograf nicht der erste Besucher ist, der die verlassenen und teils verfallenen Örtlichkeiten aufsucht. Der Alte Güterbahnhof an der A59-Abfahrt Zentrum hat schon viele angelockt, das seit Jahrzehnten stillgelegte Objekt zu betreten, zu erkunden und mitunter auch zu verschandeln. Die frühere Nutzung lässt sich an wenigen Stellen erahnen. Schon bald ist dieser Ort Vergangenheit:
Die Damenschwimmhalle war nie als Schwimmbad in Betrieb, sondern wurde Ende der 1930er, bevor das Bad in Betrieb ging, mit Holzboden überbaut als Sporthalle umgebaut. Foto: Markus Schmidt.
Der Abriss steht unmittelbar bevor. Was Fotograf Markus Schmidt dokumentiert hat, wird schon sehr bald nicht mehr vorhanden sein. Nicht mehr reproduzierbar sind auch die Fotos aus dem Stadtbad Hamborn, wo seit kurzem die Bagger rollen für den Umbau zum Bürostandort. Gleiches gilt für die Neue Mühle, auch Moriansmühle genannt: Hier hat im vergangenen Jahr ein neuer Eigentümer saniert und das ehemalige Gasthaus zu einem Mehrgenerationen-Wohnhaus für seine Familie umgebaut. Am ehemaligen Ausbesserungswerk der Bahn in Wedau sind ebenfalls bereits Bauarbeiten gestartet. „Auch andere dieser Orte sind mittlerweile nicht mehr zugänglich“, verriet Markus Schmidt.

 

Die Neue Mühle, auch Moriansmühle genannt, die dem Stadtteil Neumühl seinen Namen gab. Foto: Markus Schmidt.
Für das Buch „Verlassene Orte Niederrhein“ hat Markus Schmidt die Region bereist – und ist auch in Duisburg fündig geworden: Fünf solcher Orte hat der Fotograf und Autor für sein Buch ausgewählt, der Sechste, der unter Duisburg gelistet ist, liegt auf Nachfrage dann doch eher jenseits der Stadtgrenze in Mülheim.

 

Das Ausbesserungswerk in Wedau. Foto: Markus Schmidt.
Der aus Jena stammende Schmidt ist beruflich als Fotograf und Videograf in ganz Deutschland unterwegs. In den Jahren 2018/2019 hat er für sein Buch hier in der Region Station gemacht. Sechzehn Orte hat er auf seinen Touren vom unteren bis zum oberen Niederrhein besucht und Hintergründe der Locations recherchiert, die er hier mit faszinierenden Bildern vorstellt. Weitere Orte, die er als interessante Objekte für sein Buch recherchiert hatte, blieben ihm leider trotz Anfragen bei den Eigentümern verschlossen. Der bekennende Urbexer (Urban Exploration) hält sich gerne an Spielregeln, denn neben der Gefahr des Hausfriedensbruchs, den man tunlichst vermeiden sollte, sind auch die Orte selber mitunter nicht ganz ungefährlich.

 

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Der Faszination des Verfalls auf der Spur

Lost Place in der Öffentlichkeit: die alte Eisenbahnbrücke in Wesel. Foto: Markus Schmidt.
Die Erkundung verlassener Orte fasziniert ihn schon länger: Er dokumentiert nicht nur ihre Gegenwart, sondern in den informativen Texten auch ihre Vergangenheit, die er dem interessierten Leser zugänglich macht. Ehemalige Fabrik- oder Gewerbegebäude, Wohnhäuser und Villen, eine ehemalige Nato-Kaserne und eine Geisterstadt hat Markus Schmidt besucht: Von den Kreisen Kleve und Wesel im Norden ging seine Reise im Süden bis zum Abbaugebiet Garzweiler. Eingesammelt hat er auf seinen Streifzügen faszinierende Eindrücke, Stimmungen und Details eines Verfalls, die bleiben, auch wenn die Orte bald endgültig Vergangenheit sind.

 

Ehemalige Brauerei. Foto: Markus Schmidt.
Markus Schmidts großformatiges Buch „Verlassene Orte Niederrhein“ ist erschienen im Erfurter Sutton Verlag, Deutschlands führendem Verlag für Lokal- und Regionalgeschichte. Auf 168 Seiten findet der Leser rund 140 Fotografien. Das reich bebilderte Buch mit Hardcover-Einband kostet 29,99 Euro. Zu beziehen ist es über den lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-96303-140-3).

 

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Der Autor

Theatersaal einer ehemaligen Nato-Kaserne. Foto: Markus Schmidt.
Fotograf und Autor Markus Schmidt, Jahrgang 1990, wohnt in Jena und betreibt dort seit 2013 sein Unternehmen SIO MOTION. Neben der Fotografie ist er auf Videografie und Design spezialisiert. Zum stetig wachsenden Kundenstamm zählen neben Privatpersonen, Bands und lokalen Firmen auch Pro7, Antenne Thüringen, Vodafone und andere.

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Ehemalige Fabrikantenvilla. Foto: Markus Schmidt.
Bücher
von Markus Schmidt
im Sutton Verlag:

Verborgene Schönheit Niederrhein
Verlassene Orte Niederrhein
Verlassene Orte Sachsen-Anhalt
Verlassene Orte Thüringen
Lost Places in Thüringen
Erfurt – Neue Perspektiven
Jena – Neue Perspektiven
https://verlagshaus24.de/autor/39851/schmidt-markus

 

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Sutton Verlag, Erfurt

Verlassene Orte Niederrhein. Cover: Sutton Verlag.
Sutton ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum, vom historischen Bildband bis zum Freizeitführer. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Verlages bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Außerdem bietet Sutton Krimi unter dem Motto „mordsmäßig spannend“ seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedliches Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.
https://verlagshaus24.de/sutton/

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Markus Schmidt (9), Sutton Verlag (Cover)

 

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