Wer bestellt, sollte bezahlen: Kamp-Linforter Verwaltung kritisiert Finanzierung des Offenen Ganztags als „Mogelpackung“

Von links: Bürgermeister Prof. Dr. Christoph Landscheidt, Berthold Klicza (stv. Amtsleiter Schule, Jugend und Sport) und Schul- und Jugenddezernent Dr. Christoph Müllmann mit der Kita- und Schulentwicklungsplanung. Foto: Jan Bergmann / Stadt Kamp-Lintfort.
Bürgermeister Prof. Dr. Christoph Landscheidt und 1. Beigeordneter Dr. Christoph Müllmann kritisieren die Landesregierung, weil diese sich nicht ausreichend an der Finanzierung von Ganztagesangeboten beteilige. Das Land habe in den letzten zwanzig Jahren versäumt, Grundschulen zu Ganztagsschulen umzubauen. Stattdessen wurde der Weg des offenen Ganztages gewählt, weil dieser für das Land günstiger sei.

Im offenen Ganztag ist das Lehrpersonal der Schulen nur punktuell tätig, die überwiegende Arbeit wird hier meist durch das Personal von freien Trägern geleistet. In einer Ganztagsschule findet hingegen der Unterricht durch Lehrerinnen und Lehrer auch am Nachmittag statt und die Lehrerstunden werden komplett vom Land übernommen. „Der offene Ganztag, der die Regel an allen Kamp-Lintforter Grundschulen ist, wird im Vergleich zu Ganztagsschulen nicht ausreichend durch das Land finanziert“, erklärt Bürgermeister Prof. Dr. Christoph Landscheidt. Die Landesregierung gebe zwar im Schulgesetz vor, dass alle Schulen als Ganztagsschulen geführt werden könnten, einer Umwandlung der Grundschulen werde jedoch einfach nicht zugestimmt. Dadurch stehle sich die Landesregierung aus der Finanzierung und mache aus dem Offenen Ganztag eine „Mogelpackung“ im Vergleich zur Ganztagsschule.

„Wenn wir, wie bisher eine vernünftige Ganztagesbetreuung anbieten wollen, müssen wir als Kommune draufzahlen“, so Schuldezernent Dr. Christoph Müllmann. Es gebe zwar einen Zuschuss des Landes je Kind. Dieser sei aber bei Weitem nicht ausreichend. Auch gebe das Land Elternbeiträge und deren Höhe vor. Bei KITAs könne die Kommune hingegen selbst entscheiden. „Es ist schon fragwürdig für ein Bildungsangebot Elternbeiträge zu erheben. Hier besteht die Gefahr einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Gute Betreuung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen!“ so Bürgermeister Landscheidt.

Die Teilnehmerzahlen des offenen Ganztages seien in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Mit ca. 700 Schülerinnen und Schülern nehme bereits mehr als die Hälfte der Grundschulkinder am Offenen Ganztag teil. „Um die gute Betreuung im offenen Ganztag vorhalten zu können, schießt die Stadt pro Jahr rund 500.000 € aus eigenen Mitteln zu, obwohl es sich um ein schulisches Bildungsangebot und damit um eine Landesaufgabe handelt“ ergänzt Schuldezernent Müllmann. „Es kann nicht der richtige Weg sein, die finanziellen Lasten der Ganztagsbetreuung von Kindern auf die Kommunen abzuwälzen. Hier ist eine komplette Kehrtwende notwendig!“, erklären Bürgermeister und Schuldezernent.
Stadt Kamp-Lintfort
Foto: Jan Bergmann / Stadt Kamp-Lintfort

 

Anzeige

Anzeige
Anzeige