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Ballett am Rhein: Premiere von „Zwischenwelten“ begeisterte im Theater Duisburg

Der Traum von einem besseren Leben und die Reise ins Selbst
Von Petra Grünendahl

Demis Volpi „the little match girl passion“: Rose Nougué-Cazenave, Viola Blache, Helene Erben. © Sandra Then.
Bibbernd sitzt das Mädchen (Rose Nougué-Cazenave) in der Kälte, soll Streichhölzer verkaufen. Niemand kümmert sich um sie oder kauft ihr etwas ab. Die Kälte (Joaquin Angelucci) umgibt sie, aber nach Hause zu den Eltern (Marié Shimada und Philip Handschin) traut sie sich nicht. Um sich zu wärmen, zündet sie ein Streichholz an. Sofort erscheinen vor ihrem inneren Auge erscheint Wärme, Geborgenheit. Sie taut auf in der Gemeinschaft und der lebendigen Interaktion mit der Wärme (Yoav Bosidan, Wun Sze Chan, Courtney Skalnik) und dem Feuer (Charlotte Kragh).
Demis Volpi „the little match girl passion“: Rose Nougué-Cazenave. © Sandra Then.
Mit dem Verlöschen der Glut sitzt sie wieder allein in der Kälte. Das wiederholt sich: Auch nach dem Erlöschen des zweiten Hölzchens wird sie wieder in die Kälte zurück geworfen. Dann zündet sie weitere an: Ihre längst verstorbene Großmutter erscheint. Der einzige Mensch, der das Mädchen je geliebt hat. Sie ist glücklich und so folgt sie ihr schließlich in den Himmel, während ihr erfrorener Körper auf der kalten Straße zurückbleibt. Mit einem Lächeln auf den Lippen hat sie sich von der Welt verabschiedet.

 

Demis Volpi „the little match girl passion“: Joaquin Angelucci, Rose Nougué-Cazenave, Mirko Ludwig, Helene Erben, Sönke Tams Freier. © Sandra Then.
Mit zwei Choreografien im Theater Duisburg lotete das Ballett am Rhein tänzerisch „Zwischenwelten“ aus: Zwischen den Polen von Leben und Tod, warm und kalt, nebeneinander und miteinander und Fragen der inneren und äußeren Identität. Für seine Choreografie „the little match girl passion“ hat Demis Volpi auf Hans Christian Andersen Märchen „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ zu einer Vokalkomposition des Amerikaners David Lang (*1957) aufgegriffen. Volpi hatte das Stück 2018 für ein Jugendballett entwickelt: Gespielt wurde hier eine Neufassung für die große Bühne.
Gil Harush „don’t look at the jar”: Clara Nougué-Cazenave, Doris Becker. © Sandra Then.
Die uraufgeführte Choreografie „don’t look at the jar“ des franko-israelischen Choreografen Gil Harush spielt zur Komposition „Wooden Elephant“ der 2021 mit nur 34 Jahren verstorbenen Künstlerin SOPHIE mit Visionen des gesellschaftlichen Miteinanders. Der Ballettabend ist eine Koproduktion mit dem Beethovenfest Bonn und wird entsprechend in dieser Spielzeit auch am Theater Bonn aufgeführt. Das Premierenpublikum war begeistert: Zu beiden Stücken bekamen die herausragenden Tanzer, Musiker und Akteure hinter den Kulissen zu Recht jeweils einen minutenlangen Schlussapplaus. Die zweistündige Aufführung (inkl. eine Pause) ist empfohlen ab 12 Jahren.

 

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Zwischen zwei Polen

Demis Volpi „the little match girl passion“: Joaquin Angelucci, Rose Nougué-Cazenave, Helene Erben, Ensemble Ballett am Rhein. © Sandra Then.
Bei der Vokalkomposition „the little match girl passion” tragen Stimmen die musikalische Begleitung: Viola Blache (Sopran), Helene Erben (Alt), Mirko Ludwig (Tenor) und Sönke Tams Freier (Bass), die auf der Bühne zum Teil der Handlung werden. Das Bühnenbild für Demis Volpis Choreografie hat Flurin Borg Madsen gestaltet, die Kostüme Sonja Kraft. Die Lichtgestaltung für beide Bühnenbilder stammt von Volker Weinhart.

 

Gil Harush „don’t look at the jar”: Ensemble Ballett am Rhein. © Sandra Then.
Gil Harush erkundet in seiner Choreografie „don’t look at the jar“ das Zusammenspiel und gegeneinander von äußerlich Sichtbarem und innerem Erleben für die eigene Identität. Die von ihm entworfenen Kostüme verschieben die äußere Wahrnehmung der Geschlechter, um den Blick auf das Wesentliche zu lenken, was sich im Tanz ausdrückt: Das Innere, das eigene Gefühl vom Ich. In einem vom Choreografen gestalteten Bühnenbild in Form eines Zirkuszeltes ist auch die Musikbegleitung untergebracht: ein Streichquintett mit zwei Violinen (Aoife Ni Bhriain, Hulda Jonsdottir), Viola (Ian Anderson), Violoncello (Stefan Hadjiev) und Kontrabass (Nikolai Matthews). Die Komposition von SOPHIE bewegt sich zwischen Elektro-Pop und Avantgarde und ist ein Auftragswerk des Beethovenfestes Bonn. Trotz der Bekanntheit ihrer Musik hielt die Komponistin bis zu ihrem Coming Out als Transfrau 2017 ihre eigene Identität lange geheim. Diese Zwiespältigkeit zwischen den Geschlechterwelten transportiert Gil Harush in ihrer ganzen Vielschichtigkeit mit Choreografie, Bühne und Kostümen, die das Bild von außen und das eigene Empfinden spiegeln und für ein Theaterpublikum sichtbar machen.

 

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Ein kleiner Vorgeschmack

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Sa | 24. September 2022 | 19:30 Uhr,
Mi | 28. September 2022 | 19:30 Uhr,
Di | 11. Oktober 2022 | 19:30 Uhr und
Fr | 21. Oktober 2022 | 19:30 Uhr.

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Deutsche Oper am Rhein

Gil Harush „don’t look at the jar”: Ensemble Ballett am Rhein. © Sandra Then.
Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

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Gil Harush „don’t look at the jar”: Ensemble Ballett am Rhein. © Sandra Then.
Tickets kosten zwischen 17,00 und 69,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt.

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Die unvermeidlichen Corona-Regeln
Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Aktuelles gibt es hier.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Sandra Then

 

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