Ruhrlagebericht: Konjunkturumfrage der Ruhr-IHKs im Herbst 2021

Steigenden Energie- und Rohstoffkosten sowie Fachkräftemangel nach Corona größte Wirtschaftsrisiken
Von Petra Grünendahl

Grafiken aus dem Konjunkturbericht der Ruhr-IHKs Herbst 2021.
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie hat die Ruhrwirtschaft größtenteils überwunden. Die Erwartungen liegen heute höher als vor dem Corona-Einbruch im Frühjahr 2020. Doch Sorgen machen den Unternehmen nach Corona wieder der Fachkräftemangel und jetzt auch die steigenden Energie- und Rohstoffpreise, die erstmals als das größte Geschäftsrisiko eingeschätzt wurden: „Die Kombination aus Lieferengpässen und steigenden Preisen drosseln den Konjunkturmotor und sorgen dafür, dass die Ruhrwirtschaft nicht mit voller Drehzahl fahren kann“, brachte es Unternehmer Lars Baumgürtel, Vizepräsident der IHK Nord Westfalen auf den Punkt. Die Stimmung der Ruhrwirtschaft hat sich gegenüber der vorherigen Umfrage zum Jahresbeginn „spürbar aufgehellt“, so Baumgürtel, allerdings seien noch nicht alle Branchen gleichermaßen über den Berg. Die Industrie und teilweise auch Dienstleister hätten sich stärker erholt, für den Handel und andere Dienstleistungsbereiche liefen Geschäfte erst mit Verzögerung wieder an. Die Umfrage zeige Unsicherheit für eine künftige Entwicklung: „Das ist Gift für Investitionen“, stellte der IHK-Vizepräsident und Unternehmer klar. Er warnte: „Positive Entwicklung kann sich da sehr schnell umkehren!“

 

Stellten den Ruhrlagebericht vor (v. l.): die Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber (IHK zu Dortmund, auch Unternehmer in GE und anderen Orten) und Dr. Fritz Jaeckel (IHK Nord Westfalen), Lars Baumgürtel (Vizepräsident und Vorsitzender der Vestischen Gruppe der IHK Nord Westfalen, Geschäftsführer der ZINQ GmbH & Co. KG, Gelsenkirchen), Kerstin Groß (Hauptgeschäftsführerin der IHK für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen) sowie Dr. Jochen Grütters (stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Leiter des Standorts Emscher-Lippe der IHK Nord Westfalen in Gelsenkirchen). Foto: IHK Nord Westfalen.
Die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet wurde bei der federführenden IHK Nord Westfalen (mit Standorten in Münster und Gelsenkirchen / Emscher-Lippe) in Gelsenkirchen vorgestellt. Im Pressegespräch gaben Lars Baumgürtel (Vizepräsident der IHK Nord Westfalen, Geschäftsführer der ZINQ GmbH & Co. KG, Gelsenkirchen), die Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel (IHK Nord Westfalen) und Stefan Schreiber (IHK Dortmund, auch Unternehmer in GE und anderen Orten), Kerstin Groß (Hauptgeschäftsführerin der IHK Essen) sowie Dr. Jochen Grütters (stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Leiter des Standorts Emscher-Lippe der IHK Nord Westfalen in Gelsenkirchen) Auskunft zum 107. Ruhrlagebericht. An der Umfrage der Ruhr-IHKs, die als größte Konjunkturumfrage des Ruhrgebiets gilt, haben rund 800 Unternehmen mit 104.000 Beschäftigten teilgenommen.

 

 
Fachkräfte mit berufspraktischer Ausbildung gesucht

Grafiken aus dem Konjunkturbericht der Ruhr-IHKs Herbst 2021.
Während die Industrie dank Kurzarbeitergeld Arbeitsplätze erhalten konnte, mussten spezielle Dienstleister wie Handel, Gastronomie, Catering oder Messebau Leute entlassen. Passende Arbeitskräfte sind jetzt aber nicht so einfach wieder zu bekommen. Aber auch Industrie und Gewerbe sind dank der Nach-Corona-Erholung auf der Suche nach Fachkräften: 58,2 Prozent der Unternehmen gaben den Fachkräftemangel im Herbst 2021 als Problem an, im Herbst 2019 lag der Anteil bei 56 Prozent. Über alle Branchen hinweg lag dieser Wert in der Corona-Krise unter 40 Prozent.

 
Dabei hat sich aber in den letzten Jahren ein Wandel vollzogen: die gesuchten Qualifikationen sind heute andere als noch 2016. Deutlich gestiegen ist die Nachfrage nach Fachkräften mit dualer Berufsausbildung (47,1 Prozent der Unternehmen suchen solche Mitarbeiter) oder Fachwirt / Meister (40,4 Prozent). Akademiker liegen mit 35,5 Prozent (2016 noch 41,5 Prozent) sogar hinter Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung (35,7 Prozent). Gesucht sind also primär Leute mit berufspraktischer Ausbildung und den entsprechenden praktischen Erfahrungen (Know-how).

 

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Konjunkturumfrage der IHKs im Ruhrgebiet

Die Niederrheinische IHK an der Mercatorstraße. Foto: Petra Grünendahl.
Die IHKs im Ruhrgebiet fragen zwei Mal im Jahr (Jahresanfang und Herbst) fast 1.000 Unternehmen mit insgesamt 140.000 Beschäftigten unter anderem danach, wie sie ihre gegenwärtige wirtschaftliche Lage beurteilen, ob sie von Insolvenz bedroht sind und mit welcher Geschäftsentwicklung sie in den kommenden Monaten rechnen. Auch die Unternehmen im hiesigen IHK-Bezirk haben zum Ruhrlagebericht beigetragen. Zu den Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet zählen neben der Niederrheinischen IHK Duisburg, Wesel, Kleve zu Duisburg die IHK Mittleres Ruhrgebiet Bochum, die IHK zu Dortmund, die IHK für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen, die Südwestfälische IHK zu Hagen und die IHK Nord Westfalen (Emscher-Lippe-Region).

Mehr zum 107. Konjunkturbericht der IHKs im Ruhrgebiet findet man hier: https://www.ihks-im-ruhrgebiet.de.

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Grafiken aus dem Konjunkturbericht der Ruhr-IHKs Herbst 2021:

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© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Foto: IHK Nord Westfalen (1), Petra Grünendahl (1), Grafiken: IHK Nord Westfalen

 
 

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Ein Kommentar "Ruhrlagebericht: Konjunkturumfrage der Ruhr-IHKs im Herbst 2021"

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