Inventur im Zoo Duisburg: Tierpark am Kaiserberg beherbergt rund 6862 Tiere aus 388 Arten

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Zoo Duisburg im September 2015. Foto: Petra Grünendahl.
Zum Jahreswechsel rief Johannes Pfleiderer, zoologischer Leiter am Kaiserberg, zum großen Zählapell auf. Und so wurde alles gezählt, was im Zoo Duisburg fliegt, läuft, schwimmt und klettert. Rund anderthalb Wochen lang waren die Tierpfleger damit beschäftigt, alle großen und kleinen Bewohner des Zoos zu erfassen. Dabei verdeutlichte die jährliche Bestandsaufnahme erneut die große Artenvielfalt, die sich am Kaiserberg tummelt. Rund 6862 Tiere aus 388 Arten beherbergt der Zoo Duisburg derzeit.

Zwölf Steppenzebras, sind da. Drei Elefanten, nicht zu übersehen. Zwei Tiger, liegen im hohen Gras. Kaum ein Zoobewohner konnte sich dem jährlichen Zählen entziehen. Die Inventur der Großtiere bereitet den Tierpflegern keine Mühen. Anders sieht es bei den zahlreichen kleinen Bewohnern aus. Manche Insekten und Fische lassen sich auf den ersten Blick teilweise nur schwer erkennen, Individuen in großen Schwärmen kaum auseinander halten. So ist es beispielsweise auch bei den Stabschrecken des Zoos. Der Körperbau der Insekten ähnelt kleinen Ästen, mit ihrer braunen Farbe sind sie im Terrarium optimal getarnt. Jungtiere sind meist nur wenige Zentimeter groß. „Hier müssen wir ganz genau hinschauen und auch mehrfach zählen, um die Anzahl möglichst genau zu erfassen“, weiß Pfleiderer.

Ähnlich gestaltet es sich in Duisburgs Aquarium. Hier ist ein Großteil des Tierbestandes zu Hause. Schillernde Doktorfische ziehen im Schwarm durch das Riffbecken. Sie alle zu zählen – eine Herausforderung. „Von den Aquarien machen wir Fotos und zählen die Tiere anhand der Aufnahmen“, erklärt Tierpflegerin Aline Steinbach. Dabei reicht es bei weitem nicht aus, einmal zu zählen. „Jedes Aquarium wird vier bis sechs Mal durchgezählt, die Daten mit den Aufzeichnungen der letzten Inventur verglichen“, ergänzt die Tierpflegerin. Während im Aquarium Fotos gemacht werden, warten die Pfleger im angrenzenden Rio Negro an den Futterplätzen auf ihre Schützlinge. Steinbach: „Jede Tierart hat eine eigene Futterstelle und lässt sich hier wunderbar beobachten, nicht nur während der Inventur“.

Freut sich über sein neues Gehege: Löwenkater Tsavo. Foto: Zoo Duisburg.
Im Vergleich zum Vorjahr (rund 8.985 Individuen, 423 Arten) hat sich der Tierbestand etwas verkleinert. Durch Baumaßnahme an einigen Becken und in Vorbereitung auf einige Umstellungen in der Artenauswahl wurde weitgehend von Neuzugängen im Fischbestand abgesehen und einige schon länger gehaltene Fische erreichten das Ende ihrer natürlichen Lebensspanne. Auch einige prominentere Tiere verließen den Zoo in 2019, wie beispielsweise die Flachlandwisente. Ihre alte Anlage wurde im vergangenen Jahr für die Erweiterung der Löwenanlage genutzt. Mit der Fertigstellung dieser Baumaßnahme rechnet der Zoo im Frühjahr 2020.

Auch von Riesenotter Pequeno, Tigerjungtier Arila sowie vier jungen Fossas mussten sich die Zoobesucher verabschieden. „Sie alle wurden in Duisburg geboren. Auf Empfehlung der jeweiligen Zuchtprogramme konnten sie an andere Einrichtungen im In- und Ausland vermittelt werden und dienen in neuen Zuchtgruppen dem Arterhalt“, erläutert Pfleiderer. Auch die zwei Wildhunde verließen Duisburg. Ihre neue Heimat ist der Zoo von Les Abrets (Frankreich). Die ehemalige Wildhundanlage blieb nicht lange ungenutzt. Eine Gruppe Weißbartpekaris zog mit aus dem Zoo Berlin ins Ruhrgebiet.

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Zoo Duisburg im September 2017. Foto: Petra Grünendahl.
Im Aquarium begrüßte das Zooteam einen neuen Publikumsliebling: Oktopus Teo bezog sein nagelneues, kreisrundes Eigenheim und zieht seitdem die Besucher in seinen Bann. Mit den Dahomey-Zwergrindern beherbergt Duisburgs Bauernhof nun ebenfalls eine neue außergewöhnliche Nutztierrasse. Die drei Rinder teilen sich ein Gehege mit den Zwergeseln. Ebenfalls neu am Kaiserberg: Kongo-Blauducker. Kein anderer Zoo in Deutschland hält die Mini-Antilopen derzeit. Als Untermieter der Bongo-Antilopen streifen die Neuankömmlinge auf der Suche nach Nahrung durch das Unterholz. Bei den Zwergottern läutete der Zoo den Generationswechsel ein. Ein junges Zuchtpaar dieser bedrohten Tierart wurde im April in Duisburg zusammengestellt und sorgte prompt für Nachwuchs. Gleich vier kleine Otter wurden erfolgreich aufgezogen. Im Rio Negro zog aus dem Zoo Basel als neue Art ein Paar Sonnenrallen ein, das auch direkt mit dem Nestbau begann. Diese südamerikanische Vogelart besitzt auf ihren Flügeln große Augenflecken, die sie bei Gefahr aufspreizt, um so potentielle Feinde abzuschrecken. Für Blaupunkt-Stechrochen Nina endete das Singledasein. Mit dem gebürtigen Belgier Leon lebt nun ein geeigneter zukünftiger Partner für die dreijährige Nina am Kaiserberg. Ob es mit Nachwuchs klappen wird? Abwarten. Den Zoo würde es freuen, denn die charismatische Tierart wird auf Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „potenziell gefährdet“ geführt. Grund hierfür ist die Zerstörung der Korallenriffe.

Auch in 2020 stehen Änderungen im Tierbestand an. „Wir werden einige neue Tierarten begrüßen dürfen und auch alte Bekannte wieder sehen“, verrät Johannes Pfleiderer. Die Erdmännchen des Zoos sind kurzzeitig ausgezogen, der Bodengrund des Geheges soll ausgetauscht werden. „Nach Fertigstellung der Maßnahme wird eine neue Zuchtgruppe in Duisburg einziehen und wohlmöglich auch für Nachwuchs sorgen“, freut sich der Biologe. Darüber hinaus werden vor allem neue Reptilien- und Vogel-, aber auch einige Säugetierarten am Kaiserberg ankommen. Es verspricht ein spannendes Zoojahr 2020 zu werden.
Zoo Duisburg
Fotos: Petra Grünendahl

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