Deutsche Oper am Rhein: Mieczysław Weinbergs „Masel Tov! Wir gratulieren!“ begeisterte im Theater Duisburg

Auch arme Schlucker haben ein Recht auf Glück
Von Petra Grünendahl

Norbert Ernst. Foto: Sandra Then.
Im Haus einer jüdischen Dame in Odessa 1899 soll die Verlobung der Tochter groß gefeiert werden. In der Küche ist die Köchin Bejlja (Kimberley Boettger-Soller) eifrig dabei, für das Festmal für die erwarteten Gäste vorzubereiten. Da schaut – wie so oft – der fliegende Buchhändler Reb Alter (Norbert Ernst) in ihrer Küche vorbei. Während die jung verwitwete Bejlja ihr Licht eher untern den Scheffel stellt und gar nicht merkt, die der Buchhändler sie umgarnt, schwebt Dienstmädchen Fradl (Lavinia Dames) eher in höheren Sphären und will unbedingt eine Arzt heiraten. Zunächst ist ihr Chaim (Roman Hoza), Diener in der Nachbarschaft, nicht gut genug.
Norbert Ernst, Kimberley Boettger-Soller. Foto: Sandra Then.
Mit derben Wortgefechten, Charme und viel Zuspruch zum Wein (und Wodka) umwerben die Männer ihre Angebeteten. Dass sie nicht jünger und nicht schöner werde, stichelt Chaim, der Fradl mit seiner aufrichtigen Zuneigung schließlich ebenso für sich gewinnt wie der Buchhändler die Köchin. Madame (Sylvia Hamvasi) ist das ganze Stück über nur mit Beschimpfungen ihrer Dienstboten aus dem Hintergrund zu hören. Erst in der Schlussszene hat sie am festlich gedeckten Tisch ihren Auftritt, den sie allerdings nicht überlebt, als sich die Dienerschaft gegen sie und ihre Herablassung auflehnt. Das Glück ist schließlich nicht nur den Reichen vorbehalten!

 

Kimberley Boettger-Soller, Lavinia Dames. Foto: Sandra Then.
In seiner Oper „Masel Tov! Wir gratulieren!“ vereinigt der jüdisch-polnische Komponist Mieczysław Weinberg (1918/19–1996) heitere mit tragikomischen Elementen. Musikalisch bedient sich Weinberg, der als Sohn eines Geigers schon früh geprägt wurde, aus der jüdischen Tradition der Klezmermelodien ebenso wie aus der jiddischen Intonation von Walzer oder Polka mit wilden Rhythmen und Tempowechseln. Das Libretto stammt vom Komponisten nach dem gleichnamigen Theaterstück von Scholem Alejchem, dessen Geschichte tiefsinnigen jüdischen Humor von Feinsten liefert. Die Oper in zwei Akten stammt von 1975, wurde aber erst 1983 in Moskau uraufgeführt. Die Uraufführung einer deutschen Adaption von Ulrike Patow fand in einer Orchesterfassung von Henry Koch erst 2012 statt. Die knapp anderthalbstündige Oper (ohne Pause) ist empfohlen für Zuschauer ab 12 Jahre. Gesungen wird in deutscher Sprache. Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung.

 

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Anspruchsvolle Komposition auch für Opern-Anfänger geeignet

Kimberley Boettger-Soller, Jorge Espino, Lavinia Dames, Norbert Ernst. Foto: Sandra Then.
„Die Corona-Einschränkungen der vergangenen Spielzeit haben uns die Chance gegeben, so manches Kleinod für die Bühne wieder zu entdecken“, sagte Anna Grundmeier, Dramaturgin an der Deutschen Oper am Rhein. Unter 90 Minuten lang, mit sehr kleiner Besetzung werden Stücke wie „Masel Tov!“ auf den großen Bühnen selten gespielt. Ende Oktober letzten Jahres war die Premiere im Theater Duisburg nur wenige Stunden vor der Aufführung wegen des zweiten Lockdowns abgesagt worden. Es spricht sehr für das Stück, dass die Verantwortlichen es für diese Saison noch einmal auf den Spielplan geholt haben. Ein sehr begeistertes Publikum, das die Akteure erst nach minutenlangem Schlussapplaus verabschiedete, gab ihnen Recht.

 

Lavinia Dames, Norbert Ernst. Foto: Sandra Then.
Die Geschichte ist einfach gestrickt, die gesungenen Texte auch ohne die Übertitel gut zu verstehen. Dennoch bestechen die Charaktere – Menschen wie du und ich – durch ihre Tiefe und ihre Entwicklung, die die Akteure auf der Bühne gesanglich wie schauspielerisch sehr gut vermitteln. Das macht den Stoff ideal für Menschen, die einen ersten Zugang zur Oper suchen. Musikalisch glänzten die Duisburger Philharmoniker und der Leitung von Kapellmeister Ralf Lange mit der vielseitigen und anspruchsvollen Komposition. Inszeniert hat die großartige und stimmungsvolle Aufführung Philipp Westerbarkei, der an der Deutschen Oper am Rhein schon häufiger Regie geführt hat. Die Bühnengestaltung und Kostüme von Heike Scheele setzt das Lichtdesign von Volker Weinhart sehr wirksam in Szene.

 

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Ein kleiner Vorgeschmack:

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Weitere Termine im Theater Duisburg:
Mo | 1. November 2021 | 18:30 Uhr,
Do | 4. November 2021 | 19:30 Uhr und
Do | 25. November 2021 | 19:30 Uhr.

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Deutsche Oper am Rhein

Kimberley Boettger-Soller, Sylvia Hamvasi, Norbert Ernst. Foto: Sandra Then.
Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

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Sylvia Hamvasi, Kimberley Boettger-Soller. Foto: Sandra Then.
Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt. Zusätzlich gibt es zu den meisten Produktionen einen Audio-Opern- oder Ballettführer unter https://www.operamrhein.de/de_DE/opernfuehrer-audio. Tickets kosten zwischen 14,00 und 56,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 

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Die unvermeidlichen Corona-Regeln
Im Oktober ist die Kapazität im Theater Duisburg begrenzt („Schachbrettmuster“). Die Vorstellungen, die ab 1. November auf dem Spielplan stehen, werden voraussichtlich ohne Kapazitätsbegrenzungen durchgeführt (bis dahin: Schachbrettmuster). Im Oktober gilt noch die 3G-Regel, ab 1. November ist der Zutritt nur noch mit 2G möglich. Innerhalb der Räumlichkeiten muss eine medizinische Maske getragen werden. Sie darf nach Vorstellungsbeginn am Platz abgenommen werden. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Ein Garderobenservice steht zur Verfügung, ein gastronomisches Angebot im Opernfoyer gibt es mit Einschränkungen.
Mehr: operamrhein.de/de_DE/wissenswertes

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Sandra Then

 

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Ein Kommentar "Deutsche Oper am Rhein: Mieczysław Weinbergs „Masel Tov! Wir gratulieren!“ begeisterte im Theater Duisburg"

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